Neuer Bebauungsplan
Weniger Autos, mehr Grün: Schönheits-OP für Luzerner Lindenstrasse wird konkret

Begegnungszone, kleiner Park, neuer Spielplatz: Die Stadt Luzern will das Lindenstrasse-Quartier aufwerten. Sie ebnet zudem den Weg für die bauliche Entwicklung – nur liegt diese kaum in ihren Händen.

Roman Hodel
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Die Lindenstrasse im Luzerner Stadtteil Reussbühl hat eine besondere Ausstrahlung. In den alten, wenn überhaupt sanft sanierten Häusern leben Menschen aus aller Welt in günstigen Wohnungen; für Betrieb sorgen Coiffeure, Beizen und Gewerbe – ja, darunter auch das Horizontale. Doch das Quartier ist auch geprägt von viel Lärm und Verkehr.

Das bekam man 1:1 mit am Freitag bei einem Medientermin der Stadt Luzern, die über den geplanten Bebauungsplan informiert hat. Schon bei der Begrüssung auf der Lindenstrasse fährt Auto um Auto an uns vorbei. Ganz zu schweigen vom Verkehr vorne auf der Kantonsstrasse. Hinzu kommen die Züge – es sind Hunderte am Tag, die durchs Reusstal rollen.

Fluhmühle ist aus diesem Bebauungsplan entfernt

Zwar hat die Stadt in den letzten Jahren einiges unternommen, um das Quartierleben zu aktivieren – etwa mit Spielnachmittagen, Urban Gardening oder auch dem Frauencafé. Doch für die ins Stocken geratene bauliche Entwicklung braucht’s eben den mit den Grundeigentümern nun erarbeiteten Bebauungsplan. Diesen hätte die Stadt gerne gleich für das ganze Gebiet Lindenstrasse-Fluhmühle aufgleisen wollen. «Doch es zeigte sich, dass es für einige Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer in der Fluhmühle zu früh ist, sich bei der Planung festzulegen», sagt Baudirektorin Manuela Jost (GLP) auf dem Rundgang.

Baudirektorin Manuela Jost auf der Lindenstrasse.

Baudirektorin Manuela Jost auf der Lindenstrasse.

Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. April 2021)

Häuser dürfen nicht höher werden

Die Bebauung an der Lindenstrasse wird gemäss Plan volumenmässig in etwa so bleiben. Die Häuser können ersetzt, dürfen aber nicht höher werden. Das gilt auch für das bestehende Hochhaus an der Kantonsstrasse. In den Erdgeschossen erlaubt die Stadt höhere Geschosse und erwartet dafür publikumsorientierte Nutzungen, Wohnen ist nicht erlaubt. Sie hofft, dass die Eigentümer mehr Wohnungen für Familien realisieren – heute existieren hier viele Kleinwohnungen. Jost sagt:

«Wir wünschen uns mehr soziale Durchmischung.»

Dass durch die Aufwertung die heutige Bevölkerung verdrängt wird, glaubt sie nicht. «Das Ganze soll ja langsam geschehen und das Quartier seinen Charme behalten.» Zumal der Einfluss der Stadt ohnehin überschaubar ist – die meisten Parzellen gehören Privaten. Das zeigt sich deutlich, als wir auf dem Rundgang zu einem Areal mit privaten Parkplätzen neben dem Restaurant Schlüssel kommen:

Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. April 2021)

Hier stellt sich die Stadt künftig den Lindenplatz vor. Um diesen zu realisieren, braucht es jedoch eine Tiefgarage. Vor allem aber: Die privaten Grundeigentümer müssen das alles auch wollen.

Anzahl öffentlicher Parkplätze wird mehr als halbiert

Sicher ist: Dort, wo sie kann, wird die Stadt bald ins Geschehen eingreifen. Etwa bei der Strasse selber – sie soll zur Begegnungszone mit Tempo 20 werden. Hierfür müssen aber rund 15 der heute 25 öffentlichen Parkplätze weichen. Baubeginn ist frühestens 2023, wenn die laufenden Bauarbeiten an der nahen Kantonsstrasse zum grössten Teil abgeschlossen sind.

So mag es die Stadt – viel Platz für Fussgänger und die Autos kaum sichtbar: Die Lindenstrasse als Begegnungszone.

So mag es die Stadt – viel Platz für Fussgänger und die Autos kaum sichtbar: Die Lindenstrasse als Begegnungszone.

Visualisierung: PD/Stadt Luzern

Weiter will die Stadt den Spielplatz oberhalb der Lindenstrasse komplett erneuern und dank Rampen und breiten Treppen besser zugänglich machen. Es ist eines der wenigen Grundstücke, das der Stadt gehört:

Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. April 2021)

Ein zweites, rund 1000 Quadratmeter grosses Grundstück könnte aber bald dazukommen. Es befindet sich neben dem Zimmeregg-Tunnelportal in Hanglage. Hier plant die Stadt den Ersatz für den Fluhmühlepark:

Bild: Pius Amrein (Luzern, 30. April 2021)

Das alte Pärkli musste bekanntlich diesem Bauinstallationsplatz für die Kantonsstrasse weichen:

Hier befand sich der kleine Fluhmühlepark.

Hier befand sich der kleine Fluhmühlepark.

Bild: hor

Vorgesehen sind am neuen Ort unter anderem ein hangbedingter Zick-Zack-Weg, Liegenetze und Sitzgelegenheiten:

Visualisierung: PD/Stadt Luzern

Ursprünglich war der Park viel grösser vorgesehen und sollte bis ins Fluhmühle-Gebiet hinein reichen. Doch die Stadt konnte sich mit den Grundeigentümern wegen «unterschiedlicher Entwicklungsvorstellungen» nicht einigen – vorerst. Der Grosse Stadtrat wird voraussichtlich Ende 2021 über den Kredit entscheiden. Die Baukosten dürften rund 1,6 Millionen Franken betragen; wie teuer das Land ist, wollte die Stadt noch nicht sagen. Läuft alles nach Plan, könnte der Park 2022 realisiert werden.

Doch zuerst wird sich das Luzerner Stadtparlament mit dem Bebauungsplan befassen. Dieser und die entsprechenden Änderungen der Bau- und Zonenordnung sind an der Sitzung vom kommenden 10. Juni traktandiert. Mit einem Ja schafft der Grosse Stadtrat die Grundlage für mögliche neue Wohn- und Arbeitsflächen an der Lindenstrasse.