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Neuer Kurs soll Scheidungseltern helfen

Wie schafft man es, dass die Kinder bei einer Trennung möglichst wenig leiden? Die Luzerner Beratungsstelle Elbe bietet dazu neu Kurse an. Diese sind zwar teuer – doch der Nutzen sei gross, sagt die Stellenleiterin.
Robert Knobel

Als Melanie (Name geändert) eines Mittags nach Hause kommt, liegt der Hausschlüssel ihres Mannes auf dem Küchentisch. Zudem sind sämtliche persönlichen Sachen und auch einige gemeinsame Haushaltsgegenstände ausgeräumt. Kurz darauf kommen die Kinder nach Hause. Sie hatten am Morgen ein SMS ihres Vaters erhalten, wonach er heute ausgezogen sei. Kein Wunder fällt Melanie in ein psychisches Loch. Sie wendet sich an die Elbe, Fachstelle für Lebensfragen, welche im Auftrag der Kantone Luzern, Ob- und Nidwalden sowie der drei Landeskirchen Beratung unter anderem in Beziehungsfragen anbietet.

Doch wie soll Melanie die Verantwortung für ihre Kinder wahrnehmen, wenn sie mit deren Vater kein Wort mehr reden kann und jeder Kontakt gleich in eine Szene ausartet? Mit solchen Konstellationen befasst sich die Beratungsstelle regelmässig, wie die Leiterin Hildegard Pfäffli sagt. Die Elbe bietet daher ab Herbst einen neuen Kurs für Eltern nach Trennung und Scheidung an.

«Die beiden Elternteile besuchen den Kurs jeweils separat an verschiedenen Abenden», sagt Hildegard Pfäffli. Auch werden die Kurse an den beiden Abenden von unterschiedlichen Fachpersonen geleitet, die sich nicht über die jeweiligen Teilnehmer austauschen. Das Angebot sei denn auch keine Paartherapie, betont Hildegard Pfäffli. «Es geht in erster Linie darum, dass ich als Elternteil lerne, mit der Situation umzugehen, und vor allem auch für die Kinder da zu sein, sie in dieser belastenden Situation gut zu begleiten und ihre Entwicklung zu fördern.»

Telefonieren, ohne sich dabei anzuschreien

Mit Rollenspielen, Übungen und fachlichen Inputs soll erreicht werden, dass man wieder mit dem Ex-Partner kommunizieren kann – zu Gunsten der Kinder. Ein Ziel kann nur schon sein, telefonieren zu können, ohne den anderen anzuschreien. «Eltern bleiben Eltern. Der Kurs ist eine Chance, dass Eltern ihre Muster erkennen, die Konflikte mit dem Ex-Partner entschärfen und neue Lebensperspektiven gewinnen können», sagt Hildegard Pfäffli.

Das Kursprogramm «Kinder im Blick», das im Herbst in der Zentralschweiz startet, wurde in Deutschland entwickelt und wird in der Schweiz bereits in Zürich und Basel angeboten. Die sieben Kursabende kosten 1370 Franken pro Person. Viel Geld in einer Trennungssituation, die oft auch finanziell belastend ist. Hildegard Pfäffli ist sich dessen bewusst. Doch sie sagt auch: «Wenn dadurch Kosten für Anwälte und Psychotherapie für Kinder vermieden werden können, ist der Preis gerechtfertigt.» Die bisherigen Erfahrungen mit dem Kurs hätten jedenfalls einen positiven Einfluss auf die allgemeine Konfliktsituation sowie auf die Entwicklung der Kinder gezeigt.

Pfäffli hofft, dass damit künftig auch die öffentliche Hand entlastet werden kann. «Nicht selten brauchen Eltern nach Trennung oder Scheidung einen Beistand, weil sie es allein nicht mehr schaffen. Das ist dann teuer.» In Basel werde der Kursbesuch deshalb sogar vom Scheidungsrichter verordnet. Hildegard Pfäffli setzt sich dafür ein, dass «alle, die dies wollen, den Kurs besuchen dürfen, selbst wenn sie nur 100 Franken bezahlen können.» Dazu ist die Beratungsstelle auf Stiftungen und Spenden angewiesen, die bei Bedarf die Kurskosten mittragen.

Heute geht in der Schweiz fast jede zweite Partnerschaft mit Kindern in die Brüche. Die Trennung muss dabei nicht immer so dramatisch ablaufen wie im eingangs erwähnten Beispiel von Melanie. Dennoch ist die erste grosse Hürde nach dem Trennungsentschluss die Frage «Wie sagen wir’s den Kindern?» Wichtig sei, dass man den Entscheid gemeinsam kommuniziere, sagt Hildegard Pfäffli. «Und man soll viel Zeit einberechnen. Das geht nicht zwischen zwei Terminen.» Nicht selten geben sich Kinder die Schuld an der Trennung. «Deshalb ist es wichtig zu sagen, wir als Paar haben ein Problem – aber wir bleiben eure Eltern. Wir sind weiterhin beide für euch da.»

«Für Kinder sind beide Elternteile wichtig»

Und was hält Hildegard Pfäffli vom gemeinsamen Sorgerecht, das neuerdings in der Schweiz Standard ist? «Mit Blick auf die Kinder ist dies sicher eine gute Entwicklung», sagt sie. Denn beide Elternteile seien wichtig. Das gemeinsame Sorgerecht stärke insbesondere die Position der Väter. «Das ist gut so. Kinder brauchen eine starke Beziehung zu ihren Müttern und Vätern. Ganz nach dem Motto: Um die Stürme im Leben gut zu überstehen, braucht man starke Wurzeln.»

www.kinderimblick.ch www.elbeluzern.ch

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