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Nicht ohne Doktorhut: In Luzern wollen Hunderte hoch hinaus

Sie zeigt in den letzten Jahren stetig nach oben: Die Zahl der Doktorierenden in Luzern – nicht nur an der Uni.
Roseline Troxler
An der Uni Luzern sind arbeiten derzeit 375 Studierende an ihrer Dissertation. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 20.4.2012)

An der Uni Luzern sind arbeiten derzeit 375 Studierende an ihrer Dissertation. (Bild: Dominik Wunderli, Luzern, 20.4.2012)

Ein Doktortitel. Die Zahl der Studenten an der Universität Luzern, welche ihn anstrebt, steigt an. Im Herbstsemester 2018 waren an der Uni Luzern von allen Studenten 12,5 Prozent am Promovieren, 2009 waren es noch 8,9 Prozent. In absoluten Zahlen hat die Zahl der Doktoranden im selben Zeitraum von 218 auf 375 zugenommen. Die Zahl stieg auch schweizweit. Von 1990 bis 2018 von 2176 auf 4164 Personen.

Die Doktorierenden der Uni Luzern verteilen sich wie folgt auf die Fakultäten:

  • Rechtswissenschaftliche Fakultät: 181 Personen.
  • Kultur- und Sozialwissenschaften: 142 Personen; davon 46 im Bereich der Gesundheitswissenschaften – ein Fach, das seit August im neuen Departement Gesundheitswissenschaften und Medizin angesiedelt ist.
  • Theologische Fakultät: 34 Personen.
  • Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät: 18 Personen.

Über alle Fakultäten gesehen doktorieren fast gleich viele Frauen (47 Prozent) wie Männer, wie es bei der Universität Luzern heisst. Promovieren kann man auch an den Fachhochschulen (siehe Kasten).

Akademische Laufbahn oder Titel für die Karriere

Wer doktoriert, braucht einen langen Schnauf. Ein Doktorat dauert in der Regel drei bis fünf Jahre. Nebst dem Verfassen der Dissertation zu einem Thema gehört auch die Teilnahme an Seminaren dazu. Als Doktorand kann man an einem Institut oder extern angestellt sein.

Doch was sind die Gründe, dass man diese Mühe auf sich nimmt? Wer eine akademische Laufbahn anstrebt, für den ist eine Promotion praktisch Pflicht. Ein Indiz, wie viele Doktorierende nach Abschluss des Promotionsverfahrens eine akademische Laufbahn einschlagen, liefert die Absolventenbefragung. Die neuste datiert von 2017. «Vier von 22 Absolventen haben nach dem Doktorat direkt eine zusätzliche wissenschaftliche Weiterqualifikation begonnen. Weitere drei Personen geben an, eine Ausbildung ausserhalb einer Hochschule gestartet zu haben», erklärt Lukas Portmann, Kommunikationsbeauftragter der Uni Luzern. Aufgrund der tiefen Zahl seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu geniessen. Weitere Gründe sind – je nach Branche – die Erhöhung der Karrierechance oder das Interesse an einem Thema.

Letzteres war für Martin Meier (28) aus Luzern ausschlaggebend:

«Ich suchte die intellektuelle Herausforderung und wollte mich vertieft mit einem Thema auseinandersetzen. Etwas, das im Studium teilweise zu kurz gekommen ist.»

In Meiers Dissertation geht es – ganz knapp zusammengefasst – um eine verhaltensökonomische Analyse des Wettbewerbsrechts. Ob Martin Meier der Uni nach dem Doktorat treu bleibt, weiss er noch nicht. «Eine akademische Karriere reizt mich durchaus. Für diese ist der Doktortitel ein Muss. Aber es ist für mich nicht die einzige Option.» Auf jeden Fall befindet sich Meier allmählich auf der Zielgeraden. Wer auf schnelle Ergebnisse hoffe, sei für ein Doktorat nicht geeignet, betont er. «Doktorieren braucht sehr viel Eigendisziplin. Man schreibt in der Freizeit, ohne dafür entlöhnt zu werden. Ausserdem ist das Bücherwälzen und Verfassen der Arbeit eher eine einsame Tätigkeit.» Umso wichtiger sei der Austausch mit anderen Doktoranden. Meier schätzt, dass man an der Uni Luzern genügend Freiraum, aber dennoch Anlaufstellen hat. Nebst dem Promovieren arbeitet er in einem 50-Prozent-Pensum an der Uni. «Dies ist eine erfrischende Abwechslung.»

