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Im Kanton Luzern gibts Wohnungen im Überfluss

Immer mehr Wohnungen im Kanton Luzern stehen leer. Anfang Juni waren es über 2800 – ein neuer Höchstwert. Vor allem in Kriens schnellte die Leerwohnungsziffer nach oben. Die Mieter freut’s.
Simon Mathis
In Kriens wird fleissig gebaut. Hier die Überbauung Mattenhof. (Bild: Dominik Wunderli, Kriens, 10. April 2018)

In Kriens wird fleissig gebaut. Hier die Überbauung Mattenhof. (Bild: Dominik Wunderli, Kriens, 10. April 2018)

Die Anzahl leer stehender Wohnungen im Kanton Luzern hat einen deutlichen Sprung gemacht: Anfang Juni 2018 waren insgesamt 2830 Wohnungen unbewohnt – davon über 100 Einfamilienhäuser. Das sind 652 Wohnungen mehr als im Vorjahr, wie die zentrale Statistikstelle des Kantons Luzern (Lustat Statistik Luzern) mitteilt. Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Statistik einen so grossen Hüpfer verzeichnet – und die höchste Leerwohnungsziffer seit Jahrzehnten. Laut provisorischen Rechnungen sind zurzeit 1,46 Prozent der Wohnungen im Kanton unbewohnt. Über 1000 der leeren Wohnungen stehen im inneren Agglomerationskern Luzern – allen voran in Kriens. Die Gemeinde führt die Statistik mit 480 verwaisten Wohnungen (davon 29 Einfamilienhäuser) an. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es erst 41. Die Zahl hat sich in Kriens also mehr als verzehnfacht. Die Leerwohnungsquote beträgt aktuell 3,59 Prozent.

Viele neue und leere Wohnungen in Kriens

Für den grossen Sprung in Kriens gebe es mehrere Gründe, erklärt Philipp Stadelmann, der die Abteilung Bevölkerungsdienste in Kriens leitet. An erster Stelle stehe die rege Bautätigkeit in den letzten Jahren. «Überdies sind zwischenzeitlich hohe Wegzugszahlen eine Erklärung für die hohe Leerwohnungszahl», so Stadelmann. «Die freigewordenen Wohnungen waren zwar verfügbar, per Stichtag 1. Juni 2018 waren sie aber noch nicht vom Markt absorbiert. Dies hat einen zunehmenden Leerstand von älteren Wohnungen bewirkt.» Das Blitzlicht der Statistik verzerrt die Zahlen also ein bisschen. So schlichen sich die nagelneuen Wohnungen, etwa im Krienser Schweighof, als angeblich verwaist in die Liste. Trotzdem: «Die diesjährigen Angaben sind genauer und entsprechen eher der Realität als früher», führt Stadelmann aus. Denn mittels Registerabgleich konnten die Leerwohnungen flächendeckender erhoben werden.

Mattenhof: Mieterverband sieht Handlungsbedarf

«In den letzten Monaten ist in Kriens enorm viel Wohnraum auf den Markt gekommen», sagt auch Cyrill Studer Korevaar, Geschäftsleiter des Miterinnen- und Mieterverbandes Luzern. «Das ist ein regelrechter Bauboom.» Wenn auf einen Schlag ein dermassen grosses Angebot entstehe, brauche es immer eine gewisse Zeit, bis die Wohnungen bewohnt sind. «Die Mietbevölkerung muss Kriens erst für sich entdecken», meint Studer. «Es wird spannend sein zu verfolgen, wie sich das Gebiet in den nächsten ein bis drei Jahren entwickelt.» Handlungsbedarf ortet Studer vor allem bei der Überbauung im Mattenhof: «Hier wird es nicht so einfach sein, innerhalb einer kurzen Frist eine Vollbesetzung zustande zu bringen.» Denn: «Es handelt sich um völlig neues Gebiet, das quasi auf dem Reissbrett entworfen wurde. Dem Ort fehlt eine Geschichte.» Es dauere immer seine Zeit, bis die Bewohner mit dem Ort verwurzelt seien. «Und dazu braucht es mehr als eine S-Bahn-Station.» Zum Beispiel fehle momentan noch ein Quartierladen. Die Akteure seien sich auch sehr bewusst, dass sich da etwas tun müsse. Unter anderem der Agglomerationsgemeindeverband Luzern Plus will sich mit verschiedenen Massnahmen dafür einsetzen, dass die fraglichen Gebiete wie Luzern Süd oder Nord attraktiver für Zuzüger werden. An zweiter Stelle der Rangliste steht die Stadt Luzern mit 468 unbewohnten Räumlichkeiten. An dritter Stelle reiht sich Emmen ein – mit 275 leeren Wohnungen. Dann folgen Ebikon und Reiden, beide noch im dreistelligen Bereich.

Die Tendenz zeigte stets nach oben

In den letzten zehn Jahren ist die Leerwohnungsziffer im Kanton Luzern fleissig nach oben geklettert. Waren es 2009 noch etwas über 1000 unbewohnte Unterkünfte, hat sich diese Zahl bis heute fast verdreifacht. «Dass im Kanton Luzern wieder mehr Wohnungen leer stehen, ist eine gute Nachricht für die Mieterschaft», sagt Cyrill Studer. Denn es nehme den Druck von ihnen. «Teilweise werden sie von den Besitzern gar mit Präsenten umworben.» Die Mieterschaft sitzt an einem längeren Hebel als in der Vergangenheit. Das ist eine dringend nötige Entspannung», so Studer. Betroffen sind keineswegs nur Neubauten. Knapp 500 der Wohnungen stehen in Gebäuden, die in den letzten zwei Jahren entstanden. Das ist lediglich jedes siebte Gebäude. Der Rest der «einsamen» Räume steht in älteren Häusern. Drei- und Vierzimmerwohnungen sind offenbar besonders anfällig auf Verwaisung. Sie machen über die Hälfte der leeren Räume aus. Die meisten betroffenen Wohnungen werden zur Miete angeboten. Lediglich knapp 400 der unbewohnten Wohnungen warten auf einen Käufer. Die bestbewohnte Analyseregion ist laut Lustat Rottal-Wolhusen. Hier stehen lediglich 49 Wohnungen leer, was 0,59 Prozent der Gesamtzahl entspricht.

Einzig in Horw gilt: Alles besetzt

Auffällig: Als einzige Gemeinde verzeichnet Horw überhaupt keine leere Wohnung. Gut bewohnt stehen auch Honau und Schwarzenberg da: Laut Statistik gibt es dort jeweils nur eine leere Räumlichkeit. Eine kleine Einschränkung bei der Beurteilung der Leerwohnungsziffer im Kanton Luzern gibt es allerdings. Lustat verwendet nämlich als Grundlage einen Gesamt-Wohnungsbestand, der auf dem Stand von Anfang 2017 basiert. Da es inzwischen mehr Wohnungen gibt, könnte die Leerwohnungsziffer in Prozent in Wirklichkeit etwas tiefer sein als angegeben.

Update: Lesen Sie mehr zu den definitiven Zahlen der leerstehenden Wohnungen und der Leerwohnungsziffer hier.

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