NOTFALLDIENST: Luzerner Tierärzte machen es vor

Dank der Zusammenarbeit der Luzerner Tierärzte ist im Notfall schnell ein Nutztierarzt zur Stelle. Dies ist nicht in der ganzen Schweiz so. Ein Grund ist der hohe Frauenanteil.

Martina Odermattmartina.odermatt@luzernerzeitung.ch
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Eine Nutztierärztin bei der Arbeit. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally (21. November 2012))

Eine Nutztierärztin bei der Arbeit. (Symbolbild: Keystone/Gaetan Bally (21. November 2012))

Nutztierärzte werden in der Schweiz zur Mangelware. «In einigen Kantonen kann der Notfalldienst bei Nutztierärzten nur mit grossem Einsatz einzelner Tierärztinnen und Tierärzte aufrechterhalten werden», sagt Annik Steiner, Medienbeauftragte der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST). «Der Strukturwandel in der Landwirtschaft zwingt besonders Betriebe in Randregionen vermehrt zum Aufhören.» Die Folge seien Regionen mit weniger, weiter auseinander gelegenen Tierhaltungen, die einem immensen Kostendruck unterliegen. Denn laut GST können die weiten Anfahrtswege der Nutztierärzte nicht kostendeckend verrechnet werden.

Weniger dramatisch ist die Lage im Kanton Luzern: Die Praxisgemeinschaft VetTeam der Tierärzte Victor Eng, Stefan Quinche und Beni Wyss im Luzerner Hinterland ist eine von ungefähr 25 Praxen im Kanton Luzern, die Nutztiere behandelt. Ein guter Wert, findet Tierarzt Wyss aus Willisau. Und das, obwohl es bei der Abdeckung der Nutztierärzte ähnlich aussehe wie mit den Hausärzten: Gerade in Randregionen gebe es immer weniger Tierärzte. Trotzdem: Man organisiere sich gut, die Planung verlaufe meist problemlos, sagt Wyss. «Die Kollegialität unter den Tierärzten ist gross. Wir können die Last gut verteilen.»

Der Kanton profitiere auch von der Topografie. «Wir sind ein Agrarkanton. Viele Nutztiere erfordern auch viele Nutztier­ärzte.» Wyss koordiniert neben seiner Tätigkeit als Tierarzt auch die Notfalldienste an Wochen­enden und Feiertagen. Der Turnus verlaufe im Drei-Wochen-Rhythmus, und alle Tierärzte im Kanton leisten ihren Beitrag.

Studium mit hoher Frauenquote

Bereits in den Sechzigerjahren hat man angefangen, den Notfalldienst aufzubauen. Dies kommt den Tierärzten heute zugute: Sie sind für den Sonntagsdienst gut aufgestellt. Wenn ein neuer Tierarzt dazukommt oder einer geht, wird die Planung des Notfalldienstes wieder neu organisiert. Um den Standard zu halten, wollten sie auch in Zukunft die Organisation und Kollegialität grossschreiben, sagt Wyss.

Eine schweizweite Herausforderung ist die Geschlechterverteilung im Beruf. Der Frauenanteil bei den Absolventen des Veterinärmedizinstudiums beträgt rund 90 Prozent. «Dies verschärft die Situation zusätzlich. Sind Beruf und Familie nicht miteinander zu vereinbaren, geht dies oft auf Kosten der Tierarztpraxen», sagt Wyss.

Die GST will diesem Problem mit dem Projekt «Familienfreundliche Nutztierpraxen» entgegenwirken. Es soll dazu beitragen, dass die Arbeit als Nutztierarzt mit dem Familienleben kompatibel ist. Dafür wurden fünf Pilotpraxen in verschiedenen Regionen der Schweiz ausgewählt. Bei diesen Praxen wurden die Organisationsstrukturen überprüft und optimiert, damit die Arbeit für Arbeitgebende und Angestellte mit Familienpflichten möglich sind.

«Wir wollen Frauen im Beruf behalten können»

Beni Wyss’ Praxisgemeinschaft ist eine der fünf Pilotpraxen. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, findet er: «Wir wollen die Frauen im Beruf behalten können und nicht auf Fachkräfte aus dem Ausland zurückgreifen müssen.» Dafür sei aber die Work-Life-Balance entscheidend.

Die «Best Practice» der Pilotphase werden laut GST in den nächsten Monaten im Verband bekannt gemacht. Zudem werden die Mitglieder der GST für diese Thematik sensibilisiert. Parallel dazu gibt es ein Coachingangebot für Tierärzte, in welchem sie ihre Situation durch eine Beratung reflektieren und Lösungsansätze erarbeiten können.

Martina Odermatt