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NOTTWIL: Privater Bahnschalter steht vor dem Aus

Die SBB streichen den Billettverkauf durch Dritte. Auch Nottwil ist betroffen. Der Gemeindepräsident will den bedienten Schalter aber nicht aufgeben.
Susanne Balli
Marie-Theres Murer gestern hinter dem Schalter des privat geführten Bahnhofs Nottwil. (Bild Pius Amrein)

Marie-Theres Murer gestern hinter dem Schalter des privat geführten Bahnhofs Nottwil. (Bild Pius Amrein)

«Der Entscheid der SBB ist schon etwas frustrierend», sagt Walter Steffen, Gemeindepräsident von Nottwil. Gestern haben die SBB bekannt gegeben, dass sie per Ende 2017 die Zusammenarbeit mit privaten Stationshaltern und den Vertriebspartner Valora, Post und Migrolino beenden. Diese Anbieter verkaufen im Auftrag der SBB Billette und bieten weitere Dienstleistungen wie Informationen rund um den öffentlichen Verkehr an. Betroffen sind schweizweit 52 Partner-Verkaufsstellen, davon 11 privat geführte Bahnhöfe (siehe Kasten).

1,5 Millionen Franken am Schalter

In der Zentralschweiz ist der Bahnhof Nottwil betroffen (Ausgabe von gestern). Seit 1993 wird er privat von der Interessengemeinschaft (IG) Bahnhof geführt. An der IG Bahnhof sind die Gemeinde Nottwil, das Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ, beide zu je 40 Prozent) und das Seminarhotel Sempachersee (20 Prozent) beteiligt. Laut Walter Steffen hat der Bahnhof Nottwil im letzten Jahr einen Umsatz von 1,7 Millionen Franken generiert – davon 1,5 Millionen Franken durch den persönlichen Kontakt am Schalter. «Es wurde also nur ein geringer Teil der Billette am Automaten gelöst. Drei Frauen teilen sich bisher ein Teilpensum von rund 90 Prozent und haben in den vergangenen Jahren viel Herzblut und Können in ihre Aufgabe gesteckt», sagt Steffen. Ein grosser Teil sei die Beratung von Kunden gewesen.

Zwar hat der privat geführte Bahnhof laut Steffen jährlich ein kleines Defizit eingefahren, das 2015 bei 23 900 Franken lag. «Das ist aber verkraftbar. Der Bahnhof erfährt bei der Bevölkerung eine grosse Wertschätzung», sagt Steffen. Die Gemeinde wolle in einem ersten Schritt mit dem SPZ und dem Seminarhotel zusammensitzen. «Wir werden uns Gedanken machen, wie wir eine Schliessung unseres bedienten Bahnhofs verhindern können.» Dabei schliesst er nicht aus, Politiker für das Anliegen zu gewinnen.

Auch beim SPZ bedauert man den Entscheid der SBB: «Wir haben ein grosses Interesse, unseren ambulanten Patienten, Besuchern und Mitarbeitenden ein möglichst gutes ÖV-Angebot zur Verfügung zu stellen», sagt René Künzli, Leiter Dienste SPZ. Dazu gehören auch die persönliche Beratung und die Möglichkeit einer Ansprechperson für Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung. «Speziell für unsere querschnittgelähmte Klientel bedeutet der Entscheid der Verlust des persönlichen Kontakts. Dadurch verschlechtert sich die Barrierefreiheit für diese Menschen», so Künzli.

«Kundenunfreundlich»

Karin Blättler von Pro Bahn Schweiz Sektion Zentralschweiz, der Interessenvertretung der Kundinnen und Kunden im öffentlichen Verkehr, sagt: «Uns befremdet der Entscheid der SBB. Er ist kundenunfreundlich.» Anstatt den Zugang zum ÖV zu verbessern, würden Dienstleistungen immer mehr auf die Zentren konzentriert. «Ein 0815-Billett kann man zwar am Automaten lösen, sobald es aber um spezielle Routen oder Billette geht, wird das sehr kompliziert», sagt sie.

Die SBB begründen ihren Entscheid damit, dass der Gesamtabsatz der Billettverkäufe über die Vertriebspartner in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken sei und zuletzt deutlich unter einem Prozent lag. Mit den Ausstieg aus dem Billettverkauf durch Dritte wollen die SBB Vertriebskosten von jährlich rund 5 Millionen Franken einsparen.

Elf private Bahnhöfe

Stationshalter. Die Stationshalter verkaufen das gesamte Billettsortiment der SBB und erhalten dafür Provisionen. Die SBB-Agenturen sind meist Einzelfirmen. Neben dem Bahnhof Nottwil sind zehn weitere Bahnhöfe von den Vertragsauflösungen betroffen: vier im Kanton Zürich, je zwei in den Kantonen Thurgau und Tessin und je einer in St. Gallen und Baselland. Die IG Stationshalter setzt sich für die Erhaltung der privat geführten Billettverkaufsstellen in Schweizer Bahnhöfen ein. Laut einer Mitteilung verlieren rund 30 Mitarbeiter ihre Stelle.

Susanne Balli

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