Nidwalden lagert Opferberatung nach Luzern aus

Ab 2019 können sich Opfer von Straftaten aus Nidwalden an die Opferberatungsstelle des Kantons Luzern wenden. Grund sind steigende Fallzahlen in Nidwalden.

Marc Benedetti und Alexander von Däniken
Drucken
Teilen

Während Täter durch die Mühlen der Justiz geführt werden, gehen die Opfer von Straftaten oft vergessen. Dabei gibt es kantonale Anlaufstellen, welche die Betroffenen bei der Bewältigung der oft traumatischen Situationen unterstützen, und ihnen bei der Durchsetzung der Opferrechte helfen. Im Kanton Nidwalden war bisher das Amt für Justiz dafür zuständig.

Wegen steigender Fallzahlen (von 18 Fällen im Jahr 2014 auf 33 Fälle 2017) wäre nun der Aufbau einer spezifischen Beratungsstelle nötig. Stattdessen haben die Kantone Nidwalden und Luzern eine Vereinbarung abgeschlossen, wonach ab Januar 2019 die Opferberatungsstelle des Kantons Luzern die Betreuung von Betroffenen aus dem Kanton Nidwalden übernimmt. Dies teilten die Kantone gestern mit.

Trotz aktueller Vorfälle: Zahl der Delikte sinkt

Ein Beispiel für die Inanspruchnahme der Opferberatungsstelle sind Überfälle. Kürzlich ist es in Genf zu einem brutalen Angriff auf fünf junge Frauen gekommen. Und in der Luzerner Altstadt haben im August vier Männer einen Passanten geschlagen, getreten und ihm den Rucksack geklaut. Die Gruppe hat zudem eine Frau zu Boden geworfen und ihr die Handtasche geraubt. Die Männer im Alter zwischen 21 und 30 Jahren wurden verhaftet und sind geständig (wir berichteten). Trotz des Eindrucks: Die Luzerner Kriminalstatistik zeigt abnehmende Zahlen. 2016 wurden im Kanton 70 Raubstraftaten registriert, letztes Jahr 62. 2014 lag die Zahl noch bei 83. Allerdings wenden die Täter mehr körperliche Gewalt an: Die Zahl dieser Fälle stieg innerhalb eines Jahres von 32 auf 42. Die generellen Straftaten lagen 2017 mit 18 715 Delikten sogar auf dem tiefsten Stand der letzten zehn Jahre.

Ungeachtet der Statistik können Straftaten die Opfer belasten. «Ein Raub zum Beispiel kann für das Opfer auch traumatisierend sein, ohne dass die Täterschaft ein aussergewöhnlich brutales Vorgehen anwendet», sagt Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei. Diese weist Opfer von Raubüberfällen auf die Opferberatungsstelle des Kantons Luzern hin. Dort melden sich durchschnittlich rund 200 Personen pro Jahr wegen «Gewalt im öffentlichen Raum». Darunter fallen alle Fälle, in denen Personen nicht Opfer von häuslicher oder sexueller Gewalt wurden oder einen Unfall hatten, wie Reto Wiher, Leiter der Opferberatungsstelle Luzern, erklärt.

Opfer werden juristisch beraten

Die 200 Gewaltopfer machen ungefähr einen Fünftel aller Fälle der Stelle aus. Sie hat letztes Jahr 1356 Personen beraten; dieses Jahr sind es bisher rund 1000. Laut Wiher ist die Betreuung von Fall zu Fall individuell. «Die angebotene Hilfe orientiert sich einerseits an den aktuellen Bedürfnissen und Fragestellungen der betroffenen Personen sowie an der Notwendigkeit. Im Vordergrund steht oft die Information, beispielsweise über ihre Rechte in einem Strafverfahren gegen die Täter.» Man berate Opfer über die Möglichkeit einer Anzeige und vermittelt bei Bedarf juristische Fachpersonen.

Wie reagieren Opfer eines Überfalls? «Gewisse mit sozialem Rückzug oder der Vermeidung von potenziell gefährlichen Situationen. Bei anderen Personen treten Schlafstörungen, Gefühle des Ausgeliefertseins oder der Verlust einer Grundsicherheit auf.»