Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

NOTEN: So sollten Eltern mit dem Schulzeugnis umgehen

Es ist wieder so weit: Das Ende des Schulsemesters naht, Kinder und Jugendliche bringen das Zeugnis zur Unterschrift nach Hause. Psychologe Josef Jung sagt, auf welche Aufgaben sich Eltern gefasst machen sollten.
Ismail Osman
Eine Schülerin studiert ihre Semesternoten. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Juli 2012))

Eine Schülerin studiert ihre Semesternoten. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 2. Juli 2012))

Interview: Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Das Semesterzeugnis. Das dünne Büchlein mit dem grossen symbolischen Gewicht wird in diesen Tagen von den Luzerner Schülerinnen und Schülern zur Unterschrift nach Hause gebracht. Je nach Schulnote verläuft der Signierungsprozess mehr oder minder euphorisch.

Wer mit der Benotung grundsätzlich nicht einverstanden ist, hat eine Beschwerdefrist von 20 Tagen (siehe Kasten). Wie aber soll man sich als Eltern verhalten – egal, ob nun mit guten oder schlechten Noten konfrontiert? Sowohl beim anstehenden Freudentag als auch beim nahenden Krisengipfel rät Psychotherapeut Josef Jung eines: die Ruhe bewahren.

Josef Jung, mein Kind bringt ein schlechtes Zeugnis heim. Darf es mir ansehen, dass ich ziemlich enttäuscht bin?

Selbstverständlich darf man seine Emotionen zeigen. Das Kind spürt diese sowieso. Man muss sich dann aber auch hinterfragen, worauf die eigenen Erwartungen basierten. Entscheidend ist aber, was man dem Kind in der Folge sagt.

Also ordentliche Standpauke oder Motivationsrede?

Weder noch. Was es braucht, ist ein ehrliches Gespräch, in dem man analysiert, wie dieses Resultat zu Stande gekommen ist.

Man muss doch aber auch mal Klartext reden, oder?

Man soll seine Meinung auf jeden Fall kundtun, allerdings auf eine konstruktive Art und Weise.

Das heisst?

Einfach runterputzen im Stile von «Ich hab ja gewusst, dass es so kommt» bringt nichts. Das Kind zieht den Kopf ein und wartet, bis der Sturm vorbeizieht. Mit der Realität konfrontieren, dass beispielsweise täglich drei bis fünf Stunden Gamen und eine Fünf in Mathe offensichtlich nicht vereinbar sind, ist hingegen absolut legitim.

Bleiben wir beim Beispiel Gamen: Der erste Impuls wären wohl Sanktionen.

Nur bringt das sehr selten etwas. Statt drakonischen Strafen muss man Änderungen im Tagesablauf ins Auge fassen. Wann und wie lange wird gelernt? Wann und wie lange ist Freizeit? Dies umzusetzen ist natürlich mit einem gewissen Aufwand seitens der Eltern verbunden. Hilfreich ist auch, wenn man neue Regeln nicht gleich in Stein meisselt, sondern eine Probephase definiert. Danach sieht man, ob es fruchtet oder Anpassungen nötig sind.

Die Devise lautet also «Arbeit vor dem Vergnügen».

Richtig, dabei muss man natürlich auch die Qualität der Arbeit im Blick behalten. Ansonsten könnte es bald «schnell, aber schludrig» werden. Hat ein Kind Mühe damit, muss man es enger führen und begleiten.

Wie siehts bei guten Noten aus? Wie drücke ich meine Freude am besten aus?

Genau gleich wie bei schlechten Noten.

Ernsthaft?

Zeigen Sie Ihre Freude, aber tun Sie dies im Gespräch. Sprechen Sie darüber, was gut war und wie es erreicht wurde. Was hat geholfen und wie?

Was ist mit Belohnungen?

Materielle Verwöhnung ist nicht zu empfehlen. Auf die Länge zieht das nicht – Spitzenfussballer sind wegen ihrer hohen Saläre auch nicht unbedingt motivierter. Der Antrieb kommt von anderer Stelle. Bei Kindern ist die Beziehung zu den Eltern entscheidend.

Andere Frage: Mein Kind wird wegen der guten Noten in der Schule gehänselt. Was tun?

Das ist eine herausfordernde Situation. Möglicherweise braucht es die Zusammenarbeit mit der Schule. Es ist eher die Lehrperson, die aktiv werden muss. Selbst sollte man vermeiden, vor Ort zu erscheinen und die entsprechenden Kinder zu stellen. Das ist dem eigenen Kind meist extrem unangenehm und verschlechtert die Situation oft.

Und wie verhalte ich mich gegenüber meinem Kind?

Hören Sie zuerst vor allem Ihrem Kind zu. Worunter leidet es? Welche Hilfe wünscht es von Ihnen als Eltern? Man kann versuchen zu erklären, woher der Neid und die Missgunst kommen. Vor allem aber suchen Sie mit dem Kind zusammen Lösungen, wie es motiviert bleibt und sich schulisch weiterentwickelt.

Hinweis
Zur Person: Josef Jung ist Fachpsychologe für Psychotherapie, er arbeitet in Hitzkirch. Er ist auf Kinder-, Jugendlichen- und Familientherapie spezialisiert.

Beschwerde ist möglich

Sind Eltern von Kindern in der Volksschule mit der Notengebung nicht einverstanden, besteht die Möglichkeit, das Semesterzeugnis anzufechten. Dafür gilt eine 20-tägige Beschwerdefrist. Die Beschwerde muss beim Luzerner Bildungs- und Kulturdepartement eingereicht werden. Auf eine Beschwerde eingetreten wird allerdings nur, wenn das Zeugnis oder eine Zeugnisnote unmittelbaren Einfluss auf das schulische Fortkommen der Schülerin oder des Schülers hat, etwa beim Übertrittsverfahren oder beim Niveauwechsel in der Sekundarschule.

Eine Einzelnote für eine Prüfung oder die Bewertung eines Aufsatzes während des Semesters kann nicht angefochten werden. Die Verweigerung der Unterschrift macht das Zeugnis übrigens nicht ungültig. Im Kanton Luzern werden jährlich zwei bis vier Zeugnisse angefochten, wie es bei der Dienststelle Volksschulbildung auf Anfrage heisst. (io)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.