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NOTTWIL: Her die Stangen, ab in die Pfannen

Beat und Regula Kaufmann haben alle Hände voll zu tun: Ihre Spargeln schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Die Ernte startete so spät wie noch nie.
Evelyne Fischer
Beat Kaufmann (48) vom Sidlerhof in Nottwil – hier bei der Ernte vom Mittwoch – gehört zu den wenigen Spargelproduzenten im Kanton. (Bild Philipp Schmidli)

Beat Kaufmann (48) vom Sidlerhof in Nottwil – hier bei der Ernte vom Mittwoch – gehört zu den wenigen Spargelproduzenten im Kanton. (Bild Philipp Schmidli)

Evelyne Fischer

Schnitt. Schnitt. Schnitt. Im Sekundentakt verschwinden am Mittwoch die grünen Stangen. Routiniert gehen Regula und Beat Kaufmann sowie Lehrling Martin Wechsler durch die Spargelreihen. Alles, was 22 Zentimeter überragt – Baumschere plus eine Daumenlänge –, kommt weg. Schnitt. Schnitt. Schnitt. Es tönt, als ob eine Kuh ein Büschel Gras auszerren würde. Dazwischen Schritte. Die Trockenheit der letzten Tage hat in der Erde kleine Risse hinterlassen.

Der Sidlerhof der Kaufmanns befindet sich eingangs Dorf Nottwil. Die eine Seite des 20 Aren grossen Spargelfelds grenzt an die stark befahrene Kantonsstrasse, die andere an die rund 600 Bäume zählende Plantage: Kirschen, Zwetschgen, Aprikosen. Zwischen den Stämmen glitzert der Sempachersee.

10 Zentimeter pro Tag

Seit rund 30 Jahren werden hier Spargeln angebaut. «Wir haben die Tradition meiner Eltern weitergeführt», sagt Beat Kaufmann. Derzeit herrscht auf dem Sidlerhof Hochbetrieb. Bis zu 25 Kilo Spargeln verlassen diesen täglich. «Am liebsten auf telefonische Vorbestellung, dann müssen wir niemanden enttäuschen», sagt der 48-Jährige. Die Spargeln schiessen momentan in Rekordtempo in die Höhe – bis zu 10 Zentimeter pro Tag. «Man könnte ihnen beim Wachsen zuschauen», sagt Regula Kaufmann (50).

Die klimatischen Bedingungen waren in den letzten Tagen ideal: trockenes Wetter, Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad. Weniger gemütlich wars einige Wochen zuvor. «Der Kälteeinbruch machte uns Bauchweh. Was über der Erde war, drohte zu erfrieren», sagt Beat Kaufmann. Die Konsequenz der kalten und nassen Tage: Spargeln verkümmerten – und die Ernte ging erst vor einer Woche richtig los. «So spät wie noch nie», sagt Regula Kaufmann, die Tagebuch führt. Je kürzer die Einträge, desto ergiebiger der Ertrag. «Dann bleibt kaum Zeit zum Schreiben.».

700 Kilogramm Ernte pro Jahr

Die Erntetage beginnen in aller Herrgottsfrühe. Um 6 Uhr stehen sie auf dem Feld. Um 7 Uhr gibts Zmorge, Weiterschneiden bis zur Znünipause. Danach wird rund eine Stunde gerüstet. Heisst: Die Spargeln werden auf einem Förderband eingereiht. Die Maschine zwackt den Spargeln die Enden ab, stutzt sie auf Marktgrösse. Danach werden sie der Dicke nach sortiert, kommen als Bündel auf die Waage. Rund 700 Kilogramm ernten sie pro Jahr. «Über 80 Prozent setzen wir via Direktverkauf ab», sagt Beat Kaufmann. Der Rubel rollt. «Wer die Arbeit nicht scheut, kann mit Spargeln etwas verdienen.»

