NOTTWIL: Filmtrip in fremde Gefühlswelt

An der Leistungsschau Gwärb 17 werden 5000 Besucher erwartet. Eines der Highlights ist der Kinobus des Schweizer Paraplegiker-Zentrums. Er zeigt, wie ein Leben aus den Fugen geraten kann.

Ernesto Piazza
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Simone Leib, Mitarbeiterin des Paraplegiker-Zentrums, testet den Kinobus der Gewerbeausstellung. (Bild: Nadia Schärli (Nottwil, 22. Mai 2017))

Simone Leib, Mitarbeiterin des Paraplegiker-Zentrums, testet den Kinobus der Gewerbeausstellung. (Bild: Nadia Schärli (Nottwil, 22. Mai 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Noch wird im und um das Gebäude des Guido-A.-Zäch-Instituts gearbeitet. Es sind die letzten Handgriffe, bevor morgen die Gwärb 17 in Nottwil ihre Tore öffnet. «Wir werden bereit sein», verspricht Philipp Berger. Der OK-Präsident muss es wissen, war er doch in den letzten Tagen des Öfteren auf dem Ausstellungsgelände präsent. «Wir sind überzeugt, dass die drei Tage von Donnerstag bis Samstag für das lokale und das regionale Gewerbe zu einem Erfolg werden.» Über 60 Aussteller haben sich angemeldet. Die Organisatoren erwarten rund 5000 Besucher. Zudem werde ein reichhaltiges Rahmenprogramm für alle etwas Passendes bereithalten, betont Berger.

Morgen Donnerstag und am Freitag ist auch das Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) mit einem Kinobus dabei. Zu sehen ist ein ganz spezieller Film. Im «kleinsten Kino der Welt» sitzt jeweils nur ein Besucher in einem umgebauten Rollstuhl. Durch eine Virtual-Reality-Brille wird ihm das Leben aus der Sicht eines Querschnittgelähmten vor Augen geführt. Und zwar: der Rega-Transfer in die Notaufnahme des SPZ, dort auf den Operationstisch, weiter in die Intensivstation und die Rehabilitation, schliesslich zum Leben danach. Der Besucher fährt und fühlt im sich bewegenden Rollstuhl buchstäblich mit. Die Idee zu diesem Projekt stammt von Andreas Korner, Leiter Human Resources beim SPZ. Beim Besuch einer Fachmesse sei er in einem anderen Zusammenhang auf den «moving chair» gestossen. Im Gespräch vor Ort war der «fliegende Stuhl» dann plötzlich ein zentrales Thema. Daraus entstand später die Idee, diesen zum Kinobus zu erweitern.

Mit dieser Kampagne hofft Korner, «Menschen für das Thema Querschnittlähmung zu sensibilisieren und so Vakanzen einfacher besetzen zu können». Bis 2020 werden im SPZ nämlich in den Bereichen Operationssäle, Intensivstation, Pflege- sowie Ergo- und Physiotherapie rund 100 zusätzliche medizinische Fachpersonen benötigt. Davon sind 20 Lernende respektive Auszubildende. Hier will man «in eigener Regie» dem Mangel an Arbeitskräften entgegenwirken. Bis das Projekt flügge war, dauerte es ein Jahr. Die Stimmung am Set sei locker und kreativ gewesen, so Korner. «Dennoch war es nicht ganz einfach, die Komplexität des Themas sowie die Vielfalt der Schweizer Paraplegiker-Gruppe in einen Kurzfilm zu packen.»

Die ganze Produktion inklusive «moving chair» kostete das SPZ rund 30 000 Franken. Dieser nicht allzu hohe Betrag sei indes nur möglich gewesen, «weil wir uns stark eingeschränkt haben», sagt der HR-Leiter. Zudem wurde das Projekt von diversen Seiten finanziell unterstützt. Der Kinobus soll vor allem bei Fachmessen im Einsatz stehen. Mittlerweile würden sie aber sogar von Unternehmen eingeladen, diese Neuheit zu zeigen, sagt Korner. Weiter versucht man den Bekanntheitsgrad über die sozialen Netzwerke zu steigern.

Organisationskomitee will für «edles Ambiente» sorgen

Der Kinobus ist eine von verschiedenen Attraktionen an der Gwärb 17 in Nottwil. «Dafür arbeitete das Organisationskomitee während 18 Monaten intensiv», sagt Philipp Berger. Und man habe für den Anlass, welcher vor zehn Jahren letztmals durchgeführt worden war, auch den schönen Ort am See gewählt. Ein professioneller Standbauer soll zudem dafür sorgen, dass das Grundgerüst der Ausstellung «ein edles Ambiente» vermittelt.

Das Budget beträgt 130 000 Franken. Darin nicht inbegriffen ist die Festwirtschaft. Diese habe man an das SPZ ausgelagert, so Berger. Das Risiko der Gwärb 17 sei gut kalkuliert, ist der OK-Präsident überzeugt. Und er sagt, nach dem persönlichen Highlight gefragt: «Es gibt viele interessante Farbtupfer. Doch der Höhepunkt für mich sind die Eröffnungsfeierlichkeiten.» Dann falle auch der ganze Druck einer langen Vorbereitungszeit ab.

Hinweis

Alle Infos zur Nottwiler Gewerbeausstellung auf: www.gwaerb17.ch. Weitere Details zum Kinobus unter: www.paraplegie.ch/karriere