Kommentar

Notfall im Spital: Das Geld darf kein Kriterium sein

Um Bagatellfälle auf den Notfallstationen in den Spitälern zu vermeiden, fordert der Zürcher Nationalrat Thomas Weibel (GLP) eine 50-Franken-Pauschale. Redaktorin Yasmin Kunz findet, es gäbe sinnvollere Ansätze. 

Yasmin Kunz
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Redaktorin Yasmin Kunz (Bild: Pius Amrein)

Redaktorin Yasmin Kunz (Bild: Pius Amrein)

Wer den Spitalnotfall wegen einer Bagatelle aufsucht, soll künftig 50 Franken bezahlen. Bar vor Ort. Es sei denn, man muss hinterher stationär behandelt werden. Eine entsprechende parlamentarische Initiative von GLP-Nationalrat Thomas Weibel (ZH) wurde von der zuständigen Kommission angenommen. Ausgenommen von der Notfallpauschale werden Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sowie Patienten mit ärztlicher Zuweisung.

Dass die Spitalnotfallstationen teils mit Lappalien – wie einem Sonnenbrand oder einer leichten Prellung – konfrontiert sind, entspricht der Realität. Die Konsultationen auf dem Notfall haben in den letzten Jahren auch deswegen stark zugenommen. Doch nicht nur das: Ein Problem, welches sich in Vergangenheit ebenfalls akzentuiert hat, ist der Mangel an Hausärzten – die erste Anlaufstelle bei medizinischen Fragen.

Es ist zwingend angezeigt, die Notfallstationen der Spitäler zu entlasten, um für die wirklich schwer verletzten und erkrankten Patienten Kapazitäten zu schaffen. Fraglich ist, ob eine Notfallpauschale dieses Problem entschärft. Zudem ist ein Notfall schwer definierbar, weil es sich letztlich auch um ein subjektives Empfinden handelt. Jeder Patient muss ernst genommen werden, unabhängig davon, ob danach ein stationärer Aufenthalt folgt.

Sinnvoller wäre es, anstelle einer Pauschale andere und kostengünstigere Angebote in der medizinischen Soforthilfe auszubauen. Wie etwa Notfallpraxen- oder telefone sowie weiterhin die Rekrutierung von Hausärzten zu forcieren.