Neues Konzept für Grünflächen
Horw startet Blumenoffensive mit einer für die Gemeinde speziellen Mischung

Wiesenmargeriten, Klatschmohn und knolliger Hahnenfuss – rund 40 Arten von Blumen und Gräsern sollen entlang der Horwer Strassen wachsen. Das ist schön fürs Auge und gut fürs Klima.

Roman Hodel
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Oft geht man als Fussgänger achtlos an ihnen vorbei, Auto- oder Velofahrende bemerken sie meist gar nicht: Die Rede ist von den kleinen Grünflächen, die Strassenräume da und dort auflockern sollen. Meist wächst hier bloss Gras. Doch in Horw ändert sich das gerade. In den nächsten Wochen bringen Mitarbeitende des Werkdienstes der Gemeinde auf diesen Flächen eine extra auf Horw abgestimmte Saatgutmischung aus – so wie hier Christian Keiser beim Kreisel Technikum:

Bild: Dominik Wunderli (Horw, 23. März 2021)

Diese Mischung basiert zwar auf einer bestehenden, produziert wird sie jedoch mit einem doppelt so hohen Anteil an Blütenpflanzen, die zum Teil schnell wachsen. Silas Wobmann, stellvertretender Leiter Tiefbau der Gemeinde Horw, sagt:

«Dadurch werden die Flächen der Horwer Bevölkerung baldmöglichst viel Freude bereiten.»

Konkret besteht die Horwer Mischung aus gut 40 verschiedenen einheimischen Pflanzen, etwa Wiesenmargeriten, Klatschmohn und knolliger Hahnenfuss. Neben Blütenpflanzen sind acht Gräser darunter. Die Mischung ist trockenresistent und laut Wobmann «sehr pflegeleicht». Das heisst: Eine Bewässerung erübrigt sich und ein Schnitt pro Jahr reicht. Zudem ist Letzterer auch mit dem Rasenmäher möglich. «Dies erspart den oftmals verwendeten Einsatz des Fadenmähers, welcher einerseits die Strassen stark verschmutzt und anderseits wegen herumspickender Teile gefährlich für Verkehr, Mensch und Tier ist», so Wobmann. Apropos Sicherheit: Mit Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern beeinträchtigen die Pflanzen die Sicht im Strassenraum nicht.

Rund 8000 Quadratmeter Grünflächen werden bunter

Der Werkdienst wertet alle Grünflächen mit Blumen und Gräsern auf, die er bereits heute schon pflegt. Das sind 40 Objekte, teils mit mehreren Flächen – beispielsweise entlang der Technikumstrasse zwischen den Kreiseln Sternenried und Technikum oder entlang der Kantonsstrasse zwischen den Kreiseln Wegscheide und Technikum. Auch strassennahe Wiesen, die nicht der Gemeinde gehören, aber vom Werkdienst gepflegt werden, zählen dazu – etwa entlang der Mättiwilstrasse. Insgesamt messen all diese Flächen zusammen rund 8000 Quadratmeter.

Diese Wiese auf dem Horwer Autobahndeckel liefert einen Vorgeschmack auf die Blumenoffensive entlang der Strassen.

Diese Wiese auf dem Horwer Autobahndeckel liefert einen Vorgeschmack auf die Blumenoffensive entlang der Strassen.

Bild: PD

Nun sollen die Blumen und Gräser selbstverständlich das Auge erfreuen und überhaupt das Wohlbefinden der Bevölkerung steigern, aber nicht nur: Die Bepflanzung hat gemäss Wobmann auch einen positiven Einfluss auf das Mikroklima, fördert die Artenvielfalt – etwa als Nahrungsquelle für Insekten – und dient als ökologische Vernetzungsachse. Dies entspreche den Zielen des Freiraumkonzepts Horw. Ideal sei ausserdem, dass die Blütenpracht auf dem ganzen Gemeindegebiet angepflanzt werden könne und bei künftigen Infrastrukturprojekten als Grundlage diene.

75'000 Franken kostet die Blumenoffensive

Das Ausbringen der Saatmischung geschieht bis Mitte Juni im Rahmen der jährlichen Pflege der Grünflächen. Dabei roden Mitarbeitende des Werkdienstes die ausgewählten Flächen, tragen sie ab und versehen sie mit dem Substrat sowie der speziellen Horwer Saatmischung. Die Kosten schätzt die Gemeinde auf zirka 75'000 Franken. Die Umsetzung wird auf drei Jahre aufgeteilt.

Damit sich die Horwerinnen und Horwer schon diesen Sommer an Blüten entlang der Strassen erfreuen können, pflanzt der Werkdienst zusätzlich an zentralen Grünflächen sogenannte Initialpflanzen, beispielsweise entlang der Winkelstrasse. Es handelt sich dabei um bereits ausgewachsene Pflanzen, die Bestandteil der Horwer Saatmischung sind. Andernorts, etwa an der Technikumstrasse, ist nur die Aussaat vorgesehen. Trotzdem sagt Wobmann:

«Wir sind gespannt, ob auch dort noch in diesem Jahr ebenfalls die ersten Pflanzen blühen.»

Und noch dies: Wer die Spezialmischung gerne im eigenen Horwer Garten ausbringen möchte – ein Bezug bei der Gemeinde im Rahmen von Aktionswochen ist gemäss Wobmann angedacht.

Biodiversität auch anderswo

Auch andere Gemeinden setzen auf den sogenannten Strassenbegleitgrünflächen – so der offizielle, sperrige Begriff – auf Biodiversität. Entlang verschiedener Strassen in der Stadt Luzern beispielsweise wachsen mittlerweile vornehmlich einheimische Pflanzen. Die Stadt orientiert sich an den Grundsätzen des Labels Grünstadt Schweiz und wurde hierfür 2017 mit der Stufe Silber ausgezeichnet.