Luzern
Neue Theateridee: Urner Architekturbüro schlägt Neubau auf der rechten Seeseite vor – Stadtrat lehnt ab

Das Luzerner Theater soll auf dem Kurplatz am Nationalquai neu gebaut werden, dafür soll das heutige Theatergebäude stehen bleiben. Das schlagen die beiden Architekten Bruno Achermann und Max Germann vor. Der Stadtrat lehnt den Vorschlag ab.

Hugo Bischof
Merken
Drucken
Teilen

Eigentlich war seit dem vergangenen Oktober alles klar: Der Luzerner Stadtrat hatte in Absprache mit dem Kanton entschieden, das heutige Luzerner Theater abzureissen und am gleichen Standort durch einen Neubau zu ersetzen. Zurzeit wird der entsprechende Architekturwettbewerb vorbereitet.

Jetzt bringen die beiden Architekten Max Germann und Bruno Achermann eine völlig neue Idee ins Spiel. Sie schlagen vor, den Neubau des Luzerner Theaters an einem anderen Ort zu realisieren, auf der anderen Seeseite am Nationalquai. Der Neubau käme gemäss ihrer Vision auf dem Kurplatz zwischen dem Schweizerhofquai und dem Hotel National zu stehen.

Hier soll gemäss der Idee der beiden Architekten das neue Theater gebaut werden.

Hier soll gemäss der Idee der beiden Architekten das neue Theater gebaut werden.

Das jetzige Luzerner Theatergebäude würde stehengelassen. «Es könnte eventuell einer neuen kulturellen Nutzung zugeführt werden», sagte Bruno Achermann am Donnerstagvormittag an einer Medienorientierung vor Ort, auf dem Kurplatz neben dem dortigen Musikpavillon.

Einer der beiden G&A Architekten, Bruno Achermann, am Donnerstagvormittag auf dem Kurplatz auf dem Nationalquai mit einem Plakat, das den Standort des alternativen Theaterstandorts vis-à-vis dem KKL auf der anderen Seeseite zeigt.

Einer der beiden G&A Architekten, Bruno Achermann, am Donnerstagvormittag auf dem Kurplatz auf dem Nationalquai mit einem Plakat, das den Standort des alternativen Theaterstandorts vis-à-vis dem KKL auf der anderen Seeseite zeigt.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 15. April 2021)

Der Neubau käme in etwa 25 Metern Distanz zum Hotel National zu stehen. Gegen den See hin würde er etwa bis zur heutigen Promenade reichen.

«Er hätte somit ungefähr die gleiche Grösse wie der geplante Neubau am heutigen Standort», sagte Max Germann. Gemäss der Vision der beiden Architekten wäre eine Erhaltung des Musikpavillons am Kurplatz möglich.

Germann betonte:

«Wir wollen mit dieser Idee die Diskussion um die Erneuerung der Theaterinfrastruktur neu in Gang bringen.»
Von links: Architekt Bruno Achermann, Markenentwickler Yves Herger (HI Schweiz) und Architekt Max Germann auf dem Kurplatz in Luzern, wo ihrer Ansicht nach das neue Luzerner Theater gebaut werden sollte. Im Hintergrund das Hotel National.

Von links: Architekt Bruno Achermann, Markenentwickler Yves Herger (HI Schweiz) und Architekt Max Germann auf dem Kurplatz in Luzern, wo ihrer Ansicht nach das neue Luzerner Theater gebaut werden sollte. Im Hintergrund das Hotel National.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 15. April 2021)

Den beiden Architekten schwebt ein Luzerner Kultur-Dreieck vor: auf der einen Seite das bisherige Theater und das KKL, auf der anderen Seite nun der neue Theaterbau. Bruno Achermann nannte es das «Luzern Triangulum»:

«Die Kultur würde sozusagen vom KKL auf die andere Seeseite hinüberschwappen.»
Das «Luzern Triangulum»: unten links das heutige Theatergebäude, rechts in der Mitte das KKL und links auf der anderen Seite das Theater an einem alternativen Standort.

Das «Luzern Triangulum»: unten links das heutige Theatergebäude, rechts in der Mitte das KKL und links auf der anderen Seite das Theater an einem alternativen Standort.

Max Germann und Bruno Achermann führen das Architekturbüro G&A Architekten AG in Altdorf. Es hat unter anderem zahlreiche Tourismusbauten in Andermatt realisiert und wirkte auch beim Chedi-Bau mit. Bruno Achermann ist in Luzern aufgewachsen und wohnt in der Nähe des Kurplatzes, den er zusammen mit Max Germann jetzt als neuen Standort des Luzerner Theaters vorschlägt. Unterstützt werden die G&A Architekten von der in Luzern domizilierten HI Schweiz AG, einem Büro für Gestaltung, Beratung und Realisation.

