NEULING: Die Musik lockt ihn an den Marathon

Michael Birrer aus Adligenswil ist ein begeisterter Hobbymusiker. Und vielleicht der Einzige seiner Zunft, der explizit wegen der Musik zum Marathonläufer wurde.

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Erschöpft wird Michael Birrer von seiner Familie mit Frau Esther, Tochter Sara Flurina und Sohn Maurus Gian im Ziel in Empfang genommen. (Bild: Roger Zbinden)

Erschöpft wird Michael Birrer von seiner Familie mit Frau Esther, Tochter Sara Flurina und Sohn Maurus Gian im Ziel in Empfang genommen. (Bild: Roger Zbinden)

Roland Eggspühler

Es war vor drei Jahren, als Michael Birrer mit seiner Kleinformation «Espresso» im Melchtal am Probeweekend weilte und dieses am Sonntagmorgen frühzeitig verlassen musste, um mit der Big Band «Föhn» die Marathonläufe- rinnen und Marathonläufer musikalisch zu unterstützen. «Das war mein erster Kontakt mit dieser Veranstaltung, die mir auch wegen der aussergewöhnlichen Verhältnisse ganz speziell in Erinnerung blieb», erinnert sich der langjährige Gelegenheitsläufer zurück: «Ich fuhr im Spätsommer ins Probeweekend, und zwei Tage später war tiefer Winter. Wenigstens waren wir gut vor der Kälte geschützt, da wir im KKL auftreten durften.»

Nun als Aktiver dabei

Dieses Jahr wiederholten sich die Dinge von damals: Michael Birrer war wiederum seit dem Freitagabend mit «Espresso» im Melchtal am Proben, und er reiste auch diesmal wegen des Swiss City Marathon früher heim – aber unter völlig anderen Vorzeichen, denn er wollte als Athlet dabei sein. Laufsport betreibt Michael Birrer seit Jahren, aber stets für sich und weitestgehend ohne Startnummer am Bauch. «Vor zwei Jahren lag das Probeweekend auf einem anderen Wochenende, und ich war am Marathon-Sonntag von zu Hause aus für mich joggen gegangen. Und während ich so am Rennen war, hörte ich von weit weg die Klänge der Musikformationen, die entlang der Marathonstrecke spielten. Bei diesem Training kam mir die Idee, dass ich eigentlich auch mal am Marathon teilnehmen könnte.» Seine Premiere erlebte Michael Birrer letztes Jahr.

Vorbereitung im Melchtal

«Dass ein Probeweekend nicht die perfekte Marathonvorbereitung ist, war mir schon im Voraus klar», blickt Michael Birrer zurück und erklärt, wie er die zwei Dinge, die sich eigentlich ausschliessen, unter einen Hut brachte: «Das alkoholische Spektrum der Getränke überliess ich im Melchtal den anderen, und nach der Abendprobe am Freitag legte ich mich früh schlafen.» Weiter hatte er sportgerechte Nahrungsmittel und die Laufschuhe dabei – denn am Samstagmorgen wollte Birrer ein leichtes Lauftraining machen. Von dieser Frühsportaktivität bekamen seine Mitmusiker wenig mit, sie schliefen noch tief und fest.

Als «Espresso» am Samstagabend zum festiven Teil überging, setzte sich Michael Birrer ins Auto und fuhr heim nach Adligenswil – alles, was für den Marathon-Sonntag wichtig war, hatte er bereits in den Tagen zuvor mit seiner Ehefrau Esther Wigger organisiert und zu Hause bereitgelegt. So konnte sich Michael Birrer direkt nach seiner Rückkehr ins Bett fallen lassen.

Am Sonntagmorgen ging der straffe Plan im gleichen Takt weiter: Um 6.00 Uhr aufstehen, um 6.05 Uhr Pasta essen, auf der Massagerolle die muskulären Verspannungen lösen, die Familie in die Arme schliessen und immer viel trinken. Nach dem letzten Gang zur Toilette fuhr Michael Birrer um 8.15 Uhr mit dem Postauto ins Wettkampfzentrum und begab sich nach einem kurzen Einlaufen in den 9.06-Uhr-Startblock.

Einbruch auf der zweiten Runde

Bis in die hügeligen Abschnitte der zweiten Runde konnte Michael Birrer seine Marschtabelle genau einhalten, doch kurz vor Horw wurden seine Beine schwerer und schwerer beziehungsweise die Energietanks leerer und leerer. «Von da an war es ein harter Kampf, bei dem es nur noch ums Durchkommen ging. Die anvisierte Zeit wurde zur Nebensache», so Michael Birrer, der in der Krise auf ein spezielles Doping für den Kopf zurückgreifen konnte: «Ich wollte unbedingt ins Ziel kommen. Denn ich wusste, dass meine Familie mich dort erwartet, und darauf freute ich mich während des ganzen Laufs.»

Nachdem er seine Lieben nach dem Zieleinlauf lange in die Arme geschlossen hatte, richtete Michael Birrer seinen Blick bereits auf das nächste Jahr: Er werde sich bei einem laufsportbegeisterten Arbeitskollegen weitere Tipps besorgen und vielleicht ein paar lange Trainings mehr absolvieren. Und er weiss auch bereits, wo er am meisten Potenzial für eine schnellere Zeit sieht: «Wenn die ‹Espresso›-Proben nicht auf das Marathon-Weekend fallen, ist das für mich sicher besser. Aber ich will nicht jammern. Denn ohne die Musik wäre ich nicht zum Marathonläufer geworden.»

Vorbereitung zu Hause: Kurz nach 6 Uhr löst Michael Birrer die Verspannungen auf der Massagerolle. (Bild: Roland Eggspühler)

Vorbereitung zu Hause: Kurz nach 6 Uhr löst Michael Birrer die Verspannungen auf der Massagerolle. (Bild: Roland Eggspühler)