Die Luzerner Notschlafstelle
zügelt in die Neustadt

Das bisherige Gebäude der Notschlafstelle an der Gibraltarstrasse 29 befindet sich in einem schlechten Zustand. 2022 erfolgt daher der Umzug an den Neuweg 3. Dort gibt es künftig noch ein weiteres soziales Angebot.

Stefan Dähler
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Vertreter des Vereins Jobdach und der Gemeinnützigen Stiftung für preisgünstigen Wohnraum (GSW) vor der künftigen Notschlafstelle am Neuweg in Luzern (von links): Heinz Spichtig (Geschäftsführer Jobdach), Annamarie Käch (Präsidentin Jobdach), Bernhard Kobler (Präsident GSW) und Rolf Fischer (Geschäftsführer GSW).

Vertreter des Vereins Jobdach und der Gemeinnützigen Stiftung für preisgünstigen Wohnraum (GSW) vor der künftigen Notschlafstelle am Neuweg in Luzern (von links): Heinz Spichtig (Geschäftsführer Jobdach), Annamarie Käch (Präsidentin Jobdach), Bernhard Kobler (Präsident GSW) und Rolf Fischer (Geschäftsführer GSW).

Bild: PD

Die Luzerner Notschlafstelle erhält einen neuen Standort in der Neustadt. 2022 zügelt diese von der Gibraltarstrasse 29 an den Neuweg 3, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Beide Liegenschaften gehören der Gemeinnützigen Stiftung für preisgünstigen Wohnraum Luzern (GSW). «Das Gebäude an der Gibraltarstrasse befindet sich in einem schlechten Zustand, es ist unter anderem von Hausschwamm befallen», sagt GSW-Präsident Bernhard Kobler. Weiter sei die Infrastruktur nicht mehr zeitgemäss.

Die GSW will dort einen Neubau erstellen und hat daher mehrere alternative Standorte für die Notschlafstelle geprüft. «Die Liegenschaft am Neuweg eignet sich am besten, weil sie zentral gelegen ist und die Raumvolumen gross genug sind», so Kobler. Die zentrale Lage sei wichtig, weil die Nutzer oftmals gesundheitliche und Suchtprobleme hätten und daher nicht sehr mobil seien.

Betreute Wohnungen für Suchtkranke

Die Notschlafstelle bietet 15 Plätze und wird vom Verein Jobdach betrieben. Im Schnitt besuchen diese acht bis zehn Personen pro Nacht, wobei es grosse Schwankungen geben kann. Im langjährigen Schnitt sind die Zahlen aber stabil, so Kobler. Die Finanzierung erfolgt via Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung, der hälftig vom Kanton Luzern und den Gemeinden getragen wird. Jobdach betreibt an der Murbacherstrasse zudem 22 betreute Wohnungen für Suchtkranke. Diese zügeln 2022 ebenfalls an den Neuweg. Dasselbe gilt für die Geschäftsstelle des Vereins, die sich derzeit am Hirschengraben befindet. Dadurch würden sich «wertvolle betriebliche Synergien» ergeben, wird Jobdach-Präsidentin Annemarie Käch in der Mitteilung zitiert.

Am Neuweg vermietet die GSW heute 60 Wohnungen «an Menschen mit eingeschränkter Wohnkompetenz», wie es in der Mitteilung heisst. «Daher ist die Nachbarschaft bereits an Leute mit Suchtproblemen gewöhnt», sagt Kobler. Künftig wird rund die Hälfte der Liegenschaft für die Jobdach-Angebote verwendet. «Wir haben nach Wegzügen schon einige Wohnungen nicht mehr vermietet und werden das weiter so handhaben.» 2022 werde es aber wohl noch ein paar Mieter geben, die ausziehen müssen. Kobler:

«Wir stellen niemanden auf die Strasse, sondern suchen für die Betroffenen eine Wohnung in einer anderen GSW-Liegenschaft.»

Bis 2022 müsse auch noch ein Betriebskonzept erstellt werden.

Die Stadt Luzern begrüsst den Umzug an den Neuweg. «Es ist gelungen, dass zwei bewährte Fachorganisationen, die in diesem Bereich bereits zusammenarbeiten, gemeinsam eine neue Lösung erarbeitet haben», sagt Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Die Stadt habe die Standortsuche unterstützt und bei der Lösungsfindung mitgearbeitet. «Es braucht eine Notschlafstelle in der Stadt. Wer in Not gerät und kurzfristig ein Dach über dem Kopf braucht, soll dort übernachten können», sagt Merki. «In den letzten 30 Jahren hat es dort auch nie nennenswerte Probleme gegeben.»

Der Quartierverein Hirschmatt-Neustadt erwartet auch am neuen Standort keine grösseren Konflikte, wie Co-Präsident Markus Schmid sagt. «Die Wohngruppe befindet sich bereits in unserem Quartier, dort gab es nie Probleme.» Das Gebiet Hirschmatt-Neustadt sei nun mal städtisch und lebendig, «es sollen hier alle gesellschaftlichen Gruppen ihren Platz haben».

Wohnungen sollen auch im Neubau günstig sein

Noch zur Gibraltarstrasse 29: Wie der Neubau aussehen wird, sei derzeit noch offen. «Bisher hatte die Standortsuche für die Notschlafstelle Priorität», sagt Kobler. Er rechnet mit einem Baubeginn zwischen 2023 und 2025. Das Ziel sei, dass auch der Neubau «GSW-konform» ist. Das heisst: Die Mieten sind tief; die Wohnungen werden an Leute vermietet, die sonst keine Bleibe im freien Wohnungsmarkt finden. «Neu zu bauen ist für uns Neuland», sagt Kobler. Normalerweise übernimmt die GSW ältere Liegenschaften. Ausserdem gilt das Gebäude als erhaltenswert. «Darum sind noch einige Abklärungen nötig.»

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