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Neuerung bringt Spielgruppen und Kitas im Kanton Luzern in Nöte

Seitdem die Luzerner Gemeinden den Zweijahreskindergarten anbieten müssen, verzeichnen einige Spielgruppen und Kindertagesstätten starke Rückgänge. Das führt auch zu finanziellen Problemen.
Matthias Stadler
Eine Betreuerin der Kita Small Foot in Luzern hilft einem Kind in der Garderobe beim Anziehen. (Bild: Dominik Wunderli, 22. Mai 2018)

Eine Betreuerin der Kita Small Foot in Luzern hilft einem Kind in der Garderobe beim Anziehen. (Bild: Dominik Wunderli, 22. Mai 2018)

Seit knapp zwei Jahren müssen die Gemeinden im Kanton Luzern den Zweijahreskindergarten oder die Basisstufe anbieten. Eltern können somit ihr Kind freiwillig ein zweites Jahr in den Kindergarten schicken, also ein Jahr vor dem regulären und obligatorischen Eintritt in den Kindergarten. Dass dies Auswirkungen auf andere Betreuungsangebote haben wird, war vorauszusehen. Denn der Kindergarten kostet – im Gegensatz etwa zu einer Krippe oder einer Spielgruppe – nichts.

Wie die Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern auf Anfrage bekannt gibt, hat die Anzahl Kindergärtler und Schüler der Basisstufe im Vergleich zu vor fünf Jahren zugenommen. Berücksichtigt wurden nur die ersten beiden Jahre der vierjährigen Basisstufe, was den ersten beiden Kindergartenjahren entspricht. Lag die Zahl im Jahr 2013 bei 5387 Kindern im Kanton Luzern, liegt sie im aktuellen Schuljahr bei 7095. Das bedeutet eine Steigerung von knapp 32 Prozent.

Aufgeschlüsselt nach den Wahlkreisen im Kanton zeigt sich, dass im Wahlkreis Hochdorf die grösste Zunahme stattgefunden hat: 48 Prozent mehr Kinder gehen hier in den Kindergarten und in die ersten beiden Jahre der Basisstufe als noch vor fünf Jahren – in Zahlen: 1380 Kinder gegenüber 931 vor fünf Jahren. In den Wahlkreisen Luzern-Land und Entlebuch sind es jeweils knapp 37 Prozent, in Willisau 32, in Sursee 25 und in der Stadt Luzern 15 Prozent mehr.

Elternbeiträge reichen bald nicht mehr aus

Diese Steigerung im Kindergarten und in der Basisstufe geht fast zwangsweise mit Abgängen bei anderen Betreuungsangeboten einher – bei Kindertagesstätten und Spielgruppen etwa. So spürt beispielsweise die Spielgruppe Wundertüte in Hitzkirch die Auswirkungen «brutal», wie Kommissionsleiterin Sandra Furrer Burion gegenüber unserer Zeitung sagt. Vor fünf Jahren hätten 38 Kinder die Spielgruppe besucht, nun seien es noch 28. Die Eltern würden die Kinder nun anstatt in die Spielgruppe öfter in den Kindergarten schicken. «Der Rückgang hat auch zu finanziellen Einbussen geführt. Wir müssen jeden Fünfer zweimal umdrehen. Unsere Spielgruppe wird schon bald alleine von Elternbeiträgen nicht mehr existieren können», mahnt sie.

Entsprechend suchen die Verantwortlichen nach Alternativen. So werden laut Sandra Furrer Burion Sponsoringanträge gestellt oder künftig Anlässe durchgeführt, damit etwas Geld in die Kasse kommt. Zudem finden derzeit Gespräche mit der Gemeinde Hitzkirch bezüglich Organisation statt.

Auch die Kindertagesstätte Zaubercheschte in Inwil, in der es Platz für 50 Kinder hat, musste einen Rückgang hinnehmen: «Wir haben zwischen 5 und 10 Prozent weniger Kinder», sagt Alwin Stadelmann, Leiter der Administration. «Der Markt ist definitiv kleiner geworden. Allerdings pendelt es sich langsam ein. Dies auch, weil wir viel unternehmen, um ein attraktives Angebot zu gestalten und die älteren Kita-Kinder optimal auf die Schule vorzubereiten.»

«Als der Zweijahreskindergarten eingeführt wurde, gab es bei uns eine beachtliche Austrittswelle.»
Fabian Haindl, Geschäftsführer Small Foot

Noch grösser als die «Zaubercheschte» ist das Kita-Netzwerk Small Foot. 14 Filialen gibt es im Kanton Luzern, drei weitere Standorte sind in Planung. Co-Geschäftsführer Fabian Haindl bestätigt die Aussagen seiner Kollegen: «Als der Zweijahreskindergarten eingeführt wurde, gab es bei uns eine beachtliche Austrittswelle.» Etwa 10 bis 20 Prozent weniger Kinder hatte das Unternehmen im Vorjahresvergleich, das derzeit etwa 800 Kinder betreut, zu verkraften. «Es geht uns sicher nicht besser mit dem Frühkindergarten, denn dieser hat direkte Auswirkungen auf unser Ertragspotenzial und die Betreuungsdauer der Kinder.» In der Zwischenzeit habe sich die Situation wieder eingependelt. Die Gründe für die Wechsel von der Kita in den Frühkindergarten sieht er folgendermassen: Der Kindergarten belaste das Portemonnaie wesentlich weniger, und wenn die Kinder in die öffentlichen Strukturen eingebettet werden können, sei die Betreuung nahezu fünf Tage pro Woche gewährleistet.

Angebot wird angepasst

Allerdings wurden nicht überall Rückgänge verzeichnet. Diverse angefragte Spielgruppen und Krippen erklären, dass bei ihnen der Zweijahreskindergarten nicht allzu rege genutzt werde und dass sie eine stabile Anzahl an Kindern hätten. Mancherorts wurde auch das Angebot angepasst, zum Beispiel die Alterslimite gesenkt. Nicole Schmid von der Spielgruppe Schnäggehus und Waldspielgruppe in Schüpfheim sagt, dass Kinder neu ab 3 Jahren aufgenommen werden, früher lag die Grenze bei 4 Jahren. Auch die erwähnte Spielgruppe Wundertüte in Hitzkirch hat die Limite gesenkt: Neu werden dort auch 2 ½-Jährige betreut, früher waren die Jüngsten 3-jährig. Und die Inwiler «Zaubercheschte» hat das Angebot aufgestockt und führt seit zwei Jahren eine Schülergruppe mit Ferienbetreuung, ermöglicht durch einen Umbau im Jahr 2016. Dadurch habe der Umsatz gar gesteigert werden können.

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