Ein Vorteil des alternativen Standorts wäre gemäss den G&A Architekten auch, dass der Freiraum zwischen dem heutigen Luzerner Theater und der Jesuitenkirche erhalten bliebe.

Stadtrat und Projektierungsgesellschaft lehnen Vorschlag ab

Auf wenig Gegenliebe stösst der alternative Theaterstandort Kurplatz beim Luzerner Stadtrat und bei der Projektierungsgesellschaft Neues Luzerner Theater. Diese wurden bereits Ende 2020 über den Vorschlag informiert. «Grundsätzlich ist es ein interessanter Standort, der bisher noch nicht zur Diskussion stand», sagt der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli, der auch die Projektierungsgesellschaft präsidiert.

Stadtrat Beat Züsli vor dem Luzerner Theater im September 2018.

Stadtrat Beat Züsli vor dem Luzerner Theater im September 2018.

Bild: Boris Bürgisser

Er betont gleichzeitig: «Die Risiken des Standorts Kurplatz im Zusammenhang mit Denkmalschutz und Ortsbildschutz werden als sehr hoch eingeschätzt.» Züsli verweist darauf, dass der Musikpavillon unter Denkmalschutz steht und sich die Nachbarbauten, darunter das Hotel National, in der Schutzzone A befinden. Auch wenn der Musikpavillon stehen bleiben würde, wäre er durch ein Neubauvorhaben tangiert.

Eine konkrete Projektskizze gibt es noch nicht. Ungefähr diese Dimension könnte das neue Theater auf dem Kurplatz haben. Links die Hofkirche.

Eine konkrete Projektskizze gibt es noch nicht. Ungefähr diese Dimension könnte das neue Theater auf dem Kurplatz haben. Links die Hofkirche.

Ein weiterer grosser Nachteil des Standorts Kurplatz wäre gemäss dem Stadtpräsidenten «der weitgehende Verlust eines sehr wichtigen und beliebten öffentlichen Erholungsraums». Zudem wäre die Erschliessung in einer verkehrsbelasteten Zone «sehr unklar». Dazu komme:

«Die Planung müsste neu aufgegleist werden, eine Verzögerung von mehreren Jahren wäre die Folge.»

Aufgrund dieser zentralen Punkte hätten Stadtrat und Projektierungsgesellschaft klar entschieden, diese Standortidee nicht weiter zu verfolgen.

Eine Umzonung wäre nötig

Der Kurplatz befindet sich aktuell in der Grünzone. «Um eine Bebauung zu ermöglichen, müsste eine entsprechende Umzonung stattfinden, was grundsätzlich möglich ist, jedoch politisch auf erheblichen Widerstand stossen dürfte», sagt Züsli. Eine Umzonung bräuchte es allerdings auch bei der vom Stadtrat und der Projektierungsgesellschaft favorisierten Variante eines Theaterneubaus am jetzigen Standort. Der Freiraum zwischen dem heutigen Theatergebäude und der Jesuitenkirche, der durch den Neubau teilweise beansprucht wurde, befindet sich ebenfalls in der Grünzone.

Was die denkmalpflegerischen Risiken betrifft, erklärt Bruno Achermann von den G&A Architekten: «Dieses Risiko ist am heutigen Theaterplatz noch grösser. Die Eidgenössischen Kommissionen für Denkmalpflege sowie für Natur- und Heimatschutz werden gegen einen Neubau am jetzigen Theaterplatz auf jeden Fall Einsprache erheben.» Für ihn verständlich:

«Das 181-jährige Theatergebäude ist das beste noch erhaltene klassizistische Bauwerk in Luzern und der älteste Theaterbau der Schweiz.»

«Stadtikone Jesuitenkirche würde entwertet»

Zum Vorwurf der Projektierungsgesellschaft, dass das Neubauvorhaben an einem alternativen Standort um Jahre verzögert würde, sagt Max Germann von den G&A Architekten: «Wir finden, Luzern verdient die beste Lösung. Es ist nicht zu spät, jetzt über diesen Vorschlag zu diskutieren.» Ein sorgfältiger und weitsichtiger Umgang mit der Substanz der gewachsenen Stadt sei wichtig. Mit einem Eingriff beim jetzigen Theater ginge zu viel Substanz und Stadtraum verloren: «Zudem würde dadurch die Stadtikone Jesuitenkirche entwertet.» Ein städtebauliche «Abwärtsspirale» wäre die Folge.

Im Gegensatz dazu böte ein Neubau am Kurplatz die Chance für einen positiven Sprung nach vorne, sagt Germann: «Der Kurplatz wurde bisher nie bebaut, sein Potenzial blieb unentdeckt. Die lange Häuserzeile am Nationalquai endet hier ohne Referenz zur Stadt. Mit dem Neubau des Theaters könnte hier ein zweiter Leuchtturm neben dem KKL auf der anderen Seeseite entstehen.»