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Neuer SBB Fahrplan: Luzern erhält tägliche Frühverbindung ins Tessin

Der neue SBB-Fahrplan sieht einmal mehr eine tägliche Direktverbindung um 8.18 Uhr von Luzern nach Locarno vor. Dafür wollen die Bundesbahnen den Güterverkehr anpassen. Noch fehlt aber das Einverständnis des Bundes.
Kilian Küttel
Ein Neigezug der SBB am Urnersee unterwegs Richtung Tessin. (Bild: SBB)

Ein Neigezug der SBB am Urnersee unterwegs Richtung Tessin. (Bild: SBB)

Neue Runde in der Diskussion um die Frühzüge ins Tessin: Die SBB wollen eine tägliche Verbindung ab 8.18 Uhr von Luzern nach Locarno anbieten - und zwar mit dem kommenden Fahrplanwechsel, also ab Dezember diesen Jahres. «Mit dem Angebot von zusätzlichen Direktverbindungen aus Luzern und der Zentralschweiz bekennen sich die SBB zum Nord-Süd-Verkehr via Luzern», heisst es in einer Medienmitteilung der Staatsbahn. Die Verbesserung im Vergleich zum aktuellen Stand wäre augenscheinlich: Heute fährt von Dienstag bis Donnerstag der erste Direktzug erst ab 10.18 Uhr ins Tessin, montags und freitags um 09.18. Nur am Wochenende kommt man ohne Umsteigen bereits ab 08.18 Uhr von Luzern aus in die Sonnenstube der Schweiz.

Was die Bundesbahnen nun als positive Entwicklung kommunizieren, ist nichts anderes als die nächste Episode eines monatelangen Streits zwischen dem Bahnunternehmen und dem Bundesamt für Verkehr (BAV). Denn die SBB kündigte bereits vor der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels an, die Frühverbindung anzubieten. Das war im Sommer 2017. Bekanntermassen kam es jedoch nicht so weit, der Bund sperrte. Weshalb? Stein des Anstosses war ein Gütertrassee, das die SBB für den Personenverkehr nutzen wollten. So hätten sie sowohl eine Direktverbindung von Luzern als auch eine von Zürich anbieten können - die Luzerner Passagiere hätten in Arth-Goldau also nicht auf den bereits gut gefüllten Zug aus Zürich umsteigen müssen. Dies aber blockte das BAV mit der Begründung ab, die Trassen müssten für den Personen- als auch für den Güterverkehr gleich attraktiv bleiben. Als Alternative schlug der Bund den SBB vor, eine Direktverbindung von Zürich ins Tessin zu kippen - zu Gunsten einer Frühverbindung von Luzern. Denn der Bund pochte darauf, dass die SBB die Frühverbindung anbieten.

Güterverkehr von Morgen auf Mittag verschieben

Für die Bundesbahnen ist es aber keine Option, die rentable Linie Zürich-Lugano zu beschneiden. Jetzt aber kommt Bewegung in die Sache: Die SBB legen eine Variante vor, wie sie das Problem mit dem morgendlichen Güterverkehr umfahren wollen. Die Idee sieht vor, dass morgens kurz nach 8 Uhr zwei Züge fahren: einer ab Luzern nach Locarno, der andere ab Zürich nach Lugano. Ein Gütertrassee müsste zu Gunsten des Personenverkehrs geopfert werden. Dafür wollen die SBB auf zwei Intercity-Zugspaare verzichten, die jeweils mittags von Zürich aus ins Tessin fahren. Heisst: Statt morgens soll der Güterverkehr mittags freie Fahrt haben.

Der Vorschlag der SBB ist Musik in den Ohren des Luzerner CVP-Ständerats Konrad Graber: «Dies ist eine erfreuliche Nachricht.» Bis es aber so weit war, sei harte Arbeit nötig gewesen: «Eigentlich sollte es nicht erforderlich sein, dass sich Zentralschweizer Parlamentsmitglieder derart stark ins operative Geschäft eingeben müssen. Aber in diesem Fall war es notwendig», sagt Graber auf Anfrage unserer Zeitung. Damit spielt er auf seine Interpellation an, die er im September 2017 beim Bundesrat deponiert hatte. Darin fragte er die Landesregierung, ob die Zentralschweiz systematisch benachteiligt werde. Die Antwort des Bundesrat hatte es in sich. Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) schrieb: «Der Bundesrat erwartet, dass rasch eine Verbesserung realisiert und eine frühere Direktverbindung von Luzern durch den Gotthard-Basistunnel ins Tessin eingeplant wird.» Graber ist sich heute sicher, dass die Rüge des Bundesrates die Angelegenheit beschleunigt hat: «Es war hilfreich, dass Bundesrätin Doris Leuthard ein Machtwort gesprochen hat. Man könnte sagen, das hat Zug in die Sache gebracht», so Graber.

