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Interview

Neuer Luzerner Klinikdirektor: «Viele Spitäler haben noch Luft nach oben»

Der neue Direktor der Hirslanden Klinik St. Anna Luzern, Martin Nufer, spricht über den Wechsel vom Arzt zum Manager und über ungleich lange Spiesse zwischen öffentlichen und privaten Spitälern.
Balz Bruder
Direktor Martin Nufer auf der Dachterrasse der Klinik St. Anna in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 4. September 2018)

Direktor Martin Nufer auf der Dachterrasse der Klinik St. Anna in Luzern. (Bild: Pius Amrein, 4. September 2018)

Martin Nufer, wie schwierig war es für Sie, den Arztkittel mit dem Anzug zu tauschen?

Nicht ganz einfach. Aber ich habe mir das gut überlegt. Und finde es spannend, nun als Direktor tätig zu sein. Auch wenn ich natürlich weiterhin wissen will, was von dem am Patientenbett ankommt, was wir in der Geschäftsleitung entscheiden.

Sie wechseln in einer bewegten Zeit: Die Hirslanden-Gruppe steckt mitten in einem massiven Effizienzprogramm, St. Anna ist mit der Integration der Klinik in Meggen beschäftigt – und nun warten die Herausforderungen der zunehmenden Verlagerung vom Stationären ins Ambulante.

Der Wandel gehört zum Gesundheitswesen – er verläuft derzeit vielleicht einfach etwas rascher. Das beunruhigt mich nicht. Der grösste Challenge sind derzeit die sinkenden Erträge. Wir müssen aufpassen, dass wir die Kraft erhalten, um weiterhin zu gestalten – und nicht einfach reagieren.

«Bei fast allen Eingriffen, die im Kanton Luzern gemäss Weisung der Gesundheitsdirektion in der Regel ambulant durchzuführen sind, decken die Tarife unsere Kosten nicht.»

Wo liegt das Problem? Im Stationären, wo die Basispreise sinken? Oder im Ambulanten, wo aufgrund des Tarifs nicht überall kostendeckend gearbeitet werden kann?

Machen wir uns nichts vor: Bei fast allen Eingriffen, die im Kanton Luzern gemäss Weisung der Gesundheitsdirektion in der Regel ambulant durchzuführen sind, decken die Tarife unsere Kosten nicht. Es geht also nicht um eine Reduktion des Gewinns, sondern um rote Zahlen. Wir haben uns deshalb grundsätzlich damit auseinandergesetzt, ob wir die Leistungen weiter anbieten wollen oder nicht.

Und Sie wollen.

Ja, weil wir als Zentrumsklinik unseren Patienten verpflichtet sind. Und darüber hinaus die Ambition haben, die Leistungen zumindest mit einer schwarzen Null zu erbringen.

Wie spürt das der Patient?

Es geht alles schneller als früher. Die Patienten gehen früher nach Hause als bisher. Das birgt potenziell Risiken – und mit diesen müssen wir vernünftig umgehen. Das können wir. Auch, weil wir mit der Gesundheitsdirektion ein gutes Einvernehmen darüber gefunden haben, wie wir mit kritischen Fällen umgehen.

Die Entwicklung ist mit Sicherheit irreversibel.

Ja, das ist so. Deshalb haben wir fünf Millionen Franken in ein ambulantes Operationszentrum im Bahnhof Luzern investiert. Das ist aber nicht das grosse Thema, das mich umtreibt.

Sondern?

Was geschieht mit dem stationären Bereich, wenn die Verschiebung ins Ambulante fortschreitet? Es gibt einige Anzeichen dafür, dass verschiedene Spitäler bei tendenziell abnehmenden Fallzahlen und Preisen in die roten Zahlen kommen werden. Das heisst auch für uns: Wir müssen relevant Kosten sparen.

«Die Hospitalisationsdauer, das heisst, die Zeit, die ein Patient im Spital verbringt, wird weiter sinken.»

Wie machen Sie das? Wo sehen Sie Potenzial?

Die Hospitalisationsdauer, das heisst, die Zeit, die ein Patient im Spital verbringt, wird weiter sinken. Unsere Aufgabe ist es, das so umzusetzen, dass die Patientensicherheit nicht gefährdet ist. Das bedeutet auch, dass die Behandlungszeit für unser Personal noch intensiver wird.

Wird es zu einem Personalabbau kommen? Und wenn ja: Wo wird dieser der Fall sein?

Davon gehe ich nicht aus. Es ist eine Frage der Organisation und der Durchlässigkeit zwischen ambulantem und stationärem Bereich. Das heisst: Wir müssen bei den Arbeitsmodellen sicher flexibler werden zwischen hoch intensiven und weniger belasteten Zeiten.

Profitieren Sie von Erfahrungen innerhalb der Hirslanden-Gruppe, konkret von anderen Kliniken?

