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Paraplegikerzentrum bringt einen neuen Rennrollstuhl auf den Markt – und will damit auch den Alltag von Gelähmten erleichtern

Gemeinsam mit der ETH Zürich und anderen Partnern hat das Schweizer Paraplegikerzentrum einen neuartigen Rennrollstuhl entwickelt. An den paralympischen Spielen in Tokio wird er erstmalig zum Einsatz kommen. Die Erkenntnisse der Entwickler kommen auch Rollstuhlfahrer im Alltag zu Gute.

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Marcel Hug im GST Windkanal in Immenstaad am Bodensee.

Marcel Hug im GST Windkanal in Immenstaad am Bodensee.

Bild: PD

Orthotec, ein Subunternehmen der Schweizer Paraplegikerzentrum, ist spezialisiert auf Fahrzeugumbau für Gelähmte, Rehatechnik, Orthopädietechnik, Kontinenz- und Alltagshilfen sowie Rollstuhlsport. Nun hat das Unternehmen gemeinsam mit weiteren Schweizer Partnern wie etwa der ETH Zürich einen Rennrollstuhl entwickelt, der als erstes Produkt seiner Art von der Idee bis zum Endprodukt in der Schweiz geschaffen wurde.

«Wir sind stolz, dass wir mit unserer Kompetenz im Bereich Aerodynamik, Engineering und High-Tech-Fertigungsmöglichkeiten den Rollstuhlsport fördern können»,

wird der CEO Frédéric Vasseur von der Sauber Group, die auch an der Entwicklung beteiligt war, in einer Medienmitteilung zitiert. An der paralympischen Spielen in Tokio wird Marcel Hug mit dem Modell «OT FOXX M1» zugegen sein. Darüber hinaus haben die Hersteller noch ein anderes Modell lanciert. Dieses sei von der Grösse her noch vielseitiger an die Athletinnen und Athleten anpassbar.

Verbesserungen auch für Rollstuhlfahrer im Alltag

Das leichte Vollkarbon-Chassis des Rennrollstuhls wurde mit neusten Berechnungsmethoden aerodynamisch optimiert und im Windkanal der Sauber Group getestet. Dazu sorgen die aus dem Triathlonsport bekannten Veloräder von Swiss Side ebenfalls für geringen Luftwiderstand und hohe Stabilität. Jeder Rennrollstuhl wird spezifisch auf die Athleten angepasst. Dafür wird die ideale Sitzposition vorgängig in einem Simulator ermittelt, so auch bei Marcel Hug. Bald mit dieser Innovation an den Start zu gehen, löse schon einen gewissen Druck aus, meint er. «Das Material ist eine wichtige Komponente. Ein Garant für Erfolg ist es aber nicht. Hier ist meine sportliche Leistung gefragt, geschickte Taktik und das berühmte Quäntchen Glück», so Hug.

Die Erkenntnisse zur optimalen Sitzposition kommen auch den Rollstuhlfahrer im Alltag zu Gute. Die ständig gleichen Bewegungen zum Antrieb eines Rollstuhls belasten die Schultergelenke von Rollstuhlfahrerinnen. Stefan Dürger erklärt: «Die Methodik, die man einsetzt, um die optimale Position in einem Rennrollstuhl herauszufinden, kann auch für die Sitzposition für einen Alltagsrollstuhl angewendet werden, sodass die Schultergelenke entlastet werden.» In Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Schweizer Paraplegiker Stiftung entstand das sogenannte Ergometer, das die optimale Sitzposition im Rollstuhl ermittelt. Dadurch kann die Gesunderhaltung der Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer massiv verbessert werden. (zgc)