Neue Anlaufstelle für Doktoranden in Luzern

Wo ortet die Uni Luzern Gründe für die gestiegene Zahl an Doktorierenden? Lukas Portmann sagt: «Das ist einerseits eine Folge des Wachstums der Universität. Zudem konnten die Forschenden der Uni Luzern in den letzten Jahren viele Drittmittelprojekte einwerben, die wieder um Doktoratsstellen ermöglichen.» Auch die verstärkte Internationalisierung wirke sich positiv aus. «Schliesslich sehen wir dies auch als Zeichen dafür, dass die Universität Luzern als Forschungsstandort an Attraktivität gewonnen hat.»

Neu gestartet hat die «Graduate Academy», eine zentrale Anlaufstelle an der Uni Luzern, welche sich an junge Wissenschafter richtet, welche Fragen zur Beratung, Förderung und Weiterbildung haben. «Die verstärkte Förderung der Doktorierenden und Postdocs ist ein zentrales Anliegen der Universität Luzern.» Postdocs haben den Doktorgrad erlangt und sind an einer Uni befristet weiter tätig. Mit der neuen Anlaufstelle sollen auch aussenstehende Interessierte und motivierte Doktoranden angesprochen werden.

Doktorieren boomt. Doch wie gefragt ist der Doktortitel auf dem Arbeitsmarkt? Markus Theiler, Geschäftsführer der Jörg Lienert AG, sagt: «Zu promovieren ist eine grosse Leistung, die Anerkennung verdient. In der Forschung und Wissenschaft mit Vertiefung in ein spezifisches Fachgebiet kann ein Doktortitel durchaus entsprechende Gewichtung finden.» Um in der Wirtschaftswelt erfolgreich zu bestehen, brauche es weitere Fähigkeiten. Teamfähigkeit, Führungs- und Sozialkompetenzen sowie Loyalität seien immer gefragter. Schlüsselpositionen erfolgreich zu besetzen, beschränke sich nicht auf den Leistungsausweis, sondern darauf, wie die Persönlichkeit in ein Unternehmen und seine Kultur passe. Theiler unterstreicht: «Die Stufe der Ausbildung ist weniger entscheidend – entscheidender ist die Persönlichkeit.»

Fachhochschulen: Dank Kooperationen zum Doktortitel

(rt) Im Gegensatz zu Unis können Fachhochschulen keine Doktortitel vergeben. Durch die Kooperation mit einer promotionsberechtigten Universität ist es jedoch möglich, an der Hochschule Luzern (HSLU) oder der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern zu doktorieren. Dieses Angebot nutzt eine wachsende Zahl. Viktor Sigrist, Leiter Ressort Forschung an der HSLU, erklärt: «2018 promovierten 78 wissenschaftliche Mitarbeiter im Rahmen von Kooperationen.» 30 Personen kooperierten mit Schweizer Unis, 18 mit Deutschen, 7 mit Österreichischen. «Der Rest verteilt sich auf andere Länder.» 2017 lag die Zahl der Personen, welche doktorierten, noch bei 55, 2016 bei 46 Personen. «Die HSLU hat in den letzten Jahren bei der Promotionsförderung die Zusammenarbeit mit Unis im In- und Ausland verstärkt.»

Zusammenarbeit bei den Methoden-Kursen

Eine Zusammenarbeit besteht seit 2017 auch mit der Uni Luzern. Aktuell nutzt eine Mitarbeiterin das Doktoratsangebot von «Campus Luzern». Mehrere Projekte befinden sich in Abklärung. An der PH Luzern arbeiten laut Werner Wicki, bis Ende August Prorektor Forschung und Entwicklung, 40 Dozenten und wissenschaftliche Mitarbeiter an einer Dissertation. «Dafür besteht eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Unis in der Schweiz und, insbesondere für Promotionen in einer Fachdidaktik, mit verschiedenen ausländischen Hochschulen.» Sehr gefragt sind laut Viktor Sigrist die Fachkurse von «Campus Luzern» für wissenschaftliche Mitarbeiter der drei Hochschulen. Lukas Portmann von der Uni Luzern sagt: «Die Zusammenarbeit ist gut angelaufen.» Sie ermögliche ein Kennenlernen auf vielen Ebenen. «Besonders das gegenseitig geöffnete Angebot von Methodenkursen hat die Attraktivität von Luzern für Doktorierende und Postdoktorierende deutlich erhöht.» Die Vernetzung und das Verständnis für unterschiedliche Forschungstraditionen seien erhöht worden.

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