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Nobelpreisträger Carl Spitteler kommt in der Stadt Luzern zu neuen Ehren

Mit der Enthüllung der Gedenktafel an der Bruchstrasse 20 in der Stadt Luzern startet der Auftakt zum Jubiläumsjahr. Ermöglicht haben das Private und die Stiftung. Vor 100 Jahren erhielt Carl Spitteler als bisher einziger Schweizer den Literaturnobelpreis.
Sandra Monika Ziegler
Stefan Graber von der Carl Spitteler-Stiftung (links) und Hauseigentümer Leopold Mantz enthüllen die Gedenktafel an der Bruchstrasse 20. (Bilder: Boris Bürgisser, Luzern, 15. März 2019)

Stefan Graber von der Carl Spitteler-Stiftung (links) und Hauseigentümer Leopold Mantz enthüllen die Gedenktafel an der Bruchstrasse 20. (Bilder: Boris Bürgisser, Luzern, 15. März 2019)

Die Stadt Luzern war für den jungen Carl Spitteler (1845-1924) Zufluchtsort und für die letzten 32 Jahre seines Lebens der feste Wohnsitz für sich und seine Familie. In das «Haus am Bruch» an der Bruchstrasse 20 kam der damals 19-Jährige nach einer Odyssee durch die Schweiz. Er flüchtete aus seinem Elternhaus in Liestal Baselland.

Sein Vater drängte ihn zum Jura-Studium, in seinem Herzen jedoch wollte er Dichter werden. Zudem war er unglücklich schwärmerisch verliebt. Der Druck wurde für Spitteler zu gross, es blieb ihm nur noch die Flucht. Sein Freund Josef Viktor Widmann gab ihm die Luzerner Adresse. So kam es, dass Carl Spitteler im Jahr 1864 vor der Tür von Fotograf Gerold Vogel an der Bruchstrasse 20 stand.

Ehrenbürger und Nobelpreisträger

Das Haus war damals im Besitz der Familie Julius Rüegger. Eine Familie, die stadtbekannt für ihre Musikalität war. Carl Spitteler selber vermerkte zu seinem Zimmer im Dachstock an der Bruchstrasse: «Da fand ich bei edlen Menschen Asyl». Mit Unterstützung der Familie Rüegger und dem Fotografen Gerold Vogel gelang es, dem Dichter wieder auf die Füsse zu helfen.

So ging Carl Spitteler gestärkt in sein Dichterleben und blieb lebenslang mit der Familie Rüegger und der Stadt verbunden. Er wurde 1909 Ehrenbürger. Seinen literarischen Höhepunkt erlebte er mit dem Nobelpreis, der ihm 1920 rückwirkend für seinen Versepos «Olympischer Frühling» verliehen wurde, der 1919 erschien.

Stefan Graber hat vor kurzer Zeit das Präsidium der Luzerner Carl Spitteler-Stiftung vom Spitteler-Doyen Fritz Schaub übernommen. Graber ist Prorektor an der Kantonsschule Alpenquai Luzern und sagt, als Schulmann wolle er Spitteler vermehrt in die Luzerner Schulen bringen. Immerhin sei seine Klasse aktuell schon in einem Spitteler-Projekt. Und Spittelers epochale Rede «Unser Schweizer Standpunkt» von 1914 gehöre bereits zum Kanon der Schule, so Graber.

Ebenfalls aktiv punkto Spitteler ist seit Jahren Fritz Schaub. Er hat die Erinnerungstafel massgeblich vorangetrieben. Mit der Enthüllung am Freitag wurden die Luzerner Beiträge für das Spitteler-Jubiläum 2019 eröffnet.

Mit Geschichten zu Spittellers Bruchstrassen-Aufenthalt bereicherte Graber den festlichen Akt. Dass es überhaupt soweit kam, sei aber der Immobilienbesitzerin, der Küssnachter Mantz AG zu verdanken, wie Graber betont. Die Mantz AG wusste jedoch erst von dem prominenten Hausbewohner, als sich Ursula Levy-Sidler per Brief beim Unternehmen meldete. Diese wiederum reagierte auf einen Bericht in unserer Zeitung. Dort wurde in einem Artikel publik gemacht, dass das Haus nicht saniert, sondern abgerissen werden muss und durch einen Neubau ersetzt wird. Leopold Mantz, Mitinhaber der Immobilienfirma, sagt:

«Im Haus selber fanden wir beim Rückbau nichts, das auf Carl Spitteler hinwies – denn der Dachstock brannte bereits in den 60er-Jahren komplett aus.»

Dass nun an ihrem Haus eine Gedenktafel des ersten und bisher einzigen Literaturnobelpreisträger montiert wird, erfülle auch ihn mit einer Portion Stolz. In der Stadt Luzern hat es einige Örtlichkeiten, die auf den Dichter hinweisen. Mit einer eigens dafür konzipierten Stadtführung wird damit ab April gestartet. Und diese Orte werden auch nach und nach mit der Website der Spitteler-Stiftung verknüpft, die Ende April aufgeschaltet wird.

Hinweis: Weitere Infos zu den Aktivitäten sind unter www.spitteler.ch zu erfahren.

Carl Spitteler am Luzerner Literaturfest

(are) Auch das noch bis morgen laufende Luzerner Literaturfest lässt Carl Spitteler in dessen Jubiläumsjahr aufscheinen. Zum einen ist die Carl-Spitteler-Stiftung mit einem Infostand an der Ausstellung der Zentralschweizer Verlage in der Kornschütte (vergleiche 4. Piazza-Seite der heutigen Ausgabe) präsent. Zum anderen gibt es am Sonntag um 15 Uhr, ebenfalls in der Kornschütte, einen Talk mit Manfred Papst, Literaturjournalist bei der NZZ, und Stefan Graber, Präsident Carl Spitteler Stiftung. Ebenfalls dieses Wochenende testet Luzern Tourismus eine neue Führung zu Carl Spitteler, die im April angeboten werden soll. Die Probeführungen starten heute und morgen jeweils um 11 Uhr in der Kornschütte und dauern rund 1,5 Stunden (Unkostenbeitrag von 5 Franken/Person).

Agenda zu Spitteler-Aktivitäten in der Stadt Luzern

Sonntag, 17. März 2019, 15 Uhr, Kornschütte, im Rahmen des Luzerner Literaturfests, Literatur auf dem Sofa, Gespräch zu Spitteler mit Manfred Papst und Stefan Graber. Dienstag, 19. März 2019, Vortrag von Stefan Graber zu Spitteler und Luzern an der Seniorenuniversität Luzern, 18.30 Uhr, Universität Luzern

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