Niemand trauert dem Depotsystem nach

Die Verpflegungszonen kommen gut an. Auf das Becherpfand können praktisch alle gut verzichten, wie sich gestern zeigte.

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Fasnächtler freuen sich und stossen an. (Bild: Manuela Jans / NeueLZ)

Fasnächtler freuen sich und stossen an. (Bild: Manuela Jans / NeueLZ)

Um etwas Ordnung in die Fasnacht und das Gedränge in den Griff zu bekommen, herrscht seit diesem Jahr eine neue Fasnachts-«Zonenordnung». Erarbeitet haben diese die Guuggenmusigen zusammen mit der Stadt Luzern.

Mehr Raum auf dem Theaterplatz

In erster Linie heisst das: Auf der Neustadt-Seite zwischen Kapellbrücke und Theater gibt es eine Verpflegungszone. Die «wilden» Wagen gehören nun in die Bahnhofsstrasse zwischen Seebrücke und Kapellbrücke. Im Bereich Theater- und Jesuitenplatz ist dafür mehr Raum vorhanden für die Guuggenmusigen. Zudem gibt es – wie bereits letztes Jahr – weniger Verpflegungsstände in der Altstadt.
Zudem hat die Stadt das an der letzten Fasnacht eingeführte Depotsystem auf Plastikgeschirr und Becher wieder abgeschafft. Denn es wurde nicht überall umgesetzt. Auch fiel 2011 nicht weniger Abfall an als in anderen Jahren.

Neue Ordnung kommt gut an

Vor allem Letzteres stösst bei Fasnächtlern auf ein positives Echo. «Das ist sehr gut», findet Stefan Küng (31) aus Alpnach. «Letztes Jahr war es nur mühsam.» Ins selbe Horn stösst Silvia Überschlag (36) aus Luzern: «Es war unmöglich, man musste immer dort bleiben, wo man etwas konsumiert hatte und danach wieder anstehen, um das Depot zurückzuerhalten.» Ihr Vater Walter Überschlag (68) pflichtet ihr bei: «Der Aufwand war zu gross.» Umso zufriedener sind die begeisterten Fasnächtler dieses Jahr. «Auch die Preise sind im Rahmen», findet Mutter Irma Überschlag (66). Gar nicht mehr an das Depotsystem erinnern mag sich dagegen Beat Schumacher (47) aus Oberkirch. «Letztes Jahr schienen mir die Preise aber sehr hoch.»

Wie immer bestätigt die Ausnahme die Regel: Christoph Stöckli (27) aus Muri AG spricht sich als Einziger der Befragten für Depots aus: «Ich finde das eigentlich eine gute Idee, da so weniger Abfall entsteht.»

Glücklich sind die Standbetreiber an der Luzerner Fasnacht. «Die Kunden sind entspannter», so Jacques Bättig (60), Co-Betreiber des «Hüüler»-Standes beim Luzerner Theater. Die neuen Zonen begrüsst Bättig, «doch einige von den ‹Wilden› halten sich nicht daran und haben ihre Wagen beim Theater aufgestellt.» Allerdings will er sich nicht zu sehr darüber nerven, «schliesslich gehören diese auch zum Bild der Fasnacht».

Keine Konfusion mehr

In der Bahnhofstrasse hat neben ‹Wilden› die Ebikoner Guuggenmusig Rotsee-Husaren ihren Kaffeestand eingerichtet. «Nach der Konfusion vom letzten Jahr ist nun etwas Ruhe eingekehrt», sagt Standchef Frank Sedleger (46). Zeitweise sei nicht mehr klar gewesen, ob eine Guuggenmusig überhaupt noch Kaffee ausschenken dürfe.

Auf der anderen Seite, in der Altstadt, betreibt Ernst Studer (66) seit 25 Jahren einen Wurst- und Getränkestand in der Kapellgasse. «Das neue System ist nicht schlecht», findet er, «die Leute verteilen sich besser auf beide Seiten der Reuss». Dass er damit etwas weniger Umsatz macht, stört ihn nicht, «dafür ist das Gedränge in der Altstadt nicht mehr so gross.» Vor allem die Weggisgasse sei nun deutlich entlastet. Zum Depotsystem sagt Studer: «Gut, ist es weg. Das hat uns und die Fasnächtler verrückt gemacht.» Dass es nicht nötig sei, habe die Situation nach dem Urknall gestern Morgen gezeigt: «Wir hatten nicht mehr Dreck als letztes Jahr.»

Guy Studer