Zufriedener Robert Küng

Am Mittwoch traf sich die SBB-Führung mit dem Luzerner Regierungsrat zu einem Spitzentreffen. Gemäss der Medienmitteilung wäre auch vorstellbar, dass die SBB die Frühzüge gar vor dem Fahrplanwechsel 2019 einführen - sofern eine frühere Umsetzung möglich ist. Diese Bereitschaft stimmt den Luzerner Baudirektor Robert Küng (FDP) mehr als nur zufrieden. Auf Anfrage sagt er: «Ich freue mich, dass die SBB diese Direktverbindung ins Tessin sogar ab sofort täglich anbieten wollen. Damit wird eine zentrale Forderung von uns umgesetzt und der Bahnknoten Luzern weiter gestärkt.» Und auch Karin Blättler, die Präsidentin von Pro Bahn Zentralschweiz, sagt: «Es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wir sind froh, dass Bewegung in die Sache kommt.» Nichtsdestotrotz ist Blättler nicht vollends zufrieden mit der Lösung der SBB. Den Verzicht auf die beiden Mittagszüge von Zürich nach Lugano bedauert sie: «Es sollte nicht sein, dass eine Verbesserung nur zu Lasten von anderen Angeboten möglich wird. Wir erhoffen uns, dass man sobald wie möglich ein definitives Fahrplankonzept für die Nord-Süd-Achse aufzeigt.»

Die SBB-Idee stösst - trotz Blättlers leiser Kritik - in Luzern auf grossen Zuspruch. Nur: Im sicheren Bahnhof ist der Zug nicht. Denn noch muss der Bund grünes Licht für den Vorschlag der SBB geben. Nur wenn das passiert, kann die Frühverbindung erstens geschaffen und zweitens vielleicht gar noch vor dem Fahrplanwechsel eingeführt werden. Eine Nachfrage beim BAV fördert wenig Spruchreifes zu Tage. Sprecherin Florence Pictet sagt: «Der Vorschlag ist dem BAV bekannt. Er wird zu gegebener Zeit von den zuständigen Stellen geprüft.» Weiter erklärt sie, dass das BAV den SBB-Fahrplan zwar nicht genehmigen muss. Jedoch könnte es sein, dass die Idee nicht umgesetzt werden kann, wenn es zu Trassenkonflikten kommt. Konrad Graber hofft, dass die Geschichte nun zu einem Ende kommt und, dass das BAV einlenkt: «Ich hoffe, ich muss nicht nochmals einen Vorstoss einreichen.»

Es wäre nicht das erste Mal, dass die SBB nach einem kommunizierten Vorschlag zurückkrebsen müssten. Wie oben erwähnt, kündigten sie bereits im Sommer 2017 die Einführung der Frühverbindung an. Jetzt gehen die Bundesbahnen erneut ähnlich offensiv an die Öffentlichkeit, obwohl der Bund mit einer Bewilligung noch zurückhält. Will man damit Druck aufsetzen? Eine konkrete Antwort auf diese Frage ist von den SBB nicht zu erhalten. Sprecher Reto Schärli sagt dazu einzig: «Im Rahmen der Kommunikation zum Fahrplanwechsel möchten wir umfassend über die Neuerungen kommunizieren. Dazu gehören auch Absichten, welche noch unter Vorbehalt stehen.» Ein offenes Geheimnis ist indes, dass die Strecke Zürich-Lugano für die SBB lukrativ ist. Deshalb wehrte sich die Staatsbahn auch dagegen, eine Morgenverbindung zu Gunsten einer Frühverbindung ab Luzern zu streichen. Sind am Ende also nur finanzielle Interessen dafür verantwortlich, dass sich sich die SBB «zum Nord-Süd-Verkehr via Luzern bekennt», wie sie selber schreibt? Reto Schärli sagt es so: «Die SBB möchten den zahlreichen Kunden aus Zürich nicht zumuten, in Arth-Goldau auf den IC von Luzern umsteigen zu müssen. Wir erachten dies als nicht kundenfreundlich.»

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