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NOTTWIL: Paraplegiker-Chef erhält bis Frühpension 91 000 Franken – Präsident der Vereinigung weist Kritik von sich

Der frühzeitige Abgang des umstrittenen Direktors der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung, Thomas Troger, hinterlässt offene Fragen. Dessen Chef, Zentralvorstandspräsident Christian Betl, weist Kritik von sich.
Alexander von Däniken
Christian Betl, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung. (Bild: PD)

Christian Betl, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung. (Bild: PD)

Interview: Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@luzernerzeitung.ch

Die Personalie sorgt spätestens seit Ende 2017 auch ausserhalb der in Nottwil ansässigen Schweizer Paraplegiker-Gruppe für Aufsehen: Thomas Troger, umstrittener Direktor der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV), wird nach Kritik wegen seines hohen Salärs und seiner Führungsqualitäten in die Frühpensionierung geschickt.

Nach und nach wird nun bekannt, zu welchen Konditionen der langjährige SPV-Direktor von seinem Amt entbunden wird. Kürzlich fand in Nottwil die Delegiertenversammlung der SPV statt. Dann verkündete der Zentralvorstand, dass Troger (Jahrgang 1961) bis zum ordentlichen Frühpensionierungsalter 60 pro Jahr 91 000 Franken erhält. Nun nimmt Christian Betl, Präsident des Zentralvorstands, Stellung.

Christian Betl, gemäss Communiqué der SPV erhält Thomas Troger bis zur ordentlichen Frühpensionierung 91000 Franken pro Jahr. Gehe ich richtig in der Annahme, dass dies für die Jahre 2019, 2020 und 2021 gilt?

Sobald der Nachfolger oder die Nachfolgerin die Stelle angetreten hat und eingeführt ist, erhält Thomas Troger bis zur offiziellen vorzeitigen Pensionierung mit 60 Jahren jährlich 91000 Franken ausgezahlt. Thomas Troger wird im Frühjahr 2021 60.

Auf welcher Basis erfolgt die Überbrückungszahlung?

Die frühzeitige Pensionierung geschieht auf Wunsch des Arbeitgebers. Die Vereinbarung dazu hat der Zentralvorstand der SPV zusammen mit der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) in Zusammenarbeit mit dem Bereich Human Resources der Schweizer Paraplegiker-Gruppe (SPG) erarbeitet.

Im Communiqué ist von einem «grosszügigen Entgegenkommen» von Thomas Troger die Rede. Erhält er also weniger Rente, als es die Pensionskasse vorsieht?

Wenn eine vorzeitige Pensionierung vom Arbeitgeber gewünscht wird, so sieht das Reglement der Pensionskasse der SPG Konditionen wie mit Pensionsalter 65 vor. Im vorliegenden Fall hat man sich auf Konditionen wie mit Pensionsalter 60 geeinigt. Das führt zu einer beachtlichen Renteneinbusse für Thomas Troger. Es gibt keine Abgangsentschädigung.

Wie sehen die Lohnbandbreiten für die SPV-Führungsetage konkret in Franken aus?

Wir wenden seit 2017 die durch die Schweizer Paraplegiker-Stiftung dem Zentralvorstand (ZV) der SPV vorgeschlagenen und durch den ZV akzeptierten Lohnbandbreiten an.

Was sagen Sie zum Vorwurf, seitens Zentralvorstand hat man betreffend Lohn des Direktors und der Kritik an dessen Führungsqualitäten zu lange zugeschaut?

Der Lohn von Thomas Troger basiert auf seiner Qualifikation und seinem hervorragenden Leistungsausweis. Das Gehalt wurde 2014 im Auftrag der SPS extern begutachtet und als in Ordnung befunden. 2017 hat die SPS eine weitere externe Beurteilung durchgeführt. Diese kam zu einem anderen Schluss. In der Folge hat die SPS Lohnbandbreiten definiert. Der Zentralvorstand hat danach in Absprache mit Thomas Troger und der SPS beschlossen, den Lohn schrittweise zu senken, damit er der entsprechenden Lohnbandbreite wieder entspricht.

Und die Führungsqualitäten?

Der ganze Zentralvorstand war stets mit seiner Leistung und seinen Führungsqualitäten sehr zufrieden. Die SPV hat unter seiner Führung hervorragend gearbeitet. Dies belegen einerseits die hervorragenden Ergebnisse der Umfragen bei den Mitgliedern, also den Querschnittgelähmten in der Schweiz, und andererseits der Gewinn des Swiss Arbeitgeber Awards 2016. Dass die Qualität der SPV-Angebote hoch ist, belegt die 5-Sterne-Auszeichnung der Organisation EFQM. Auch diese hat die SPV 2016 für ihr Qualitätsmanagement von «ESPRIX Excellence Suisse» erhalten. Ich bedauere Thomas Trogers Weggang sehr. Er will mit diesem Schritt erreichen, dass Ruhe einkehrt und die Organisation ihre wichtige Arbeit für die Querschnittgelähmten wahrnehmen kann.

Also können Sie die Vorwürfe nicht verstehen?

In Bezug auf das Salär haben wir innert kurzer Frist auf die neuen Erkenntnisse der Lohnstudie vom Sommer 2017 reagiert und die Lohnanpassung im Herbst bereits umgesetzt. Was Vorwürfe bezüglich der Führungsqualitäten anbelangt, nehmen wir Kritik ernst. Uns gegenüber in Erscheinung getreten sind «nur» eine Handvoll Kritiker. Wir haben versucht, mit diesen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das geschah beispielsweise in einer Mediation am runden Tisch mit allen Parteien. Wir sind aber der Auffassung, dass Kritik auf eine korrekte Art und Weise vorgebracht werden muss. Gegen Drohungen, Ehrverletzung, Rufschädigung und Nötigung setzen wir uns zur Wehr.

Wann soll ein neuer Direktor gefunden sein und zu welchem Lohn wird er angestellt?

Die Stelle ist ausgeschrieben. Die Evaluation macht die auf Kaderselektion spezialisierte Jörg Lienert AG. Wir rechnen damit, dass wir an der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 22. September 2018 einen Vorschlag unterbreiten können. Die Delegierten der Rollstuhlclubs müssen dann den Kandidaten definitiv wählen. Wann dieser danach beginnen kann, hängt von dessen Kündigungsfrist beziehungsweise seiner Verfügbarkeit ab. Sein Gehalt orientiert sich an den Lohnbandbreiten der SPS.

Sie betonen mehrfach, dass die Massnahmen stets in Zusammenarbeit mit der SPS erarbeitet oder umgesetzt worden sind. Überrascht Sie nun der zunehmende Druck der Stiftung?

Wir arbeiten seit jeher gut mit der Stiftung zusammen und haben nicht den Eindruck, dass da zunehmend Druck aufgebaut wurde oder wird.

Wird Thomas Troger auch künftig – in einer anderen Funktion – bei der SPV angestellt sein?

Sobald sein Nachfolger eingearbeitet ist, hat Thomas Troger keine Funktion bei der SPV mehr inne.

Hinweis

Christian Betl (46) ist seit 2003 im Zentralvorstand der SPV und leitet diesen seit 2010. Der Treuhänder mit eidgenössischem Fachausweis ist bei der Wirtschaftsprüferin KPMG tätig und Mitinhaber der BTL GmbH.

Das Interview musste schriftlich geführt werden.

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