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Neuster Fasnachtstrend: Grende aus dem 3D-Drucker

Mehrere Guuggenmusigen setzen bei den Grende neu auch auf 3D-Technologie. Dahinter stecken zwei Fasnachtsverrückte aus Luzern – und einer aus Zürich. Wer allerdings denkt, die drei könnten nur auf den Knopf drücken und schon funktioniert's, der irrt sich.
Roman Hodel
Im Atelier der Maskenmanufaktur.ch. Von links: Jan Widmer, Marco Thomann und Sascha Rossier mit einem Grend aus dem 3D-Drucker. (Bild: Dominik Wunderli, Emmen 14. Februar 2019)

Im Atelier der Maskenmanufaktur.ch. Von links: Jan Widmer, Marco Thomann und Sascha Rossier mit einem Grend aus dem 3D-Drucker. (Bild: Dominik Wunderli, Emmen 14. Februar 2019)

An einer Wand sind mehrere Fasnachts-Grende aufgereiht. Einer schaut ernst – Typ Mann mit Schnauz und Kopfbedeckung, das Gesicht gegerbt. Ein anderer hat etwas Monster-Ähnliches, ist mit kleinen Schädeln und Knochen bestückt. Grende, wie sie vor der Fasnacht in zig Werkstätten in und um Luzern entstehen. Nur: Bei gewissen dieser Grende hier besteht die Grundform nicht wie üblich aus Pappmaché, sondern aus einem Maisstärke-basierten Kunststoff. Will heissen: Sie stammt aus einem 3D-Drucker. Wir befinden uns im Atelier der Maskenmanufaktur.ch im Untergrund einer Schreinerei in Emmen.

«Mit dem 3D-Drucker tun sich ganz neue Möglichkeiten auf», sagt Marco Thomann, einer der drei Mitinhaber des Ateliers. Er gilt als Vollblutfasnächtler des Trios – was nicht übertrieben ist. Beim 43-jährigen Mitglied der Nostradamus weiss man gar nicht, wo anfangen und aufhören mit Aufzählen seiner Engagements in den letzten 30 Jahren. Thomann sagt:

«Ein grosser Vorteil von 3D ist, dass man den Grend am Bildschirm designen kann.»

Hat der Auftraggeber Änderungswünsche oder ist der Grend zu eng, verändert man die Vorlage virtuell relativ zügig. Bei einem von Hand modellierten Modell hingegen ist das mühsamer – schlimmstenfalls muss man von vorne beginnen.

Dabei bedient sich der Designer einer virtuellen Knetmasse. Womit wir beim zweiten Mitinhaber sind: Sascha Rossier. Der 45-Jährige ist laut Thomann «der 3D-Nerd». Die beiden kennen sich von der Arbeit bei SRF3. Eines Tages fragte Thomann seinen Arbeitskollegen, ob er auch einen Grend designen und ausdrucken könne. Rossier, der im Zürcher Unterland zu Hause ist, habe ihn in seinem breiten Züritütsch gefragt: «Was isch en Grind?» Thomann weihte ihn ein. Einigermassen wasserdicht und bruchsicher musste das Material sein, eben fasnachtskompatibel. Gut drei Monate später präsentierte Rossier den ersten Prototyp. Thomann:

«Als ich diesen in den Händen hielt, war mir klar – das funktioniert.»

So weit, so gut. Doch ein Prototyp aus dem 3D-Drucker besteht im Prinzip nur aus der weissen Kunststoff-Grundform. Hier beginnt nun die Arbeit des Maskenbildners Jan Widmer. Der 27-Jährige ist der Dritte im Bunde. Thomann wurde auf ihn aufmerksam durch die Wagenbaugruppe Conversio mit ihren aufwendigen Sujets. Widmer ist dort Mitglied. Er gestaltet die Grende von Hand. Daran ändert sich nicht viel. Aber Widmer sagt: «Es ist toll, dass ich meine fertig modellierten Masken dank 3D einscannen kann und wir daraus dann auch noch Plaketten, Tambourmajor-Stäbe oder ähnliches herstellen können.»

Letztes Jahr setzte das Trio den ersten Facebook-Post ab. Die ersten Aufträge liessen nicht lange auf sich warten: Grosse Musigen wie etwa die Sonnechöbler Ebikon oder die Rasselbandi Horw, aber auch kleinere Gruppen meldeten sich. Und ein Kunde aus Basel bestellte eine Maske für den Morgestraich. «Da sind wir als Luzerner natürlich schon etwas stolz», sagt Thomann. Den grössten Auftrag bescherte ihnen die Gluggsi-Musig Ebikon. Für die über 40 Mitglieder liefern sie alle Grende. Es stammen aber einzig jener des Tambourmajors und der Prototyp des regulären Grendes aus dem 3D-Drucker. Denn der Ausdruck einer Maske dauert rund 40 Stunden – mit Blick auf die aktuell nur drei Drucker würde dies bei über 40 Grende schlicht zu lang dauern.

350 bis 450 Franken kostet ein Grend

Deshalb erstellt Widmer bei grossen Musigen vom Prototypen wie gehabt ein Gips-Negativ, das für die Vervielfältigung der Grende in Latex dient. Die Kosten pro Grend liegen mit 350 bis 450 Franken ähnlich hoch wie bei der konventionellen Machart. Denn trotz 3D-Technologie bleibt viel Handarbeit – sei es das Ausgiessen, Malen oder Dekorieren. «Gemessen am Aufwand, müsste ein Grend eigentlich mehr kosten», so Thomann. «Es steckt viel Herzblut dahinter.» Das Trio ist überzeugt, dass 3D-Grende ihre Akzeptanz finden, die traditionelle Machart aber nicht ausstirbt. «Die Leute wollen einfach coole Grende, egal aus welchem Material», sagt Thomann. «Hauptsache, sie werden von Fasnächtlern für Fasnächtler hergestellt und nicht irgendwo in Fernost, was leider schon vorgekommen ist.»

Sonnechöbler finden 3D-Grende «cool»

Für die Guuggenmusig Sonnechöbler beispielsweise hat die Maskenmanufaktur.ch den Grend am Computer designt, den Prototyp ausgedruckt und dann dem Vorstand der Musig präsentiert. «Alle fanden, dass dieser cool aussieht», sagt Joëlle Graf, Sujetverantwortliche bei den Sonnechöblern. Nach dem «Go!» des Vorstands erstellte Maskenbildner Jan Widmer ein Gipsmodell. Die Vervielfältigung wie auch die Gestaltung der Grende besorgten die Mitglieder der Musig hernach selber – oder sie überliessen es dem internen Bastelteam. «3D ist für uns wirklich praktisch, man kann sich den Prototyp-Grend viel besser vorstellen und wenn nötig anpassen lassen», so Graf. Ihre Musig werde auch künftig auf diese Technologie und damit auf das Maskenmanufaktur-Trio setzen. (hor)

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