NOVUM: Jungunternehmer entwickeln 3-D-Spiel

Es soll das erste grosse Computerspiel aus Schweizer Hand werden, realisiert von Luzernern. Noch fehlt eine halbe Million Franken.

Guy Studer
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Bildgewaltig und actionreich: So soll das 3-D-Computergame «Run for Money» daherkommen. (Bild: PD)

Bildgewaltig und actionreich: So soll das 3-D-Computergame «Run for Money» daherkommen. (Bild: PD)

Bis zu fünf Figuren steuert der Spieler durch die fiktive Stadt Tanestown. Ihr Ziel: einen bestimmten Diebstahl durchführen – im Stile des Hollywoodfilms «Ocean’s Eleven». Dazu kann der Spieler seine Charaktere wählen und sie mit bestimmten Werkzeugen ausstatten. Das Spiel namens «Run for Money» erfordert Taktik, bietet aber jede Menge Unterhaltung – wie das viele bekannte Computergames eben tun.

Speziell daran: Es wird von der Luzerner Firma Dream-Design AG entwickelt und kommt in dreidimensionaler Grafik daher. Das ist in der Schweiz einmalig, wie Geschäftsführer Stephan Meier (27) erklärt: «Zwar gibt es bereits 3-D-Simulationen aus der Schweiz, das sind aber keine Games im klassischen Sinne», ausserdem würden diese nur eine sehr kleine Klientel ansprechen. «Unser Spiel bietet alles – über Strategie, Animation bis zu Action. Und es soll ein breites Publikum ansprechen. So etwas gibt es meines Wissens noch nicht aus Schweizer Hand.» Vorgesehen ist das Spiel für die gängigen Computerbetriebssysteme PC, Mac und Linux.

Privater Investor bezahlt Start

Einziger Haken: Das Projekt kostet viel Geld. Eine halbe Million Franken sind nötig, um das Game zu vollenden und dieses auf den Markt zu bringen. «Bisher können wir glücklicherweise auf einen privaten Investor zählen», sagt Meier. Damit sei bereits das Fundament des Spiels entwickelt worden.

Um die noch nötigen Mittel aufzutreiben, setzt die Firma Dream-Design nun auf Crowdfunding. Auf einer Internetseite können Interessierte Geld für das Projekt spenden. Bis zum 31. Januar sollen die nötigen 500 000 Franken beisammen sein. In der Testphase während der Festtage sind bisher knapp 2000 Franken eingegangen. «Es ist sicher ein schwieriges Unterfangen», sagt Meier. Vor allem, weil seine Firma aus der Schweiz sei, dazu neu und unbekannt. Gegründet wurde sie im Sommer 2011 mit dem Zweck, dieses Computerspiel zu entwickeln. Um möglichst gute Chancen zu haben, sammelt Dream-Design über die weltweit grösste Crowd­funding-Plattform Kickstarter. «Andere Firmen haben innert 30 Tagen mehrere Millionen Franken gesammelt», sagt Meier. So gesehen habe sein Projekt schon Chancen.

Crowdfunding habe allerdings nicht nur den Zweck, das Geld zusammenzubekommen. «Es dient auch dazu, das Projekt bekannt zu machen», so Meier. Der Spender, der ja auch Kunde sei, bekomme so die ganze Entwicklung mit und könne auch Einfluss darauf nehmen. «Dadurch ist die Chance grösser, dass das Produkt am Ende von einem breiten Segment akzeptiert wird.» Wichtiges Detail übrigens: Wer Geld spendet, bezahlt nur, wenn das Ziel, also die halbe Million, auch erreicht wird. Erst dann wird das Geld vom Konto des Spenders abgebucht, ansonsten nicht.Ob das Game auch entwickelt werden kann, wenn das Geld via Crowdfunding nicht zusammenkommt, ist laut Meier schwierig zu sagen. «Denn wir wüssten dann auch nicht, ob es auf dem Markt überhaupt erwünscht ist.»

Viel Know-how, keine Firmen

Meier hat allerdings nicht nur vor, ein Spiel auf den Markt zu bringen. Seine längerfristige Absicht: «Wir wollen auch auf unternehmerischer Ebene einen Game-Entwicklungszweig in der Schweiz aufbauen.» Es gebe zwar schon einige Spielentwicklungsfirmen in der Schweiz, die seien aber eher klein. Gleichzeitig sei das Know-how jedoch vorhanden, denn an den Schweizer Hochschulen würden junge Leute in Animation, Video und Gamedesign ausgebildet. Die Firma ­Dream-Design mit Sitz an der Neustadtstrasse in Luzern hat vier junge Mitarbeiter. Stephan Meier hat 2011 das Bachelorstudium in Informatik an der Hochschule Luzern abgeschlossen. Zwei weitere Mitarbeiter haben ebenfalls in Luzern studiert, und zwar Musik und Illustration. Ein weiterer hat in Zürich Gamedesign studiert.

Reto Vogt, Redaktor der Schweizer Zeitschrift «PC-Tipp» und Kenner der Branche, gibt Meier in einem Punkt Recht: «Mir fällt spontan kein Spiel dieser Art ein, das in der Schweiz entwickelt wurde.» Vor allem Spiele und Apps für Smartphones würden hierzulande erfolgreich produziert. «Entwickler von Games für PCs oder Konsolen gibt es kaum.»

Experte sieht wenig Chancen

Ob das hoch gesteckte Ziel des Luzerner Start-ups, eine halbe Million Franken für die Fertigstellung von «Run for Money» zu sammeln, realistisch sei, da ist Vogt skeptisch: «Das ist schon sehr ambitioniert. In der Schweiz scheint mir das fast unrealistisch.» Das Projekt an sich lobt der Experte: «Ich finde es cool, dass es so was in der Schweiz gibt, und wenn sich genug interessierte Leute finden, könnte das Projekt auch Erfolg haben.»

Hinweis

Mehr Infos über die Firma und das Projekt: www.dream-design.ch, www.runformoney.com