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NOTTWIL: Paraplegiker-Stiftung steht Ärger bevor

Gegen die Leitung der Schweizer Paraplegiker-Stiftung wurde Strafanzeige eingereicht. Ein Makler spricht im Zusammenhang von Liegenschaftsverkäufen von Betrug.
Thomas Heer
Ein Transparent vor dem Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Ein Transparent vor dem Paraplegiker-Zentrum in Nottwil. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)

Thomas Heer

Die Strafanzeige ist datiert vom vergangenen 25. April. Und adressiert wurde das Schreiben an die Staatsanwaltschaft 3 des Kantons Luzern. Verfasst hat das Dokument ein Immobilienmakler aus der Zentralschweiz. Die möglichen Straftatbestände, die aufgelistet werden, lauten: Treuebruch, Missbrauch und Betrug.

Es geht um vier Liegenschaften

Die Staatsanwaltschaft wird daher aufgefordert, von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung (SPS) Kaufverträge anzufordern. Und zwar betrifft das jene Kontrakte, die zwecks Veräusserung von vier Wohn- und Geschäftsliegenschaften in Muhen im Kanton Aargau ausgestellt wurden. Ein Blick zurück zeigt Folgendes: Die SPS hat sich vor Monaten dazu entschlossen, neun nicht betriebsnotwendige Immobilien zu veräussern. Der Verkaufserlös wurde von der Zürcher Kantonalbank und einem Aargauer Immobilienspezialisten mit rund 20 Millionen Franken veranschlagt. Die SPS wird dieses Geld zur Finanzierung des Erweiterungs- und Erneuerungsbaus des Paraplegiker-Zentrums einsetzen.

240 000 Franken zu wenig?

Die Klinik hat hohen Erneuerungsbedarf. Dafür werden zirka 150 Millionen Franken aufgewendet, zum Beispiel für den Bau eines neuen Bettentraktes. Die mittlerweile veräusserten SPS-Liegenschaften befanden sich neben Muhen teils an bester Lage in den Städten Basel und Zürich sowie in der Gemeinde Bottmingen im Kanton Baselland. Zum Knatsch kommt es aber nun, wie bereits erwähnt, wegen der vier Immobilien in der Gemeinde Muhen. Sowohl der Immobilienmakler wie auch der kaufwillige Unternehmer bestätigen gegenüber der «Zentralschweiz am Sonntag», dass sie für die Aargauer Häuser ein Angebot in der Höhe von 6,35 Millionen Franken unterbreiteten. Zum Beweis sind der Strafanzeige mehrere Schriftstücke beigelegt, die diesen Sachverhalt untermauern.

Der Makler behauptet nun, zwischenzeitlich in Erfahrung gebracht zu haben, dass die vier Objekte in Muhen schlussendlich für lediglich 6,11 Millionen Franken veräussert wurden. Das würde einem Abschlag von 240 000 Franken gegenüber jenem Angebot entsprechen, das der klagende Makler respektive dessen Kaufinteressent der SPS im August 2015 vorlegte.

Verlust von Provisionsgeldern

Der Makler ist aufgrund seiner Abklärungen der Überzeugung, dass das Vermögen der Stiftung, welches von vielen tausend Gönnern alimentiert wird, «wissentlich gemindert» wurde. An den Staatsanwalt schreibt er dazu: «Das kann man getrost als ‹Leutverarscherei› bezeichnen.» Das sei auch der Grund, weshalb er Strafanzeige erstatte. Ein anderer dürfte sein, dass dem Liegenschaftsvermittler mit dem Nichtzuschlag ein sehr hoher Betrag an Vermittlungsprovision durch die Lappen ging. Das heisst konkret mehr als 120 000 Franken. Der Makler verlangt vom Richter zudem, dass auch die Kaufverträge der anderen fünf ehemaligen SPS-Liegenschaften angefordert werden.

Vorwürfe werden bestritten

Bei der Schweizer Paraplegiker-Stiftung blickt man dem Verfahren, von dem sie bisher keine Kenntnis hat, gelassen entgegen. Joseph Hofstetter, SPS-Direktor, schreibt: «Wir haben detaillierte Unterlagen zum Verkaufsprozess gegenüber der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht offengelegt. Diese hat die Unterlagen bereits letzten Herbst geprüft und grünes Licht für den Liegenschaftsverkauf gegeben.» Aus Sicht der Paraplegiker und der zahlreichen Spenderinnen und Spender bleibt zu hoffen, dass schlussendlich auch der zuständige Staatsanwalt zu einem für die SPS positiven Befund kommt.

Neben sehr vielen positiven Schlagzeilen sorgte das Paraplegiker-Zentrum respektive die Stiftung in der Vergangenheit aber auch immer wieder für negative Nachrichten. Unvergessen bleibt der Fall des einstigen SPS-Präsidenten Guido A. Zäch. Jener Arzt, der auch verantwortlich dafür war, dass das Paraplegiker-Zentrum in Nottwil überhaupt gebaut wurde und sich mittlerweile ein hohes Renommee erarbeitet hat, das weit über die Landesgrenzen hinaus reicht.

Geld in den Sand gesetzt

Aber eben: Guido A. Zäch beschäftigte zeitweilig auch die Justiz. So kam die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt im Juni 2003 zum Befund, dass Zäch im Zeitraum zwischen 1990 und 1999 als Präsident die SPS um viele Millionen Franken geschädigt habe. Einige Jahre später forderte das Bundesgericht Zäch dazu auf, eine Schuldanerkennung zu unterschreiben. Daher musste der Paraplegiker-Arzt der Stiftung insgesamt mehr als 900 000 Franken zurückzahlen.

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