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Neun Häuser in Malters geben ihr Innenleben preis

In seinem neuen Buch erzählt Hanssepp Wespi von geschichtsträchtigen Gebäuden und ihren Bewohnern – etwa von der «Chrüz-Helen» oder vom legendären Gemeindeammann Hans Thürig.
Hannes Bucher
Autor Hanssepp Wespi vor dem «Trautheim» in der Nähe des Bahnhofs, das dem Abriss geweiht ist. (Bild: Dominik Wunderli, Malters, 28. Januar 2019)

Autor Hanssepp Wespi vor dem «Trautheim» in der Nähe des Bahnhofs, das dem Abriss geweiht ist. (Bild: Dominik Wunderli, Malters, 28. Januar 2019)

Der Malteser Hanssepp Wespi ist nicht Kunsthistoriker, er will es auch nicht sein. Es sind denn auch nicht Giebelformen, alte Dielen oder sonstige Baustilmerkmale, die ihn an alten Gebäuden in Bann ziehen – vielmehr die Fassaden. Zwar auch nicht stilmässig, sondern im übertragenen Sinn: Der Pensionär, der gerne von alten Zeiten berichtet und versucht hinter die Fassaden der Gebäude zu schauen. Seine Fragestellung dabei: Was hat sich da drin abgespielt? Welche Lebensgeschichte und Schicksale haben die Gebäude zu erzählen?

In den vergangenen gut zweieinhalb Jahren ist er deshalb intensiv auf Spurensuche gegangen. In immenser Arbeit hat er viele Interviews, Gespräche, Aufzeichnungen verarbeitet und niedergeschrieben. Daraus ist ein spannendes, über 300 Seiten starkes Buch entstanden: «Häuser reden nicht – ihre Bewohner schon …», ist das Werk übertitelt. Leicht und luftig kommen diese Geschichten daher, mit lockerer Hand geschrieben, mit vielen historischen Fotos angereichert und mit heutigen Ansichten ergänzt.

Der «Chli Nordmann» der Schwestern Seeberger

Der rüstige Pensionär sitzt am Wohnzimmertisch in seinem Daheim am Bachweg Malters. Das druckfrische Buch liegt auf dem Tisch. «Über Dutzende von Häusern könnte man eine Geschichte schreiben, meine Erzählungen sind nur eine kleine Auswahl, mehr zufällig als beabsichtigt», sagt der einstige Informatiker und blättert nachdenklich in seinem Werk. Neun Häuser erzählen darin ihre Geschichte. Hanssepp Wespi kommt ins Schmunzeln und oft auch ins Sinnieren, wenn er den Inhalt kurz streift. Da ist etwa das Geschäft der Schwestern Annali und Mareili Seeberger. «Vom Fadenspüli bis hin zur Mäusefalle war in diesem geheimnisvollen Laden alles zu haben», steht da im Buch.

Als «Chli Nordmann» wurde die Handlung benannt, in Anlehnung an die grosse gleichnamige Konkurrenz in der Stadt. Detailliert beschreibt der Autor die Innenausstattung des Ladens und er erzählt viel Amüsantes; etwa, wie Lausbuben die braven Frauen zur Suche von etwas Ausgefallenem in den Keller steigen liessen, um in der Zwischenzeit ein Schleckstengel oder einen «Fünfermocke» verschwinden zu lassen. Die Geschichte der Familie Seeberger wird im Buch weiter ausgeführt: Da war auch noch Anton, ein Bruder der beiden Frauen. «Er spielte im öffentlichen Leben der Gemeinde Malters eine ganz wesentliche Rolle», sagt Wespi. Respektvoll hätten die Malteser aufgrund des militärischen Ranges stets von «Major Seeberger» gesprochen. «Der kam fast direkt nach dem General», sagt Wespi lächelnd.

Die vehemente «Chrüz-Helen»

Wespi lässt auch das Malteser «Trautheim» erzählen. In diesem Haus verbrachte Hans Thürig den grössten Teil seines Lebens. Als 21-Jähriger wurde dieser 1919 zum Gemeindeammann gewählt und übte das Amt fast 50 Jahre aus. Kein Wunder, findet rund um diese fünf Jahrzehnte jede Menge Malteser Gemeindegeschichte im Buch Niederschlag.

Ebenfalls Ortsgeschichte geschrieben hat die «Chrüz-Helen». Die standhafte Wirtin im Hotel «Kreuz» hat sich mit ihrer Meinung nie zurückgehalten. Den Bau der Umfahrungstrasse Blatten-Werthenstein etwa hat sie mit aller Vehemenz bekämpft und auch ein Aktionskomitee gegründet um das Vorhaben zu verhindern. Wespi kann dem Leser auch Leidvolles nicht ersparen. Die Gebäude erzählen viel auch von tragischen Unglücksfällen, vom Sterben von Müttern und Vätern, von zurückgelassenen Waisenkindern und ihrem Schicksal.

Affinität zum Schreiben

Als Bauernsohn in der Gemeinde Malters geboren, ist Hanssepp Wespi als 14-jähriger Halbwaise geworden und hat viel Auf und Ab in seinem Leben erfahren. «Ich werde immer wieder mal gedrängt, meine Geschichte aufzuschreiben. Ich sollte dies vielleicht mal angehen, ich bin ja nicht mehr der Jüngste», sagt er. Wespi habe immer gern geschrieben, der Journalismus als Beruf hätte es ihm wohl auch angetan. Stattdessen wurde er Kaufmann und spezialisierte sich später in der EDV.

Als freier Mitarbeiter des Regionaljournals Zentralschweiz (SRF) hat er die journalistische Ader mindestens teilweise ausleben können. Als Buchautor nun ausgiebiger.

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