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Niemand schneidet besser ab als sie: Diese Schötzerin ist dreifache Coiffeur-Weltmeisterin

Chantale Ambühl hat an der Coiffeur-Weltmeisterschaft in Paris drei Goldmedaillen gewonnen.
Martina Odermatt
Mit ihren Kreationen holte Chantale Ambühl aus Schötz an den Coiffeur-Weltmeisterschaften in Paris drei Goldmedaillen.(Bild: Nadia Schärli, Willisau, 10. Oktober 2019)

Mit ihren Kreationen holte Chantale Ambühl aus Schötz an den Coiffeur-Weltmeisterschaften in Paris drei Goldmedaillen.
(Bild: Nadia Schärli, Willisau, 10. Oktober 2019)

Chantale Ambühl ist ehrgeizig. Und zielstrebig. Und perfektionistisch. Das sagt sie über sich selbst. Aber dass ihr Eifer ihr mit ihren 24 Jahren an der Weltmeisterschaft der Coiffeure in Paris gleich drei Goldmedaillen bescheren würde, das hätte sie nicht gedacht.

Erst im Oktober 2018 wurde Ambühl in die Schweizer Nati aufgenommen. Sie hatte sich bei einem Casting dafür qualifizieren müssen. «Man wird etwas ins kalte Wasser geworfen», sagt sie zu den Trainings des Teams. «Man trainiert und übt, dann wird die Arbeit von Trainer Enzo di Giorgio und innerhalb des Teams geprüft.» Die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft sind dann nochmals intensiver. Drei Monate vor der WM musste Ambühl pro Woche drei Trainings nachweisen, ihre Arbeiten dem Trainer zur Prüfung schicken. Sie übte abends nach der Arbeits, und hat auch in ihrer Freizeit viel im Geschäft geübt. Auch die Wochenenden standen im Zeichen der WM. Gegen Schluss verbrachte sie mit ihrem Natiteam jedes Wochenende im zürcherischen Glattbrugg bei Enzo di Giorgio im Laden. Einen Aufwand, der Ambühl nicht abschreckte. Ambühl sagt und lachend:

«Während der Sommerferien, als das Geschäft geschlossen und ich ganz alleine hier war, hab ich mich schon manchmal gefragt, wieso ich das alles mache.»

Dass sie mit ihren Kreationen jedoch ihre Konkurrenten hinter sich lassen konnte, gibt ihr die Bestätigung, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat. Dass man im ersten Jahr in der Schweizer Nati gleich Gold gewinnt, ist aussergewöhnlich. «Man hat mir gesagt, dass ein Sieg bei der ersten WM-Teilnahme sehr unwahrscheinlich ist», sagt sie. Auch deshalb möchte sie in zwei Jahren, wenn die WM in Japan stattfindet, wieder antreten und allen zeigen, dass sie die Medaillen in Paris zu recht gewonnen hat. «Der Wettbewerb macht etwas süchtig», sagt Ambühl dazu.

Auch bei Schweizer Meisterschaften Gold geholt

Die junge Frau ist taff, engagiert, immer auf Achse und verliert ihren Humor trotzdem nicht. Nichts zu machen, fällt ihr nicht leicht. Und doch hat sie ihr Engagement in der Schweizer Nati nun etwas runter geschraubt - jedoch nur, weil sie aktuell die Höhere Fachprüfung absolviert. «Ich habe von meiner letzten Weiterbildung gelernt», sagt sie. Damals steckte sie mitten in den Vorbereitungen für die Swiss Skills, die Schweizer Berufsmeisterschaften, und hat nebenbei noch die Berufsprüfung mit eidgenössischem Fachausweis absolviert. «Das war dann doch etwas viel.» Deshalb will sie sich nun auf eine Aufgabe fokussieren. Übrigens: Auch bei den Swiss Skills hat Ambühl eine Goldmedaille gewonnen.

