Stadt-Land-Graben

Neuer Richtplan für den Kanton Luzern: Verband der Agglogemeinden kontert Kritik aus der Landschaft

Die Entwicklung des Kantons sei einseitig zu Ungunsten der Landschaft ausgerichtet, monieren die Landgemeinden. Der Verband der Agglogemeinden kontert diese Kritik. Weniger Zersiedelung entspräche dem Volkswillen.

Dominik Weingartner
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Mit dem Richtplan steht der Kanton Luzern vor einer schwierigen Aufgabe. Denn es geht darum, die unterschiedlichen Bedürfnisse der Luzerner Regionen unter einen Hut zu bringen und eine für alle funktionierende Basis für die Weiterentwicklung des Kantons zu legen. Der Prozess für die Erneuerung des Richtplans ist im Sommer gestartet, bis 2024 soll er verabschiedet werden.

Kürzlich hat der regionale Entwicklungsträger Luzern West, der vor allem ländliche Gemeinden vertritt, Forderungen an den neuen Richtplan gestellt. Luzern West kritisiert am aktuellen Richtplan die einseitige Fokussierung Richtung Metropolitanraum Zürich sowie auf die sogenannte Y-Achse entlang der Hauptverkehrsachsen auf Schiene und Strasse als Entwicklungsschwerpunkte. Auch auf der Landschaft soll wirtschaftliche Entwicklung möglich sein, so der Tenor der Kritik (wir berichteten).

Nutzungsdruck in der Agglo höher

Nun meldet sich der Entwicklungsträger Luzern Plus zu Wort. Dieser vertritt unter anderem die Gemeinden der Agglomeration der Stadt Luzern und des Rontals, die auf der Y-Achse liegen. André Bachmann, Präsident von Luzern Plus, bekräftigt die bisherige Ausrichtung des Richtplans. «Das geltende Raumplanungsgesetz verlangt den haushälterischen Umgang mit dem Boden, sodass unsere Entwicklung mehrheitlich in den dichter bebauten Gebieten entlang den wichtigen Verkehrsachsen erfolgt», sagt er. Denn dort sei der öffentliche Verkehr leistungsfähiger, was zu einem aktiven Klimaschutz beitrage.

Blick auf das Rontal. Dort sieht der aktuelle Richtplan einen Entwicklungsschwerpunkt.

Blick auf das Rontal. Dort sieht der aktuelle Richtplan einen Entwicklungsschwerpunkt.

Peter Meier

Zudem: «Auch ländliche Gemeinden können sich bereits heute im Rahmen des geltenden Richtplanes und mit angemessen dimensionierten Bauzonen weiterentwickeln. Daran ist weiterhin festzuhalten.» Die Luzerner Regionen gegeneinander auszuspielen, erachtet Bachmann als «nicht opportun». Bachmann hälft fest, dass in der Agglomeration «der Nutzungsdruck einiges höher ist als in den ländlichen Gebieten unseres Kantons». Schliesslich lebten im Gebiet von Luzern Plus rund 60 Prozent aller Luzernerinnen und Luzerner.

Offen zeigt sich Luzern Plus bei der Diskussion um die Ausrichtung zum Metropolitanraum Zürich. Zwar sagt Bachmann: «Nach Daten der Pendlerstatistik gehört der Kanton Luzern zum Metropolitanraum Zürich. Luzern Plus zeigt aber Verständnis und erachtet es als zielführend, im neuen Richtplan auch die Verknüpfungen zu den anderen Nachbarkantonen aufzunehmen».

Digitalisierung und Klimawandel

Laut Bachmann ist Luzern Plus zufrieden mit dem aktuellen Richtplan. «Das Schweizer Stimmvolk hat mehrfach bestätigt, dass die weitere Zersiedelung zu stoppen sei. Diesem Ansinnen wird mit dem aktuellen Kantonalen Richtplan Rechnung getragen. Diese Stossrichtung ist in jedem Fall beizubehalten», sagt er. Neue Forderungen stellt sein Verband bei den Themen Digitalisierung und Klimawandel. Dazu soll der neue Richtplan Antworten geben, so Bachmann.

«Effiziente und effektive Verkehrssysteme, Versorgungssicherheit sowie die Nutzung der erneuerbaren Energien runden unseren Forderungskatalog ab.»

Seine Haltung habe der Verband «in einem konstruktiven Gespräch» mit dem zuständigen Regierungsrat Fabian Peter (FDP) einbringen können. «Wir schätzen diesen frühzeitigen und regelmässigen Miteinbezug aller regionaler Entwicklungsträger sehr», sagt Bachmann.