Nirgends sinken die Krankenkassenprämien so stark wie in Luzern – Nidwalden mit Erhöhung um 1,3 Prozent

So etwas gab es wohl noch nie: In drei von sechs Zentralschweizer Kantonen sinken die Krankenkassenprämien im Jahr 2020. In Luzern sogar im schweizweiten Vergleich am stärksten – um 1,5 Prozent.

Janick Wetterwald
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Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Krankenkassenprämien für das Jahr 2020 bekannt gegeben. Es stützt sich dabei auf die «mittlere Prämie» (siehe Box). Schweizweit steigt die mittlere Prämie über alle Altersklassen um 0,2 Prozent. Im Kanton Luzern sinken die Prämien hingegen schweizweit am stärksten um 1,5 Prozent.

Das ist die mittlere Prämie

Die mittlere Prämie ist definiert als das von den Versicherern geschätzte durchschnittliche Prämienvolumen pro Versicherten. Sie berücksichtigt alle Grundversicherungsmodelle, also auch solche mit hohen Franchisen und mit eingeschränkter Wahl der Leistungserbringer.

Die mittleren Prämien nach Alter in Luzern für das Jahr 2020 sehen folgendermassen aus:

Kinder (0 bis 18 Jahre):
Die mittlere Prämie sinkt um 1,6 Prozent und beträgt neu 83 Franken.

Junge Erwachsene (19 - 25 Jahre):
Die mittlere Prämie sinkt um 2,9 Prozent und beträgt neu 220 Franken.

Erwachsene (ab 26 Jahren):
Die mittlere Prämie sinkt um 1,3 Prozent und beträgt neu 322 Franken.
Damit liegt die Prämie deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt von 374 Franken.

Luzerner Prämien waren im Vorjahr zu hoch berechnet

Für den Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) ist dies jedoch kein Grund für Euphorie. Es könne nicht von einer Trendwende gesprochen werden. Hanspeter Vogler, Leiter Fachstelle Gesundheit des Kantons Luzern, ergänzt auf Anfrage:

«Die medizinischen Leistungen werden in Zukunft bestimmt nicht günstiger, beziehungsweise die Tarife können nicht beliebig gesenkt werden. Darum muss der Fokus anders gelegt werden. Wir müssen uns die Frage stellen: Welche Leistung ist sinnvoll und auf welche kann man verzichten?»

Dafür müssten die Versicherten und die Ärzte sensibilisiert werden. Diese Sensibilisierung sei bereits gut fortgeschritten und mit ein Grund für die tieferen Prämien. Vogler ergänzt: «Weitere Gründe dafür sind die zu hoch berechneten Prämien vom Vorjahr und die Tarifsenkungen durch den Bundesrat.» Interessant findet Vogler die Prämiensenkung in Anbetracht der Umsetzung von «ambulant vor stationär» und sagt: «Luzern hat dieses Modell als erster Kanton in der Schweiz konsequent umgesetzt. Die Rückmeldungen waren, dass wir damit die Kosten auf die Versicherungen und diese dann auf die Luzernerinnen und Luzerner übertragen. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch das Gegenteil.»

Massnahmen in Zug zeigen Wirkung

Im Kanton Zug ist Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP) erfreut über die leichte Senkung und weist auch auf die grundsätzlich tiefen Prämien in Zug hin. «Im stationären Bereich haben sich die Kosten stabilisiert oder sind gar leicht rückläufig. Weiter scheinen auch unsere Massnahmen wie zum Beispiel die Umsetzung der Zulassungsbeschränkung von ausländischen Ärzten Wirkung zu zeigen.» Man dürfe sich aber nicht ausruhen und müsse auch in Zukunft kostendämpfende Massnahmen verfolgen.

Nidwaldner Gesundheitsdirektorin relativiert

Auf den ersten Blick am schlechtesten ergeht es im nächsten Jahr den Nidwaldnern. Dort steigt die mittlere Prämie um 1,3 Prozent an. Gesundheitsdirektorin Michele Blöchliger (SVP) relativiert: «Wir haben trotz dieses Anstiegs schweizweit die dritttiefsten Prämien.» Die Erhöhung im nächsten Jahr führt Blöchliger auf den «grösseren Anteil an älterer Bevölkerung» und auf die tiefe Zahl Versicherter zurück.

Zentralschweiz unterdurchschnittlich

Festzuhalten gilt es, dass alle sechs Zentralschweizer Kantone deutlich unter dem schweizer Prämiendurchschnitt von 374 Franken für Erwachsene liegen. Luzern ist mit 322 Franken am nächsten beim schweizerischen Schnitt. Am tiefsten ist der Kanton Uri mit 290 Franken mittlere Prämie für Erwachsene.

Die Zahlen zu den Zentralschweizer Kantonen

Im Kanton Nidwalden steigen die Prämien um 1,3 Prozent an. Ebenfalls ansteigen werden sie in Uri (0,4 Prozent). In Obwalden kommt es im Durchschnitt zu keiner Veränderung. In Zug (-0,2 Prozent) sowie in Schwyz (-0,6 Prozent) sinken die Prämien. Luzern steht mit einer Senkung um 1,5 Prozent am besten da. (jwe)

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Die Grundversicherung in den Kantonen:

Standardprämien Erwachsene mit Franchise 300 Franken ohne Unfalleinschluss. Quelle: priminfo.ch

Video

Krankenkassenprämien steigen um 0,2 Prozent

Die Krankenkassenprämien steigen im Jahr 2020 im Schnitt um 0,2 Prozent. Gesundheitsminister Alain Berset ist erfreut über die Erhöhung von «fast Null» für das nächste Jahr. Die Arbeit sei aber noch nicht getan.