Neuer Hirsmändigsbote ist erstmals eine Frau

Das gabs noch nie: Eine Frau hat am Montag den traditionellen Hirsmändigsbrief verlesen. Die Sprüche waren vorwitzig wie eh und je.

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Die neue Hirsmändigs-Botin Klara Bucher auf dem Dorfplatzin Flühli hoch zu Ross. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die neue Hirsmändigs-Botin Klara Bucher auf dem Dorfplatzin Flühli hoch zu Ross. (Bild: Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die Spannung steigt. Wer ist wohl der neue Hirsmändigsbote? Da kommt er angeritten – Pardon, sie. Erstmals wurde der traditionelle Hirsmändigs-Brief gestern von einer Frau verlesen. «Vorher kam einfach noch niemand auf die Idee, dass es auch eine Frau sein könnte», sagt Sabine Bucher von der Hirsmändigsgesellschaft, welche die Boten auswählt. Diese müssten nicht nur super reimen können, sondern auch viele Sympathien aus der Bevölkerung erhalten. Zuvor war CVP-Kantonsrat Bruno Schmid acht Jahre lang Bote.

Telefon im Backofen

«Vom Ross abe spräche jetz wiblechi Hormon», sagt die neue Botin, Klara Bucher, zu den rund 500 Zuschauern. Hormone hin oder her – der traditionelle, vom jeweiligen Boten selbst gereimte Brief, den sie hoch zu Ross während 45 Minuten zum Besten gibt, kommt gewohnt witzig und bissig daher. Aufs Tapet gebracht werden darin nicht nur internationale und regionale Brennthemen, sondern auch (unfreiwillig) komische Einlagen von Flühlern (siehe Kasten). Wie jene Oma, die beim Backen plötzlich ihr Telefon vermisste. Als der Kuchen fertig war, tauchte es wieder auf – ihr Enkel hatte es im Ofen versteckt.

«Sehr begeistert» von der neuen Botin war Nelly Limacher (61) aus Flühli. «Schön, dass nach so langer Zeit mal eine Frau Bote ist.» Auch Ehrengast Regierungsrat Guido Graf, schon zum zweiten Mal dabei, hatte den Plausch: «Es ist gemütlich und gar nicht steif.» Sie habe immer schon viel gedichtet, etwa für Hochzeiten oder Schnitzelbänke, sagt Botin Klara Bucher und schwärmt: «Zu spüren, dass den Leuten meine Sprüche gefallen, war grandios.»

Der Hirsmändig ist der wohl älteste Luzerner Fasnachtsbrauch. Er geht auf die Schlacht bei Buttisholz Ende des 14. Jahrhunderts zurück. «Früher waren die Sprüche weniger fein als heute», sagt Friedrich Schmid (59) aus Schüpfheim. «Oft ging es darin um Ehebruch.»

Mirjam Weiss