Ja, klar – wir tauschen uns intensiv über unsere Erfahrungen aus. Aber es ist eine Sache, eine Klinik in Genf zu führen und eine andere, eine in Luzern. Das Geschäft ist und bleibt lokal.

St. Anna hat heute fast 50 Prozent Allgemeinversicherte und nicht mehr nur Beleg-, sondern auch festangestellte Ärzte. Hilft diese Re-Positionierung?

Ein Patient ist ein Patient, unabhängig von seinem Versicherungsstatus. Das bleibt auch so. Aber es ist relevant für die Finanzierung der Klinik. Vor allem in Zeiten, in denen die Kantone ihre öffentlichen Häuser mit Bauinvestitionen und gemeinwirtschaftlichen Leistungen quersubventionieren. Das ist eine heikle Entwicklung.

Haben Sie ein Problem mit dem Luzerner Kantonsspital?

Nein, überhaupt nicht. Wir arbeiten in vielen Bereichen partnerschaftlich zusammen. Selbstverständlich sind wir in gewissen Disziplinen aber auch harte Konkurrenten. Und das ist gut so. Davon profitieren die zuweisenden Ärzte und letztlich auch die Patienten, wenn es um die Leistungsbereitschaft geht.

Das ändert nichts an den ungleich langen Spiessen, die Sie angesprochen haben. Der Verband Privatkliniken Schweiz hat jüngst eine Studie publiziert, die zeigt, dass jährlich immer noch über 2 Milliarden Franken an offenen und verdeckten Subventionen in die öffentlichen Spitäler fliessen.

Das ist so und besorgt mich. Auch wenn ich sagen kann, dass sich der amtierende Luzerner Gesundheitsdirektor bemüht, möglichst gleich lange Spiesse walten zu lassen. Das war unter früheren Regierungen auch schon anders. Es gibt Extrembeispiele wie den Kanton Genf, wo die Subventionierung ein Ausmass angenommen hat, wo von einem Wettbewerb auch nicht mehr ansatzweise gesprochen werden kann. Das geht eher früher als später ans Lebendige.

«Wir sollten weniger über Strukturen und mehr über Inhalte, konkret über die Qualität der medizinischen Versorgung, reden.»

Ist also primär der Regulator schuld, wenn es den Spitälern nicht läuft? Oder gibt es auch Hausaufgaben in den Häusern selber?

Ja, unbedingt, das müssen wir selbstkritisch anerkennen. Die Angemessenheit der medizinischen Leistung – die sogenannte Indikationsqualität – ist zum Beispiel ein grosses Thema. Oder die konsequente Durchführung des Patientenpfades. Oder die Transparenz über das Ergebnis, den Outcome der medizinischen Leistung. Oder die Aufrechterhaltung des Patientenkontakts. Da haben viele Spitäler noch Luft nach oben.

Was braucht es über den Tag hinaus?

Wir sollten weniger über Strukturen und mehr über Inhalte, konkret über die Qualität der medizinischen Versorgung und die Grundlagen, die es dafür braucht, reden. Es muss in Zukunft im Sinn des Patientennutzens mehr um das gehen, was wir in welcher Qualität produzieren. Da sind wir in der Schweiz im Vergleich mit den USA beispielsweise weit im Hintertreffen.

Spricht da der Arzt oder der Spitalmanager?

Beide. Es geht eben nicht nur um Medizin im engeren Sinn, sondern auch um die Etablierung einer Kultur, die Qualität und Patient schonungslos ins Zentrum stellt. Das ist mir als Arzt und Klinikdirektor gleichermassen wichtig.

Wann stehen Sie wieder am Patientenbett?

(lacht) Ich bin und bleibe Arzt, das ist klar. Aber jetzt bin ich Klinikdirektor und hoffe, dass die Patienten auch von meinem ärztlichen Hintergrund als Spitaldirektor etwas spüren. Unsere erste Aufgabe ist, gute Medizin zu machen. Das ist die Basis unseres Wirtschaftens. Und ich setze mich dafür ein, dass das so bleibt.

Kliniker und Manager

Anfang Juni hat Martin Nufer (52) die Leitung der Luzerner Klinik St. Anna von Dominik Utiger übernommen, der den Weg zurück in die Arztpraxis eingeschlagen hat. Nufer ist seit 2007 in der Klinik tätig, zuerst als Internist und Leiter des Notfallzentrums, ab 2012 als medizinischer Direktor und Vizedirektor von St. Anna. Der Facharzt für Innere Medizin spezialisierte sich als klinischer Notfallmediziner und war drei Jahre am Massachusetts Institut of Technology (MIT) in Boston, wo er sich an der Sloan School zum Master of Science in Management ausbilden liess. Nufer ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und den vier Kindern in Adligenswil. (bbr.)

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