Neuer Pastoralraum im Hitzkirchertal soll Kräfte bündeln

Vier Pfarreien werden im Hitzkirchertal in den neuen Pastoralraum gegliedert. Dazu wird die Bevölkerung befragt.

Niels Jost
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Die Schweizer Pfarreien-Landschaft ist ein regelrechter Flickenteppich. Auch im Kanton Luzern. Die 100 Pfarreien der römisch-katholischen Kirche sollen in 26 Pastoralräume gegliedert sein. Ziel ist es, das kirchliche Leben in den Regionen gemeinsam zu organisieren, sprich: Synergien nutzen, Mehrwert für die Katholikinnen und Katholiken schaffen.

Daniel Unternährer leitet das Projekt Pastoralraum Hitzkirchertal.

Daniel Unternährer leitet das Projekt Pastoralraum Hitzkirchertal.

Bild: PD

Nach und nach werden die Pastoralräume nun errichtet. Auch im Seetal. Hier werden die Pfarreien Hitzkirch, Aesch, Müswangen und Schongau in den Pastoralraum Hitzkirchertal gegliedert. «Die Pfarreien werden nicht zusammengelegt und bleiben eigenständig», betont Projektleiter Daniel Unternährer. Vielmehr gehe es darum, dass die Pfarreien ihre pastoralen Aufgaben und Tätigkeiten nicht eigenständig stemmen müssen, sondern gemeinsam koordinieren und anbieten können. «Schon heute arbeiten die Pfarreien in gewissen Bereichen zusammen. Das wollen wir stärken», sagt Unternährer.

Interviews sollen zeigen, wo der Schuh drückt

Auf den Diakon und Gemeindeleiter vierer Pfarreien im Hitzkirchertal warten in den kommenden Monaten viel Arbeit. Ziel ist es, den Pastoralraum mit einer Feier am 2. Mai 2021 zu errichten. Ein erste «Kick off»-Sitzung hätte kürzlich stattfinden sollen. Aufgrund des Coronavirus wird diese aber auf noch unbestimmte Zeit verschoben. Nichtsdestotrotz soll die Bevölkerung stark mit einbezogen werden in den Aufbau, sagt Unternährer. «Wir möchten die Bedürfnisse, Wünsche und Ängste der Bevölkerung abholen.» Dafür werden voraussichtlich nach den Sommerferien Interviews mit unterschiedlichen Personen und Gruppierungen aus dem Hitzkirchertal geführt.

Diese Ist-Situation soll dann in einem weiteren Schritt analysiert werden und die Erkenntnisse in das neue Pastoralkonzept einfliessen. «Unser Auftrag ist es, den christlichen Glauben in die heutige Zeit zu übersetzen», erklärt Unternährer. Dies fordere der Pastorale Entwicklungsplan des Bistums Basel, welcher die Grundlage für die Reorganisation durch die Pastoralräume bildet.

Von Seelsorge im Altersheim bis Religionsunterricht

Was zunächst nach einem Papiertiger tönt, wird für die rund 5500 Katholiken im Hitzkirchertal aber durchaus fassbar sein. Denn im Konzept wird beispielsweise festgehalten, wie der Religionsunterricht in Zeiten des Lehrplan 21 künftig aussehen soll, wie man die Seelsorge in Alters- und Pflegeheimen gestaltet, die immer multireligiöser werden. Oder, was im Bereich der Erwachsenenbildung sowie Kinder- und Jugendarbeit getan werden kann.

Viele Fragen also, auf die es keine eindeutige Antworten gibt und die eine fundierte Abklärung bedürfen. Unternährer: «Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Bestehendes, das heute bereits gut funktioniert, können wir weiterführen.» Gleichzeitig biete die gemeinsame Ausrichtung die Möglichkeit, «alte Zöpfe» abzuschneiden. Dabei sei stets Augenmass und eine sorgfältige Kommunikation wichtig, weiss Unternährer, der bereits das Projekt des Pastoralraums Rontal leitete.

«Der Zeitplan ist sportlich»

Aus diesem Grund kann die Bevölkerung nochmals Stellung nehmen zum erstellten Konzept. Im Spätherbst soll dazu eine Echogruppe gebildet werden. Zuletzt muss das Projekt von der Bistumsleitung und schliesslich von Bischof Felix Gmür genehmigt werden. Ob für all das die Zeit bis zur Eröffnungsfeier am 2. Mai 2021 reicht? «Der Zeitplan ist sportlich, aber machbar», sagt Unternährer.

Doch die eigentliche Arbeit beginne dann erst, nämlich die Umsetzung. «Ein Konzept alleine nützt nichts», so der Projektleiter. Gefragt seien nicht zuletzt die rund 60 Angestellten im Pastoralraum Hitzkirchertal, von denen der Grossteil in einem Teilzeitpensum arbeitet. Wie der Rest der Bevölkerung und die vielen ehrenamtlich Engagierten sollen auch sie sich in den jetzigen Aufbauprozess einbringen. «Die Werte eines Pastoralraums sollen nicht von oben herab diktiert, sondern gemeinsam erarbeitet und getragen werden.»