NOTTWIL: «Ich werde jede Art von legaler Arbeit annehmen»

Die Asylbewerber im Bundeszentrum wissen, dass sie hier kaum eine Zukunft haben. Doch solange sie arbeiten können, bleibt Hoffnung. Wir haben sie bei einem Einsatz begleitet.

Roseline Troxler
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Äste schneiden: ein Asylbewerber aus Nottwil beim Arbeitseinsatz im Wald. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Äste schneiden: ein Asylbewerber aus Nottwil beim Arbeitseinsatz im Wald. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Im Wald zwischen Nottwil und Ruswil liegt noch immer viel Schnee. Das Thermometer zeigt unter null Grad an. Eine Gruppe von sechs Nigerianern ist gerade damit beschäftigt, die Bäume am Waldweg zurückzuschneiden. Bis in sechs Meter Höhe müssen die kleinen Äste abgetrennt werden. Dazu haben die Asylsuchenden zwei Leitern und Sägen zur Verfügung.

Die jungen Männer sind motiviert. «Es ist zwar kalt, aber das spielt keine Rolle», sagt einer. Sie sind gut eingepackt mit Mützen, Handschuhen und Schals. Ausserdem hätten sie sich etwas an die Kälte gewöhnt, erzählen die Männer, die im neu eröffneten Bundeszentrum für Asylsuchende in Nottwil leben. Dort werden Gesuchsteller untergebracht, welche nur geringe Chancen haben, in der Schweiz zu bleiben. Der Nigerianer Victor Oktorogu Noubuisu (30) sagt: «Ich mache mir keine Gedanken über die Zukunft. Solange ich arbeiten kann, geht es.»

«Ich bin ganz auf mich gestellt»

Die sechs Asylsuchenden sind über Italien in die Schweiz geflüchtet. Sie kamen mit dem Traum hierher, eine Arbeit zu finden. Denn in der Heimat Nigeria gebe es keine Perspektiven für sie. Ob noch weitere Gründe zur Flucht führten, wollen sie nicht erzählen. Noubuisu ist ohne Verwandte oder Bekannte in die Schweiz gekommen. Zu seiner Familie in Nigeria hat er im Moment keinen Kontakt. «Ich bin ganz auf mich gestellt.» Er sei mit der Hoffnung gekommen, dass seine Zukunft hier beginnt und er in der Schweiz arbeiten und studieren könne, sagt Noubuisu. Die jungen Männer hoffen durch den Zeitungsbericht auch auf zusätzliche Arbeit. «Ich werde jede Art von legaler Arbeit annehmen», sagt Noubuisus 32-jähriger Landsmann. Dank dem Arbeitseinsatz können die Asylbewerber ihr Taschengeld etwas aufbessern. Zusätzlich zum Taggeld von 12 Franken erhalten sie 10 Franken pro Tag für die Arbeit.

Klagen über das Essen

Die Atmosphäre unter den sechs Nigerianern ist entspannt. Dennoch hört man im Gespräch die Sorgen der Männer heraus. Sie kritisieren die Kommunikation der Behörden. «Wir wissen nicht, wann wir zurückgeschickt werden», sagt einer der Männer. Zudem sei das unterirdische Asylzentrum ungeeignet. «Viele haben Kopfschmerzen und Husten», erzählt ein Asylbewerber. Kritisiert wird teils auch das Essen. «Es tut mir nicht gut. Gerne möchte ich selber Brot kaufen, doch das kann ich nicht», sagt ein junger Mann. Ein anderer entgegnet: «Ich habe keine Wahl, deshalb ist das Zentrum für mich in Ordnung.» Generell findet Noubuisu: «Die Menschen in der Schweiz sind sehr nett.»

Zentrumsleiter Samuel Friedli sagt zur Situation in der Asylunterkunft in Nottwil: «Die Stimmung ist im Grossen und Ganzen gut.» In der Asylunterkunft in Nottwil werden aktuell 122 Gesuchsteller untergebracht. Die besondere Unterbringungssituation ohne Tageslicht könne bei den Asylsuchenden tatsächlich belastend wirken und führe tendenziell eher zu Spannungen. «Doch wir haben die Situation im Griff», erklärt Samuel Friedli. Allerdings: Die 22 Asylbewerber, die kurz nach der Eröffnung im Januar aus dem Zentrum ausgerissen sind, bleiben untergetaucht. Friedli vermutet, dass sie sich in andere Länder abgesetzt haben.

Renitente dürfen nicht arbeiten

Laut Samuel Friedli haben inzwischen mehrere Gemeinden angeklopft, um Arbeitsaufträge zu vergeben. Mögliche Einsatzgebiete sind neben Waldarbeiten auch das Verschönern von Bächen und Reinigungsarbeiten. Anfangs war das Interesse der Gemeinden gering. «Für viele Arbeiten hatte es zu viel Schnee», sagt Friedli. Nun sei das Angebot aber ausreichend.

Jeder wird allerdings nicht zum Einsatz zugelassen. «Asylsuchende können Arbeitseinsätze leisten, wenn sie bereits in der Unterkunft einen guten Reinigungs- oder Küchendienst geleistet haben», erklärt Friedli. Personen, welche sich nicht an die Regeln halten, würden nicht eingesetzt. Daniel Arnold, der den Arbeitseinsatz im Wald betreut, ist zufrieden mit seinen sechs Helfern: «Die Asylsuchenden haben die Arbeit letztes Mal so gut ausgeführt, dass der Förster sie heute wieder engagiert hat.»