Neues Herzzentrum am Luzerner Kantonsspital bringt mehr Platz für Herzpatienten

Das Luzerner Kantonsspital nimmt dieser Tage das neue Herzzentrum in Betrieb. Damit hat das Spital die Kapazität bei den Herzkatheterlaboren verdoppelt. Sowohl Patienten als auch Mitarbeiter sollen profitieren.

Roseline Troxler
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Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen oder Herzrhythmusstörungen – dies sind einige Beispiele von Erkrankungen, die ab dieser Woche im neuen Herzzentrum am Luzerner Kantonsspital (Luks) behandelt werden. Das Spital hat im 2. Obergeschoss beim Hauptgebäude während 16 Monaten umgebaut. Rund 18 Millionen Franken wurden ins neue Herzzentrum investiert.

Blick vom Kontrollraum aus in eines der Herzkatheterlabore im neuen Herzzentrum am Kantonsspital. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Juni 2019))

Blick vom Kontrollraum aus in eines der Herzkatheterlabore im neuen Herzzentrum am Kantonsspital. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 17. Juni 2019))

Durch den Umbau werden die Kardiologie und die Herzchirurgie an einem Ort zusammengefasst. Das neue Herzzentrum liegt ausserdem in der Nähe zum Notfallzentrum, zum Schockraum, zu den Operationssälen und zur Radiologie. Benno Fuchs, Direktor des Luzerner Kantonsspitals, betont: «Das neue Herzzentrum ist ein Leuchtturmprojekt.»

Nur noch einen Empfang für die Patienten

Richard Kobza, Chefarzt Kardiologie, unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachrichtungen: «Dass die verschiedenen Disziplinen in dieser Form räumlich nebeneinander geführt werden, ist einmalig.» So kann laut Xavier Mueller, Chefarzt Herzchirurgie, Interdisziplinarität im Alltag erlebt werden. Nun gibt es nur noch einen Empfang, ein Büro für die Administration und fixe Besprechungen mit Ärzten beider Disziplinen. «Die Spezialisierung in der Medizin schreitet voran. Da ist es wichtig, dass man den Patienten nicht aus dem Blickfeld verliert.» Das Herzzentrum helfe, den Fokus auf die ganze Behandlungskette zu richten.

Der Umbau erfolgte nicht nur aufgrund des Wunsches nach mehr Interdisziplinarität. Die wachsende Bevölkerungszahl und komplexere Fälle haben laut Benno Fuchs einen Ausbau unumgänglich gemacht. Richard Kobza führt aus: «Die Zahl der Behandlungen hat zugenommen. Unsere zwei Herzkatheterlabore waren voll ausgelastet.» Regelmässig hätten die Betriebszeiten bis 22 Uhr erweitert werden müssen. Herzspezialisten behandeln jährlich rund 8000 Personen, allein in den Katheterlaboren sind es rund 4000. Das Spital hat daher entschieden, von zwei auf vier Labore aufzustocken. Künftig soll die Betriebszeit konzentriert und nur noch ein Labor nach 16 Uhr betrieben werden, sagt Kobza.

Mit dem neuen Herzzentrum sollen wieder mehr Behandlungen ambulant vorgenommen werden. Bisher sei dies teils aufgrund der Auslastung und Notfällen nicht mehr möglich gewesen. «Ambulante Behandlungen können wir am späteren Nachmittag nicht mehr durchführen, weil die Patienten für eine gewisse Zeit überwacht werden müssen», erklärt Kobza. Der Anteil der ambulanten Behandlungen liegt laut dem Luks derzeit bei rund 40 Prozent.

Pius Jenni, Leiter Bau, unterstreicht die Herausforderungen des Baus. «Der Umbau fand im Herzen des Spitalgebäudes statt. Immer wieder mussten die Bauarbeiten aufgrund von Notfällen unterbrochen werden.» Insgesamt seien rund 50 000 Meter Kabel verlegt worden.

«Patienten sind schneller an der richtigen Stelle»

Vom neuen Herzzentrum profitieren Patienten und Mitarbeiter, ist Tiziana Meyer, Leiterin Unternehmensentwicklung, überzeugt. «Patienten sind schneller an der richtigen Stelle für eine Behandlung und Wartezeiten werden verringert.» Richard Kobza ergänzt: «Der Patient erhält mehr Privatsphäre, die Mitarbeiter mehr Platz.» Vorteile sieht Mueller auch für Zuweiser, etwa Hausärzte. «Rund ums Herz gibt es nur noch eine Telefonnummer. Der Hausarzt verliert keine Zeit mehr durch eine aufwendige Triage. Der Zuweiser wird feststellen, dass sich die Wartezeit verkürzt.»

Mit dem Umbau und der zusätzlichen Kapazität hat sich die Zahl der Mitarbeiter erhöht. Zusätzlich zu den 110 bestehenden Mitarbeitern wurden 11 neue Vollzeitstellen geschaffen, heisst es beim Luks. Kobza ist überzeugt: «Durch das neue Herzzentrum gewinnt das Luks auch als Arbeitgeber an Attraktivität.»