Neuer Strassenlärmkataster zeigt Lärmbelastung in Luzern auf – Verkehrsclub kritisiert Kanton

Der neue Strassenlärmkataster des Kantons Luzern zeigt auf, wie viel Lärm auf den Hauptverkehrsachsen entsteht. Teilweise ist die Lärmbelastung sehr hoch – der Verkehrsclub der Schweiz kritisiert den Kanton deshalb scharf.

Drucken
Teilen
Luzern sieht rot: an den roten Stellen überschreitet die Lärmbelastung den Alarmwert. (Bild: PD/geoportal.lu.ch/)

Luzern sieht rot: an den roten Stellen überschreitet die Lärmbelastung den Alarmwert. (Bild: PD/geoportal.lu.ch/)

(pd/sre) Der Strassenlärmkataster 2018 löst jenen aus dem Jahr 2005 ab, wie der Kanton Luzern mitteilt. Die Datenbasis sei mit den Informationen aus Strassenlärmsanierungsprojekten stark erweitert worden. Bereits seit April 2019 sind auf dem Geoportal neben den Verkehrszahlen auch die Emissionspegel (Lärm, der auf einer Strasse entsteht) einsehbar. Diese Pegel zeigen, wieviel Lärm auf einem Strassenabschnitt erzeugt wird. Seit Ende Mai 2019 sind zudem die Immissionspegel (Lärm an einem bestimmten Ort, zum Beispiel bei einem Haus) aufgeschaltet. Diese zeigen, wie hoch der Lärmpegel am lautesten Ort an der Hausfassade ist. 

Belastung überschreitet teilweise den Alarmwert

Die Messungen zeigen auch: heute sind im Kanton Luzern 17 Prozent der Bevölkerung – also rund 70’000 Personen – Lärmbelastungen durch den Verkehr auf Kantons- und Gemeindestrassen ausgesetzt, die über den geltenden Immissionsgrenzwerten liegen. Massgebend für die Beurteilung ist der Lärmpegel bei offenem Fenster. Bei drei Prozent, etwa 12‘000 Personen, überschreitet die Lärmbelastung sogar den Alarmwert.

Der Kanton versichert, dass bis auf wenige Ausnahmen, bei welchen der Prozess für die Umsetzung von Massnahmen noch im Gange sei, alle Kantonsstrassen im Kanton «lärmrechtlich sarniert» seien.

VCS übt scharfe Kritik am Kanton

Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) gibt sich mit dieser Erklärung nicht zufrieden. In einer Mitteilung wirft er dem Kanton vor, dass die Lärmsarnierung nur auf Papier stattgefunden habe: ««Seit Jahren saniert der Kanton Luzern seine Strassen nicht rechtskonform», kritisiert Dominik Hertach, Geschäftsleiter des VCS Luzern. Der VCS fordert, dass der Kanton Luzern beim Lärmschutz «rasch Massnahmen ergreift, um die gesetzeswidrige Lärmbelastung der über 80'000 Anwohner an Kantonsstrassen real zu senken.»

Der Kanton Luzern hat in seiner Mitteilung weiter geschrieben, dass man bemüht sei, die Lärmbelastungen der Strassen weiter zu reduzieren. Dementsprechend habe der Regierungsrat Ende 2018 entschieden, bei Kantonsstrassen weitere Massnahmen zur Reduktion des Strassenlärms an der Quelle zu prüfen – wie Tempo 30 oder den Einbau von lärmarmen Belägen. Zudem wolle er bei der Planung von Kantonsstrassen in Ortszentren den Fokus – noch stärker als dies heute bereits der Fall ist – darauf ausrichten, die übergeordnete verkehrliche Verbindungsfunktion mit den städtebaulich-gestalterischen, den lokal verkehrlichen, den sicherheitstechnischen und den umweltrechtlichen Anforderungen in Einklang zu bringen.

Der VCS wendet ein, dass es die gesetzliche Pflicht zu lärmsenkenden Massnahmen nicht erst seit Ende 2018 gäbe. Und nicht erst seit 2018 wisse man um die nachweislich gesundheitsschädigende Wirkung von Strassenlärm, «und zwar bereits weit unter den geltenden Immissionsgrenzwerten.»