Neuer Vorschlag: Luzerner Kesselturm-Parkhaus soll in den Untergrund

Die Mehrheit der Parteien im Luzerner Stadtparlament bringt eine überraschende Idee ins Spiel: Die Neugestaltung am Pilatusplatz soll nicht nur mehr Platz für Velos und Fussgänger bringen, sondern auch ein unterirdisches Gross-Parkhaus.

Robert Knobel
Drucken
Teilen

Die Strassen rund um den Luzerner Pilatusplatz müssen umfassend erneuert werden. Neben den Strom-, Wasser- und Gasleitungen muss insbesondere auch der unterirdische Krienbachkanal saniert werden. Auf der Obergrundstrasse Richtung Kriens sind die Arbeiten bereits im Gang, bald soll der Teil Richtung Kasernenplatz folgen. Dazu muss das Teilstück vor der Stadtverwaltung (siehe gelbe Fläche unten) für den Verkehr gesperrt werden, wodurch der Hallwilerweg neu im Gegenverkehr geführt wird (siehe grüne Pfeile): 

Stadt und Quartiervereine möchten diese provisorische Verkehrsführung gleich definitiv beibehalten. So entstünde nach Abschluss der Bauarbeiten eine neue Fussgängerzone, die einzig von Velos und VBL-Bussen befahren werden dürfte (wir berichteten): 

Visualisierung Stadt Luzern

Auch der Kanton als Eigentümer der Strasse ist grundsätzlich bereit, eine neue Verkehrsführung rund um den Pilatusplatz zu prüfen. Offene Fragen gibt es aber noch bezüglich den 46 Parkplätzen, die entlang des Inselbaus am Hallwilerweg stehen: Weil die Autos dort jeweils rückwärts in eine Kantonsstrasse ausfahren müssen, entsprechen die Parkplätze nicht mehr den heutigen Normen:

GoogleMaps

Die Parkplätze sollen deshalb im Zuge der Umgestaltung aufgehoben werden. Der Stadtrat prüfte, ob und wie sie kompensiert werden können und zog unter anderem auch eine unterirdische Parklösung in Erwägung (wir berichteten). Wie es in dieser Sache weiter gehen soll, wird der Stadtrat an einer Medienkonferenz am nächsten Freitag mitteilen. Doch nun wollen die Parteien FDP, CVP, SVP und GLP noch einen Schritt weiter gehen: Ein unterirdisches Parking soll nicht bloss die 46 Parkplätze ersetzen. Vielmehr soll auch die Option geprüft werden, das benachbarte Parkhaus Kesselturm in eine unterirdische Parkierungsanlage zu integrieren:

Das Parkhaus Kesselturm.

Das Parkhaus Kesselturm.

GoogleMaps

Im Kesselturm gibt es 350 Parkplätze. «So könnten wir einen echten Mehrwert schaffen», sagt FDP-Präsident Fabian Reinhard. Denn einerseits könnte das heutige, nicht sehr ästhetische Parkhaus Kesselturm einer neuen Nutzung zugeführt werden. Gleichzeitig sinken auch die Kosten pro Parkplatz, wenn das unterirdische Parking nicht nur 50, sondern 300 oder mehr Plätze umfasst. FDP, CVP, SVP und GLP werden demnächst im Stadtparlament ein Postulat einreichen mit der Forderung, die Idee eines unterirdischen Gross-Parkhauses zu prüfen. Da die vier Parteien im Parlament die Mehrheit haben, ist davon auszugehen, dass das Postulat überwiesen wird.

Das Parkhaus Kesselturm ist im Besitz der Parkhaus Kesselturm AG, welche wiederum von der Löwen Bau und Betriebs AG geleitet wird, die auch das Löwencenter betreibt. Geschäftsführer Markus Belser steht der Idee eines neuen Parkhauses grundsätzlich positiv gegenüber. Er betont aber, dass die Aktionäre noch nicht dazu befragt worden sind. Sollte der Kesselturm ausser Betrieb gesetzt werden, müssten die Aktionäre entschädigt werden – und zwar durch die Betreiber des neuen Parkings. Dass sich die Aktionäre des Kesselturms selber an einem unterirdischen Parking beteiligen, sei indessen nicht ausgeschlossen.

Eine neue Lösung fürs Carproblem?

Ein neues Parkhaus im Stadtzentrum – wäre das auch die Lösung für das Carproblem? Das sei eine «interessante Überlegung», sagt Fabian Reinhard. Unterirdische Carparkplätze würden allerdings weit aufwändigere Bauarbeiten erfordern als Autoparkplätze. Deshalb stelle sich die Frage, ob das überhaupt realistisch wäre. Der Grund, weshalb Carparkplätze im Vorstoss gar nicht erwähnt werden, liegt wohl auch bei den Metro-Plänen, die von SVP und GLP unterstützt wurden. Doch nach dem Nein zur Metro-Initiative hat sich diese Option für die Lösung des Carproblems zerschlagen – die beiden Parteien könnten sich jetzt auf ein neues Projekt einlassen. 

Ein Stolperstein für die Parkhaus-Pläne könnte der Zeitplan sein. Denn die Sanierung der Obergrundstrasse ist ziemlich dringend – gemäss Stadtrat soll 2023 mit den Bauarbeiten gestartet werden. Spätestens dann müsste auch ein fertiges Parkhaus-Projekt vorliegen. Offen ist auch, wie der unterirdische Krienbachkanal an einem solchen Parking vorbeigeleitet werden kann.

Mehr zum Thema

Stadt Luzern prüft Flaniermeile am Pilatusplatz

Der Pilatusplatz könnte in Zukunft ganz anders aussehen. Quartiervertreter schlagen einen verkehrsberuhigten Abschnitt vor. Im Gegensatz soll der Hallwilerweg mehr Verkehr schlucken. Dafür müssten aber zahlreiche Parkplätze aufgehoben werden.
Stefan Dähler