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Im neuen Hauswirtschafts-Lehrmittel geht es um viel mehr als nur Risotto kochen

Das einstige Fach Hauswirtschaft heisst heute «Wirtschaft – Arbeit – Haushalt», kurz WAH. Jetzt ist ein neues Lehrmittel dazu im Einsatz.
Susanne Balli
Im Schulhaus Hubelmatt in Luzern kommt das neue Lehrmittel bereits zum Einsatz. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 27. September 2019)

Im Schulhaus Hubelmatt in Luzern kommt das neue Lehrmittel bereits zum Einsatz. (Bild: Philipp Schmidli, Luzern, 27. September 2019)

Ein Menu zubereiten, gemeinsam essen und den Abwasch machen: So sah der Hauswirtschaftsunterricht noch vor ein paar Jahren aus. Im Rahmen des Lehrplans 21 hat sich das Schulfach allerdings stark verändert und wird neuerdings auf der Sekundarstufe unter dem Namen Wirtschaft – Arbeit – Haushalt (WAH) unterrichtet.

«Die Veränderungen haben sich schon seit Jahren angebahnt, und es war offensichtlich, dass dieser Wandel kommt», sagt Claudia Wespi, Fachleiterin WAH an der PH Luzern. Das Fach Hauswirtschaft habe früher stark in den Bereich der Mädchenbildung gehört. Mit Einführung des Gleichstellungsartikels habe sich seit den 90er-Jahren eine gesellschaftliche Veränderung abgezeichnet. Wespi sagt:

«Heute gehört das Fach in den Bereich der Allgemeinbildung.»

Seit August wird das Fach WAH im Kanton Luzern mit dem neuen Lehrmittel «Das WAH-Buch» vermittelt. Dieses umfasst neben einem 204-seitigen Themenbuch auch eine Doku. Sie unterstützt die Lernenden dabei, das erarbeitete Wissen und Können zu dokumentieren, reflektieren und in neuen Situationen zu nutzen. Zudem erhalten die Lernenden eine Lizenz für eine digitale Plattform mit originalen Medienbeiträgen. Die digitale Plattform wird weiterentwickelt und mit Blick auf die Aktualität der WAH-Themen regelmässig durch eine Redaktion aktualisiert.

Claudia Wespi gehört zum Autorinnenteam des neuen Lehrmittels. Zusammen mit Corinne Senn und Zora Schelbert hat sie das Lehrmittel entwickelt. Den verlegerischen Teil verantwortete der Schulverlag plus, Bern. Von der ersten Planung bis zur Veröffentlichung dauerte es insgesamt sechs Jahre, die Projektdauer betrug drei Jahre. Das neue Lehrmittel ist für den WAH-Unterricht im Kanton Luzern obligatorisch. «Als Rezeptbuch wird weiterhin der Tiptopf verwendet», sagt Claudia Wespi.

Das neue WAH-Lehrmittel widmet sich in 16 Kapiteln zahlreichen Themen, mit welchen man im alltäglichen Leben konfrontiert wird. Die Schülerinnen und Schüler sollen damit das Rüstzeug erhalten, um sich mit gesellschaftlichen Fragen und Situationen auseinanderzusetzen, die eigene Rolle darin zu analysieren und um Verantwortung übernehmen zu können.

Fragen der Lebensführung in der Konsumgesellschaft

Die darin aufgeworfenen Fragen sind vielfältig. Welche Arten von Arbeiten gibt es? Welche Arbeitsmodelle wählen Männer und Frauen aus welchen Gründen? Wie funktioniert der Markt und welchen Einfluss nimmt der Staat darauf? Wie spielen Produktion und Handel zusammen? Wie lässt sich eine Verschuldung verhindern? Was zeichnet unterschiedliche Lebensstile aus? Wie entstehen Lebensmittel und warum werden so viele davon verschwendet? Wie werden sie zubereitet? Und welchen Einfluss haben sie auf die Gesundheit? Dies sind nur ein paar Beispiele an Fragestellungen.

Es werden also ziemlich viele komplexe Themen angeschnitten, mit denen man einzeln betrachtet Bücher füllen könnte. Will das Lehrmittel zu viel? Claudia Wespi sagt: «Das Lehrmittel orientiert sich am Bildungsauftrag des Lehrplans. Das Fach WAH soll die Zusammenhänge der einzelnen Themen aufzeigen.» Und:

«Es soll die Schülerinnen und Schüler darin unterstützen, etwas zu erkennen, was sie bisher vielleicht noch nicht sahen.»

Ziel sei es, dass die Lernenden eine differenzierte Betrachtung einnehmen und sich überlegen können, was zum Beispiel hinter Konsum und Konsumgütern stecke. Es gehe darum, das Zusammenspiel von Haushalten mit den Unternehmen der Wirtschaft in Verbindung zu bringen und die Wechselwirkung zu erkennen.

Auch in den Kantonen Zug und Wallis im Einsatz

Im Kanton Luzern ist das neue Lehrmittel für den WAH-Unterricht auf Sekundarstufe obligatorisch. Dies gilt laut Claudia Wespi ebenfalls für die Kantone Zug und Wallis. «Dass es in anderen Kantonen (noch) nicht verwendet wird, hat damit zu tun, dass gewisse Kantone schon länger die neue Wochenstundentafel des Lehrplans 21 eingeführt haben und Lehrmittel wählten, die früher zur Verfügung standen», erklärt Wespi.

Auf der ersten und zweiten Sekundarstufe sind jeweils zwei Lektionen WAH pro Woche vorgeschrieben, in der dritten Sek eine Lektion und eine zusätzlich als Wahlpflichtfach.

Das neue Fach WAH stösst nicht überall auf positives Echo. Kritiker monieren, dass es zu theorielastig sei und praktisches Arbeiten nur noch in Ansätzen verlange. Claudia Wespi sagt dazu: «Wenn die Nahrungszubereitung die Praxis ist, geht dies nicht ohne Theorie. Vielleicht ist man sich das in diesem Bereich nicht sofort bewusst.» Es brauche eine Erweiterung der Definition von Praxis. «Im Unterricht werden Situationen aus dem Alltag aufgegriffen, um Kompetenzen zu fördern. Auch das ist in meinen Augen Praxis.»

Das Mehrweg-Themenbuch kostet 34 Franken pro Schüler, die Doku (Einweg) 19 Franken inklusive Lizenz (vier Jahre gültig) für die Onlineplattform.

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