Neuer Brückenbauer mischt sich unter die ausländische Wohnbevölkerung

Eine neu geschaffene Stelle soll zwischen der Luzerner Polizei und der ausländischen Wohnbevölkerung vermitteln. Hauptziel: Frühzeitig erkennen, wer sich politisch oder religiös radikalisiert.

Alexander von Däniken
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Die Stellenbezeichnung ist ungewöhnlich, zumal für ein Polizeikorps: Ab dem 1. November arbeitet bei der Luzerner Polizei ein Brückenbauer. Dies bestätigt die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung. Es handelt sich um einen Polizisten mit mehrjähriger Diensterfahrung, Erfahrungen in interkultureller Arbeit und einem ausgeprägten Einfühlungsvermögen gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Das Korps wird ihn auf den Arbeitsbeginn vorstellen.

Schon jetzt ist klar, was der Mann machen wird, wie Erwin Gräni, Chef Prävention der Luzerner Polizei, erklärt: «Der Brückenbauer ist eine Verbindungsperson zwischen der Luzerner Polizei und ausländisch stämmigen, im Kanton Luzern ansässigen Personen.» Der Brückenbauer sei dabei Ansprechperson für die Verantwortlichen von verschiedenen Vereinigungen. Der Austausch wird gegenseitig verlaufen: Als Ansprechperson nimmt der Brückenbauer Anliegen von Vereinigungen gegenüber der Luzerner Polizei entgegen, er thematisiert aber auch polizeiliche Anliegen gegenüber den Vereinigungen.

Zunahme an Religions- und Glaubenskonflikten

Mit Vereinigungen sind hauptsächlich Vereine gemeint, in denen sich Teile der ausländischen Bevölkerung treffen. Zum Beispiel Moscheevereine oder Gruppen einer bestimmten Ethnie. Erwin Gräni sagt denn auch: «Aufgrund der weltweiten Zunahme von Religions- und Glaubenskonflikten, Terrorgewalt, Radikalisierung und Flüchtlingswellen besteht ein steigender Bedarf in Bezug auf interkulturellen Austausch, Netzwerkpflege, behördeninternen Informationsaustausch und Austausch zwischen der Polizei und den hier ansässigen Menschen und Institutionen aus fremden Kulturkreisen.»

Radikalisierung ist laut Gräni ein individueller Prozess, der für Aussenstehende nicht immer zu erkennen ist.

«Dennoch gibt es häufig Warnhinweise, die man ernstnehmen muss und denen man nachgehen sollte.»

Ein aufmerksames und sensibilisiertes soziales Umfeld könne Veränderungen früher als eine Behörde erkennen. «Je eher die Prävention bei einer festgestellten möglichen Radikalisierung ansetzt, desto höher ist die Chance, dass sie noch rechtzeitig gestoppt werden kann.»

Fast ein Fünftel ist ausländischer Herkunft

Im Kanton Luzern sind rund 19 Prozent der Bevölkerung Menschen ausländischer Herkunft mit unterschiedlichen Ethnien, Kulturen und Religionen. Damit verbunden ist ein entsprechendes Konfliktpotenzial, sagt Gräni. «Insbesondere auch dann, wenn es darum geht, polizeiliche Massnahmen wie zum Beispiel Festnahmen bei Personen oder Personengruppen mit Migrationshintergrund durchzusetzen.»

Der Brückenbauer ist im Dienst Prävention eingeteilt und arbeitet eng mit dem kantonalen Bedrohungsmanagement zusammen. Sein Wirkungsfeld soll aber weit darüber hinausgehen. Er soll Sozialarbeitern, Vereinsvorständen, Schulleitern, Schulpsychologen, Gemeindeverwaltungen, Migrations- und Asylbehörden sowie Gefängnisleitern Zusammenhänge zwischen gefährdeten Gruppen und problematischen Radikalisierungstendenzen aufzeigen.

Laut Gräni haben bereits mehrere grössere Kantone positive Erfahrungen mit dem Einsatz eines Brückenbauers gemacht. Die Stelle wird aus dem Pool der vom Parlament bewilligten Personalaufstockung bei der Luzerner Polizei geschaffen, verursacht also keine separaten Kosten. Die neue Stelle ist ein Auftrag aus dem nationalen Aktionsplan zur Verhinderung und Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus des Sicherheitsverbunds Schweiz. Der Aktionsplan soll bis 2022 umgesetzt sein.

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