Neues Luzerner Theater: Stadtrat wird zu einer Extraschlaufe verknurrt

Bevor man ein neues Theater baut, müssen die inhaltlichen Rahmenbedingungen klar sein: Diese Forderung stellt das Parlament an den Stadtrat. Dieser hat bereits eine erste Vorstellung vom künftigen Theater.

Robert Knobel
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Das Luzerner Theater.

Das Luzerner Theater.

Bild: Eveline Beerkircher, 10. Oktober 2019

Was für ein Theater braucht Luzern? Diese Frage wird seit Jahren intensiv diskutiert - bisher drehten sich die Diskussionen vor allem um die dringend nötige Erneuerung des 180-jährigen Theatergebäudes. Doch bevor man über Neu-, Um- oder Anbauten entscheidet, muss die Frage geklärt werden, wie das neue Gebäude überhaupt genutzt werden soll. Das findet eine Allianz aus FDP, CVP und Grünen im Stadtparlament.

«Wir haben bisher zu wenig über Inhalt gesprochen», so Fabian Reinhard (FDP). Es gehe nicht etwa um die Frage, welche Stücke das Theater spielen soll, sondern um grundsätzliche strategische und betriebliche Weichenstellungen: Ist das bisherige Intendanten-Modell noch sinnvoll? Oder soll das Luzerner Theater künftig in erster Linie eine Plattform für Gastspiele sein? Soll das Theater vermehrt auf Kooperationen mit anderen Häusern setzen - in der Schweiz oder auch in Luzern selber? Braucht es weiterhin die klassischen drei Sparten Schauspiel, Oper und Tanz?

«Mehr als ein paar schöne architektonische Entwürfe»

«Es ist zentral, dass wir diese Fragen jetzt diskutieren - auch im Hinblick auf eine städtische Volksabstimmung», fand Michael Zeier-Rast (CVP). Dem stimmte auch Daniel Furrer (SP) zu: «Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine Hülle entsteht, bei der die Bürger nicht bereit sind, sie finanziell und ideell mitzutragen.» Es brauche deshalb «mehr als ein paar schöne architektonische Entwürfe», so Furrer. Zur Erinnerung: Der Stadtrat will demnächst einen Architekturwettbewerb ausschreiben (wir berichteten).

Die Oper ist für die Musikstadt Luzern ein «Must»

Doch bevor es soweit ist, muss der Stadtrat zuerst in einem Planungsbericht die erwähnten inhaltlichen Fragen klären. Diesen Auftrag fasste der Stadtrat mit der Überweisung eines dringlichen Postulats der FDP-CVP-Grüne-Allianz. «Der Stadtrat muss seine Leaderrolle stärker wahrnehmen», so das Fazit von Daniel Furrer.

Der Stadtrat verschliesst sich dieser Forderung grundsätzlich nicht. Stadtpräsident Beat Züsli (SP) räumte ein, dass die inhaltlichen Diskussionen bisher nicht genügend geführt worden sind. Ein erster inhaltlicher Richtungsentscheid ist zumindest in der Stadtrats-Antwort auf das Postulat nachzulesen: So steht für den Stadtrat das bisherige Dreispartenmodell nicht zur Diskussion. «Luzern braucht eine moderne, zeitgemässe Infrastruktur, die die Produktion von Musiktheater, insbesondere auch Oper, erlaubt.» Das sei Luzern seinem Ruf als Musikstadt schuldig.

Ärger über Denkmalschutz

Züsli betonte, dass die Diskussionen über Inhalt und Hülle nicht nacheinander, sondern gleichzeitig geführt werden müssen. «Beides sind hoch komplexe Fragestellungen, die voneinander abhängen.» Vielleicht ist dies ja auch der Grund, weshalb die inhaltlichen Fragen bis jetzt vernachlässigt worden sind: Man war schlicht zu beschäftigt mit den vielen Problemen rund um Standort, Abriss und Denkmalschutz. Letzterer fordert bekanntlich den Erhalt der Nordfassade des Theatergebäudes - und sorgte im Stadtparlament für Kopfschütteln.

So fragte sich Christov Rolla (Grüne), was am Ortsbild rund um den Theaterplatz eigentlich so schützenswert ist. Schliesslich seien selbst die Türme der Jesuitenkirche nicht original. «Es ist fraglich, ob die Kirche heute Türme hätte, wenn es damals schon einen Denkmalschutz gegeben hätte», meinte Rolla lakonisch und forderte: «Es müsste doch möglich sein, ein attraktives, einladendes und populäres Theater zu bauen.»