Doch zurück zur Weltmeisterschaft. Wer denkt, dass dort «einfach etwas Haare geschnitten und/oder gefärbt» werden, liegt falsch. Im Fokus ist an der WM das Abstrakte. Ambühl nahm in der Kategorie «Progressiv» und «Avantgarde» teil, wobei letztere Pflicht ist, wenn man sich für erstere entscheidet. Diese beiden Looks (es zählt nicht nur die Frisur sondern auch Make Up und Kleid) sollten zusammen harmonieren. Sie dürfen ausserdem nicht strassentauglich sein.

Das erklärt die bunten Kreationen von Ambühl. Auf den Köpfen schimmert es pink, orange, rot und gelb und schwarz. 11 Stunden hat Ambühl alleine für die Färbung der original blonden Haare pro Puppe aufgewendet. Die Schnitte sind ausgefallen und auf den Kleidern glitzert und glänzt es. So könnten sich Menschen in 500 Jahren stylen, schiesst es einem bei deren Anblick direkt durch den Kopf. Der Unterschied zur Kreation in der Kategorie Avantgarde ist das Kleid, welches im Mittelpunkt steht, sowie der Kopfschmuck. Dieser sowie die Applikationen am Kleid, wurden aus Strohhalmen gefertigt. Ambühl gewann in beiden Kategorien Gold.

Trotz der Erfahrung, die Ambühl etwa bereits bei den Swiss Skills sammeln durfte: Aufgeregt war sie an der WM trotzdem. «Das ist schon mal noch eine grössere Nummer als die Swiss Skills», sagt sie. Schwierigkeiten bereitete Ambühl aber weder Schnitt oder Farbe der Haare, sondern etwas Unerwartetes: Die Sprache. «Immer wieder gab es Durchsagen auf Englisch und Französisch, die aber nicht immer uns betroffen haben. Aber du musstest trotzdem hinhören, um zu wissen, ob der Moderator etwas Relevantes gesagt hatte.»

Lehrlinge und Weiterbildungen im Fokus

Die Aufgabenstellung haben Ambühl und ihr Team mit der Anmeldung zur WM erhalten. Danach ging es darum, den passenden Look auszutüfteln. Die Grundidee dafür stammt von Nati-Trainer Enzo di Giorgio, der auch mehrfacher Weltmeister ist. Nach Gesprächen und Inputs hat sich mit der Zeit hat dann die jetzige Vorlage herauskristallisiert. Ein bisschen künstlerische Freiheit blieb den Coiffeusen und Coiffeuren jedoch noch: Die Kreationen tragen die Handschrift der jeweiligen Künstler. Die dritte Goldmedaille gab es übrigens für die Teamwertung. Da jedes Mitglied der Schweizer Nati gut abgeschnitten hat, gab es auch hier eine Goldmedaille. Die Medaillen bedeuten der Schötzerin viel. Sie sagt:

«Es zeigt mir, dass man alles erreichen kann, wenn man wirklich will.»

Doch der Wille alleine reicht nicht. «Ich hatte enormen Rückhalt im privaten Umfeld wie auch im Betrieb- Ohne diesen hätte ich das nicht geschafft.»

Und wie geht es für die junge Frau nun weiter? Welche Titel und Medaillen strebt sie als nächstes an? Ambühl lächelt. Sie wird weiter im Coiffeurladen Hair-Point in Willisau arbeiten, wo sie seit vier Jahren ist. Und sie möchte sich weiterhin für Lernende einsetzen. Bereits jetzt bildet sie Lehrlinge aus. Ambühl könnte sich auch vorstellen, an der Berufsschule zu unterrichten oder Kurse anzubieten. Das ist jedoch ein Fernziel. Auch weitere Weiterbildungen sind für sie ein Thema. «Zuerst mache ich nun aber die Höhere Fachprüfung. Damit bin ich bis im Winter 2020 beschäftigt», sagt sie und lacht.

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