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Kolumne

Frauenstreik: Nicht gegen Männer, sondern für Frauen

Redaktorin Sandra Monika Zieglers Gedanken zum schweizweiten Frauenstreik vom 14. Juni 2019.
Sandra Monika Ziegler
Sandra Monika Ziegler

Sandra Monika Ziegler

Das hatten wir schon, ging es mir unweigerlich durch den Kopf, als das Thema Frauenstreik an Fahrt gewann. 1991 waren es 10 Jahre her, seit der Gleichstellungsartikel an der Urne angenommen wurde. Aus diesem Anlass ging Frau damals auf die Strasse, denn mit der Umsetzung ging es nicht voran. So beschlossen schweizweit Hunderttausende Frauen nochmals die Bevölkerung für ihre Anliegen zu sensibilisieren. Dass das mit der Gleichstellung im Argen lag mobilisierte, machte wütend.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – eine Selbstverständlichkeit, warum auch nicht, was spricht dagegen? Ich war damals überzeugt, dass in unserer Branche das sicher der Fall ist. So fragte ich mal bei den männlichen Kollegen nach. Hoppla, das kam nicht bei allen gut an. Und siehe da, einer von damals machte zwar den gleichen Job, verdiente aber satte 500 Franken mehr als ich. Als ich ihn fragte, wie er das schaffte, lächelte er und sagte: «Ich hab’ eben nicht nur studiert, sondern noch ein Weinseminar besucht.»

Was soll das? Weitere Recherchen brachten dann krassere Unterschiede an den Tag. Begreifen konnte ich das schon damals nicht. Eine plausible Begründung dafür fehlt – auch heute noch. Die Umsetzung des Gleichstellungsgesetzes wäre seit 1981 einfach möglich, wie bei anderen Gesetzen auch. Doch es fehlt der männliche Wille. Damals gingen wir dafür auf die Strasse: Es war bunt, frech und lustvoll. Wir hatten gute Gespräche und gute Ideen. Die Stadt war voll von Frauen und die Stimmung gut. Die männlichen Kollegen reagierten verständnisvoll, teils amüsiert. Sie waren aber gewillt, die Mehrarbeit auf sich zu nehmen, und liessen die Frauen ziehen. Ja, sie hatten sich gar schon im Vorfeld informiert, was zu tun sei, und organisierten sich. Schlossen sich später der Demo an.

Das Schweigen der Männer in Führungspositionen führte und führt dazu, dass wir heute wieder mit gleichen Forderungen kommen wie damals. Ein diskriminierungsfreier Zugang zur Teppichetage bleibt meist verwehrt. Die Geschichte wiederholt sich. Zwar konnten Frauen und Männer einiges bewegen. Das steht ausser Zweifel. Doch noch ist vieles zu tun. Denn die Lohnungleichheit führt zu kleineren Renten, endet oft in Altersarmut. Und Fakt bleibt: Frauen leben länger.

Darüber reden allein genügte und genügt längst nicht mehr. Es gab und gibt etliche Anläufe diese Ungerechtigkeit zu beheben. Der Erfolg kommt in kleinen Schritten. Wir bleiben dran. Deshalb ist es wichtig, heute ein Zeichen zu setzen. Nicht gegen Männer, sondern für Frauen.

Damals wie heute werden Frauen gerne etikettiert – oft ohne Respekt und das von Frauen wie Männern. Für mich ist der Frauenstreik auch heute wieder ein Weckruf. Ein Blick über die eigene Komfortzone hinaus tut gut. Wir sind doch ein einig Volk von Brüdern und Schwestern. Lasst uns das feiern, nicht nur heute, sondern ein Leben lang.

Es ist ein Streik für Solidarität und Respekt. Schreib mal, wie es früher war, hiess die Aufgabe für die heutige Kolumne. Doch viele Argumente für oder gegen den Streik waren und sind die gleichen. Diese zu wiederholen ist hier nicht nötig. Sie werden bunt und lustvoll an der Demo präsentiert.

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