Das einheimische Gemüse ist gesucht. «Ich könnte problemlos die doppelte oder dreifache Menge absetzen», sagt Beat Kaufmann. Nur: «Zu dritt liesse sich dies nicht mehr stemmen. Sobald ich aber Löhne zahlen muss, bleibt hinten rechts nicht viel mehr als heute.» Erstklassspargeln verkaufen Kaufmanns für 15 Franken das Kilo. Regula Kauf­manns Serviertipp? «In Stücke schneiden, zwei- , dreimal in der Bratpfanne schwenken, dann lauwarm im Salat servieren.»

Ein untypischer Bauer

Bei Kaufmanns kommen Spargeln derzeit täglich auf den Teller. Nicht unbedingt zur Freude von Beat Kaufmann. «Ich bin kein Fan von Gemüse», sagt er. Und er fügt schmunzelnd an: «Regula schafft es trotzdem, mir täglich eine Portion unterzujubeln.» Mit seinen tätowierten Oberarmen, der Funktionskleidung und dem Handy im Hosensack entspricht der Nottwiler nicht gerade dem typischen Bild eines Bauern. Fällt der erste Schnee, ist Kaufmann bald über alle Berge. Für den leidenschaftlichen Freerider ist ein Saisonabo im Sörenberg ein Muss. Die 15 Mutterkühe bieten die nötige Flexibilität dafür.

Hofverkauf wichtiges Standbein

Auf dem 16 Hektaren grossen Hof hausen weiter: Hofhund Terry, zwei Katzen und sechs Alpakas. «Alles ausser gewöhnlich» scheint das Motto zu sein. «Ja, wir probieren schon gerne mal was Neues aus», sagt Regula Kaufmann. So reifen in ihrer Plantage auch Nektarinen und Pfirsiche, im Gewächshaus hat sie erstmals Pak Choi gepflanzt, einen vitaminreichen Superfood. Was sie nicht selber braucht, verkauft sie im Laden, wo auch Liköre und Branntweine feilgeboten werden. «Die Direktvermarktung macht mittlerweile wohl einen Viertel unseres Einkommens aus», sagt Beat Kaufmann. Musste dafür in den Anfängen das Auto aus der Garage weichen, existiert seit zwölf Jahren ein eigenes Hoflädeli. Klingelt die Kundschaft, piepst es bei Regula Kaufmann am Hosenbund. Dank ihrem Funkgerät ist sie sofort vor Ort. Egal, ob sie frische Beerenkonfitüre kocht oder wie am Mittwoch Spargelreihe für Spargelreihe nach schnittreifen Exemplaren durchforstet. «Noch bis Mitte Juni geben uns die Spargeln den Takt vor», sagt sie. «Dann heisst es: eine Woche durchatmen, bevor es mit den Kirschen losgeht.»

Auf 3,5 Hektaren Luzerner Spargel

Rund 11 300 Tonnen Spargeln werden hierzulande jährlich gegessen, 737 Tonnen davon liefern die 180 Schweizer Spargelproduzenten. Der Luzerner Spargel ist nach wie vor eine Rarität. Und dies, obwohl der Anbau von Grünspargel relativ unkompliziert ist. «Im Kanton Luzern wird auf zirka 3,5 Hektaren Grünspargel angebaut. Diese Fläche blieb in den letzten Jahren stabil», sagt Beat Felder vom Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung in Hohenrain. Kleinstmengen an angebauten Spargeln, die direkt vermarktet werden, seien allerdings nicht registriert.

Bleichspargel mag feine Böden

Der Grünspargel wird geerntet, wenn die Pflanzentriebe der Spargeln aus dem Boden ragen. Anders sieht es beim Bleichspargel aus, der gestochen wird, wenn er noch unter der Erde ist. Dafür brauchts laut Felder einen feinen, durchlässigen Boden. Und hier liegt der Grund, warum der weisse Spargel im Kanton kaum angebaut wird. «Der Boden hier ist für Bleichspargel zu kompakt. Ideal ist die feine Struktur von Lös- und Schwemmlandböden.»

Hinweis

Weitere Informationen unter www.sidlerhof.ch

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