NOTTWIL: Rosa Zaugg und Marcel Hug ausgezeichnet

Rosa Zaugg aus Heimberg und Marcel Hug aus Nottwil sind die «Querschnittgelähmten des Jahres». Die beiden Rollstuhlfahrer wurden am Sonntag im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil geehrt.

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Rosa Zaugg und Marcel Hug sind die diesjährigen «Querschnittgelähmten des Jahres» (Bild: Astrid Zimmermann-Boog (Nottwil, 4. Dezember 2016))

Rosa Zaugg und Marcel Hug sind die diesjährigen «Querschnittgelähmten des Jahres» (Bild: Astrid Zimmermann-Boog (Nottwil, 4. Dezember 2016))

Die Schweizer Paraplegiker-Stiftung habe zum 24. Mal zwei Querschnittgelähmte geehrt, die in ihrem Leben Grossartiges geleistet haben und damit Vorbild für andere Betroffene seien, teilt die Stiftung mit.

Für die Auswahl verantwortlich war eine fünfköpfige Jury mit Daniel Joggi, Präsident der Schweizer Paraplegiker-Stiftung, Direktor Hans Peter Gmünder, Gründer und Ehrenpräsident Guido A. Zäch, Heinz Frei, Präsident der Gönner-Vereinigung und Stiftungsrat Erwin Zemp.

Rosa Zaugg

Es war ein Sturz vom Gerüst, der dem Leben der 19-jährigen Bernerin 1975 eine drastische Wendung verlieh. Nach der Rehabilitation in Basel, wo sie Guido A. Zäch kennenlernte, beendete sie erfolgreich ihre Lehre als Malerin. Daneben engagierte sie sich schon bald in der gesamten Schweiz für die Stiftung und mobilisierte zusammen mit anderen Betroffenen bei öffentlichen Auftritten Gönner für die Stiftung. Sport war für Rosa bereits früh ein wichtiger Ausgleich. Dieser steckte noch in den Anfängen; so wog ein Rollstuhl durchschnittlich 34 kg. Motiviert durch Rollstuhlsportler wie Heinz Frei, Franz Nietlispach oder Rainer Küschall nahm sie zwischen 1980 und 1992 viermal an paralympischen Spielen teil. Beim ersten Mal noch in der Kategorie Rollstuhl-Slalom, wechselte sie danach ausserordentlich erfolgreich in die Kategorie Tischtennis. Unermüdlich war und ist Rosa Zauggs Engagement weit über den sportlichen Rahmen hinaus. So hat sie am ersten Hotelführer für Rollstuhlfahrer mitgearbeitet, sich für die erste rollstuhlgängige Sauna in der Schweiz eingesetzt. 1992 übernahm sie die Betreuung von vier somalischen Flüchtlingskindern, zu welchen sie bis heute guten Kontakt pflegt. Mit ihrer Devise «Aussergewöhnliches möglich machen» habe sie viel und Markantes bewegt, ehrte Guido A. Zäch die bald 60-Jährige in seiner Rede.

Marcel Hug

Seit 20 Jahren ist er sportlich aktiv, dabei ist Marcel Hug dieses Jahr erst dreissig geworden. Der Thurgauer, als jüngster von vier Buben auf einem Bauernhof in Pfyn aufgewachsen, gehörte von klein auf immer mit dazu – stets mit Rollstuhl wegen des Geburtsgebrechens Spina Bifida. Als erster Rollstuhlfahrer besuchte Marcel Hug die Sportschule Kreuzlingen, wo er den Sport und die Ausbildung zum Kaufmann perfekt in Einklang bringen konnte. Mit nur gerade 18 Jahren holte Marcel Hug an den Paralympics in Athen 2004 eine Silber- und eine Bronzemedaille – und im Nachgang den Titel als Nachwuchssportler des Jahres. 2010 entschied sich der Ostschweizer, ganz auf den Sport zu setzen und startete seine Profikarriere. Nach zwei Silbermedaillen an den paralympischen Spielen in London erkämpfte sich Marcel Hug schliesslich diesen Sommer in Rio Gold über 800m sowie in der Königsdisziplin, dem Marathon. «Er ist das internationale Aushängeschild der Schweizer Rollstuhlleichtathletik und dank seiner Medienpräsenz ein wichtiger Botschafter für Anliegen der Schweizer Paraplegiker-Stiftung. Und für junge Nachwuchssportler ist ‹Mäsi› mit seinem Ehrgeiz und seiner Bescheidenheit, die er trotz all seiner Erfolge behalten hat, ein grossartiges Vorbild», so Laudator Heinz Frei.

pd/rem