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An dieser Puppe üben Ärzte in Nottwil den Notfall

Beim Paraplegiker-Zentrum in Nottwil sind moderne Simulationsräume eröffnet worden. Damit können Ärzte oder Rettungssanitäter Operationen und andere Szenarien nachstellen. Die Übung scheint real – die Puppen können sogar bluten.
Niels Jost
Diese Hightech-Puppe kann atmen, schwitzen, bluten und sogar auf Medikamente reagieren. (Bild: Pius Amrein, Nottwil 4. September 2018)

Diese Hightech-Puppe kann atmen, schwitzen, bluten und sogar auf Medikamente reagieren. (Bild: Pius Amrein, Nottwil 4. September 2018)

Man kommt sich vor wie in einem Verhörzimmer der Polizei. In drei Ecken des Operationssaals sind Kameras auf die Besucher gerichtet, Mikrofone sind installiert, und ein grosser, verdunkelter Spiegel lässt erahnen, dass sich dahinter Personen befinden, die jeden einzelnen Schritt und jede Bewegung überwachen.

Ein Verbrechen wird hier zwar nicht aufgelöst, das Setting ist allerdings nicht weniger ernst. In zwei neuen Simulationsräumen am Campus des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil können Ärzte oder Rettungssanitäter verschiedene Ausnahmesituationen nachstellen und üben. Zum Beispiel: Was ist zu tun, wenn der Patient mitten in einer Operation einen Herzstillstand erleidet? Was geschieht, wenn plötzlich der Strom ausfällt? Wie gestresst reagiert das OP-Team?

Puppe reagiert auf Medikamente

10 bis 15 Minuten dauert eine Übung. Dank modernster Technik wirkt diese durchaus real, wie die gestrige Vorführung veranschaulichte. So befinden sich im Operationssaal respektive in der Intensivstation echte Beatmungsgeräte, ein Operationstisch sowie Monitoren, welche die Herzfrequenz oder den Blutdruck des Patienten anzeigen. Und dieser Patient – eine Puppe – kann weit mehr als jene Puppen, welche man etwa aus dem Nothelferkurs kennt: Sie kann schwitzen, atmen, sprechen, bluten und sogar auf verabreichte Medikamente reagieren. Gesteuert und überwacht wird sie durch den Übungsleiter, welcher hinter dem abgedunkelten Spiegel sitzt.

Fast real: So trainieren Ärzte und Rettungssanitäter

«Das hier sind die modernsten Simulationsräume der Schweiz», schwärmt Helge Regener. Er ist Geschäftsführer von Sirmed, dem Schweizer Institut für Rettungsmedizin, welches seinen Sitz beim Campus in Nottwil hat. Sirmed ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung und Tochtergesellschaft der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und betreibt die beiden Simulationsräume. Dazu gehören auch zwei Kontrollräume sowie ein Sitzungsraum. Gelegen sind sie in einem nun eröffneten Neubau nahe der Hauptstrasse. Die Kosten für den Bau des Gebäudes betrugen rund 2,5 Millionen Franken, die Einrichtung eine halbe Million. Eine Investition, die sich lohnt. «Rettungssanitäter und Spitalpersonal aus der ganzen Schweiz und aus Europa werden hier ausgebildet», so Regener.

Vom Überwachungsraum aus kann der Übungsleiter den «Patienten» steuern. (Bild: Pius Amrein, Nottwil 4. September 2018)

Vom Überwachungsraum aus kann der Übungsleiter den «Patienten» steuern. (Bild: Pius Amrein, Nottwil 4. September 2018)

Ein halbes Dutzend Simulationszentren in der Schweiz

Solche Ausbildungen kennt man in der Medizinbranche schon längst. Sie dienen der Qualitätssicherung und der Fehlervermeidung. In der Schweiz gibt es rund ein halbes Dutzend Simulationszentren, die meisten gehören allerdings grossen Spitälern. Kleinere und mittelgrosse Institutionen können sich eine solche Infrastruktur hingegen nicht leisten. Sirmed bildet deren Personal deshalb schon lange vor Ort aus. Allerdings mussten die 24 Festangestellten die Schulungsmaterialien immer extra aufbauen. «Spitäler mussten dann beispielsweise eine Ambulanz oder einen Operationssaal für die ganze Übung frei halten. Nun kann das Personal die Ausbildung ganz einfach bei uns durchführen», sagt Kai Kranz, Leiter Crisis Resource Management von Sirmed.

Neben diesen klinischen Simulationen bietet Sirmed auch Übungen im Freien an. In Nottwil stehen hierfür extra ein Auto, ein Töff, Velos, ein Originalmodell eines Rega-Helikopters sowie ein Ambulanzfahrzeug zur Verfügung. Das Übungsumfeld soll möglichst real wirken.

Bei Patientenübergabe passieren die meisten Fehler

Die eigentliche Arbeit beginnt allerdings erst nach den Übungen. Während rund 45 Minuten besprechen die Rettungssanitäter oder das Spitalpersonal das durchlebte Szenario. Weil die ganze Übung gefilmt wird und die Computer alle Daten aufzeichnen (verabreichte Medikamente, Herzschlag oder Puls), kann jeder einzelne Arbeitsschritt genau analysiert werden. «Fehler treten am häufigsten dann auf, wenn zwei unterschiedliche Teams zusammenarbeiten, also wenn ein Patient zum Beispiel von den Rettungssanitätern dem OP-Team übergeben wird», sagt Helge Regener. «Dass jemand nicht weiss, was er in einer Krisensituation zu tun hat, kommt selten vor. Das ist ein gutes Zeichen.»

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