NOTHILFE: Bevölkerung soll für den Notfall gerüstet sein

Sursee soll flächendeckend mit Defibrillatoren ausgestattet werden. Auslöser war der plötzliche Herztod von Otto Ineichen.

Ismail Osman
Drucken
Teilen
Im silbernen Kasten (im Hintergrund) beim Eingang zur Stadtverwaltung befindet sich schon ein Defibrillator. Von links: Initiant Oliver Jost, Arzt und Berater Uli Harte und Gewerbevereinspräsident Andreas Birrer. (Bild: Boris Bürgisser)

Im silbernen Kasten (im Hintergrund) beim Eingang zur Stadtverwaltung befindet sich schon ein Defibrillator. Von links: Initiant Oliver Jost, Arzt und Berater Uli Harte und Gewerbevereinspräsident Andreas Birrer. (Bild: Boris Bürgisser)

Nicht nur in Sursee war man bestürzt, als am 6. Juni 2012 die Meldung eintraf, dass der Surseer FDP-Politiker und Unternehmer Otto Ineichen in seinem Heimatort auf der Strasse zusammengebrochen und kurz darauf einem plötzlichen Herzversagen erlegen ist. Auch beim Verein Gewerbe Region Sursee (GRS) genoss Nationalrat Ineichen hohes Ansehen. In der Folge beschloss der Verein, die Aktion «Herzsicheres Sursee» zu lancieren. Diese sieht vor, dass an diversen Stellen der Stadt öffentlich zugängliche Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) platziert werden. «Diese sollten nicht weiter als 300 Meter entfernt stationiert sein, egal wo man sich in der Stadt befindet», erklärte GRS-Präsident Andreas Birrer anlässlich der Generalversammlung vom Dienstag (Ausgabe von gestern).

22 Standorte geplant

«Seit Januar arbeitet eine Arbeitsgruppe intensiv an diesem Projekt», sagt Birrer auf Anfrage. Zwar wurde dieses bereits letztes Jahr lanciert, musste wegen des aufwendigen Weihnachtsprojekts «Eiszeit» jedoch hinten anstehen.

Zurzeit verfügt die Stadt über zwei öffentliche Defibrillatoren – einen beim Stadthof und einen anderen beim Spital. «Ziel wäre es, ungefähr 22 solcher AED-Geräte in der Stadt zu haben», sagt Birrer. «Erste Priorität hätte die Achse Bahnhof-Altstadt, danach das umliegende Stadtgebiet.»

Die Kosten für einen Defibrillator belaufen sich jedoch auf rund 2500 Franken. Deshalb hofft Birrer, auf seine Gewerbler zurückgreifen zu können. Der Verein weiss von mindestens acht Geräten, die sich in Surseer Geschäften und Betrieben befinden. Laut Birrer laufen derzeit Gespräche, die sich um die Möglichkeit drehen, diese Geräte ausserhalb der Geschäfte zu platzieren. «Damit diese öffentlich zugänglich sind – also etwa auch dann, wenn das Geschäft geschlossen ist», erklärt Birrer.

Weiter ist vorgesehen, Schüler der jeweiligen Abschlussklassen der Stufen Sek A bis C und der dritten Klasse der Kantonsschule auf den Geräten auszubilden. Die Kosten hierfür würden sich auf rund 10 000 bis 15 000 Franken belaufen, sagt Birrer. Die Surseer Schulen würden das Projekt begrüssen, sofern die Finanzierung steht. «Diesbezüglich stehen wir mit möglichen Sponsoren und Stiftungen in Verhandlungen», sagt Birrer. Vorgesehen wäre jedoch, dass bereits die Abschlussklassen des nächsten Schuljahres ausgebildet werden könnten.

Tessin als Vorbild

Das Projekt «Herzsicheres Sursee» wird von der Firma Pangas begleitet. Diese importiert und vertreibt auch die entsprechenden Defibrillatoren. «Für uns könnte Sursee diesbezüglich zu einer Vorzeigestadt werden», sagt Pangas Junior Product Manager Patrick Wyss. Schweizweit gibt es mehrere Orte und Kantone, die Sursee als Vorbild dienen könnten. Wyss verweist etwa auf den Kanton Tessin. Dort hat eine gemeinnützige Institution ein umfangreiches Netzwerk an öffentlich zugänglichen Defibrillatoren installiert. «Alle Geräte sind registriert», sagt Wyss. «Das bedeutet, dass wenn ein Notruf eingeht, die Zentrale den Erstbetreuer darauf hinweisen kann, wo der nächste Defibrillator zu finden ist – das hat die Überlebenschance bei solchen Vorfällen deutlich gesteigert», sagt Wyss weiter.

In der Vergangenheit wurde wiederholt die Sicherheit von solchen öffentlich zugänglichen AED-Geräten in Frage gestellt – immerhin sind diese im Stande, starke Stromstösse zu verabreichen. «Bei der heutigen Generation der AED-Geräte ist eine missbräuchliche Anwendung ausgeschlossen», sagt Wyss und erklärt: «Das Gerät führt selbstständig eine Impedanzmessung durch und passt die Intensität des Stromstosses an den individuellen Patienten an. Wenn sich der elektrische Widerstand kurz vor der Schockabgabe verändert, etwa wenn der Helfer den Patienten berührt, wird die Schockabgabe abgebrochen. Ergibt die Analyse des vorliegenden Herzrhythmus, dass kein Schock notwendig ist, so wird auch keiner ausgeführt.» Die Defibrillatoren seien deshalb auch für Laienhelfer geeignet, sagt Wyss weiter.

HINWEIS:
Die Karte mit den bestehenden und geplanten Standorten in Sursee »