«Nun habe ich einen guten Grund, mal nicht zu tanzen»

Das andere Interview: heute mit Daniel Medici, Präsident Lozärner Fasnachtskomitee

Alexander von Däniken
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LFK Präsident Daniel Medici. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

LFK Präsident Daniel Medici. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Wenn sich die Luzerner Fasnächtler am Donnerstag ins bunte Treiben stürzen, behält er mit militärischer Disziplin die Fäden in der Hand: Daniel Medici (46), diesjähriger Präsident des Lozärner Fasnachtskomitees (LFK), Oberst im Militär und Immobilienunternehmer. Er bezeichnet sich trotz seines Amtes nicht als Köfferli-Fasnächtler – obwohl seine Agenda mehr Fasnachtstermine enthält, als er einhalten kann.

Daniel Medici, noch drei Mal schlafen bis zum Urknall. Wie gross ist Ihre Vorfreude?

Daniel Medici: Ich freue mich riesig. Mit dem Urknall endet die Phase von Organisation und Planung. Und es beginnen die rüüdig-verreckten Fasnachtstage mit reichlich Anarchie, der auch ich ab und zu erliegen werde.

Wenn Sie in Ihre im Köfferli liegende Agenda schauen: Wie viele offizielle Fasnachtstermine sind da eingetragen?

Medici: Da muss ich kurz nachschauen. Etwa 25 Termine sind es schon.

Was, so viele?

Medici: Ja, aber wenn ich zum einen oder anderen Termin zu spät erscheine oder wenn ich einen Termin sausen lasse, wird mir das sicher verziehen.

Wann bricht der Köfferli-Fasnächtler aus und stürzt sich frei ins Getümmel?

Medici: Ich verstehe mich überhaupt nicht als Köfferli-Fasnächtler. Ich bin ein Huerenaff durch und durch. Schliesslich bin ich seit 1990 bei der Zunft zu Safran engagiert. Spätestens wenn der Urknall ertönt, stehen auch bei mir die ungezwungene Begegnung und der Spass im Vordergrund.

An der letztjährigen Fasnacht ist Ihr Grend gestohlen worden. Haben Sie für dieses Jahr eine Kette mitsamt Vorhängeschloss gekauft, oder verzichten Sie auf den Grend und schminken sich stattdessen?

Medici: Ich habe mir ein Zahlenschloss gekauft. Hoffentlich werde ich die Kombination nicht vergessen. Ausserdem stellt mir das LFK ein paar Bodyguards zur Seite, die auf mich und meine Habseligkeiten aufpassen. Zum Thema Schminken: Das ist besser als unverkleidet an der Luzerner Fasnacht zu erscheinen, aber unpassender als ein Grend, auch wenn dieser noch so klein ist.

Ihr Grend wurde gestohlen, während Sie mit Ihrer Frau Katharina getanzt haben. Ist Tanzen an der Fasnacht für Sie jetzt tabu?

Medici: Tabu nicht gerade. Aber es ist ein guter Grund, um mal nicht tanzen zu müssen. Ich habe zwei linke Füsse. Das merkt man nur nicht, wenn meine Frau mich führt.

Sie sind Oberst im Militär. Dieses Jahr trifft also eine anarchische Fasnacht auf ein hart geführtes Regime. Ein Widerspruch?

Medici: Ein bisschen. Für fünf Tage ist das sicher zu verschmerzen. Oder nicht?

Freuen sich die Huerenaffen im LFK bereits auf das Ende Ihrer Regentschaft?

Medici: Ich glaube schon. Es gibt das militärische Credo mit den drei K: kommandieren, kontrollieren, korrigieren. Mir ist bezüglich meines Führungsstils schon eine Abwandlung zu Ohren gekommen: kommandieren, kommandieren, kommandieren. Und das ist ja erst der Anfang der drei K.

Wenn Sie Stadtrat wären, was wäre eine Ihrer ersten Anordnungen?

Medici: Die Pflichtteilnahme für den Stadtrat am LFK-Empfang. Dieses Jahr liess sich der Stadtrat bloss in Form von Pappkartonfiguren blicken. Das verstehe ich nicht. Die nehmen doch sonst ja auch an jeder «Hundsverlochete» teil.

Ihr Motto für die Fasnacht lautet: «Mit Herz und Verstand». Wo werden wir das am meisten zu spüren bekommen?

Medici: Das ist nicht mein persönliches Motto, sondern ein bisher loser Leitgedanke der Vereinigten Guuggenmusigen, der Kult-Ur-Fasnächtler und des LFK. Es ist als Botschaft an die Fasnächtler zu verstehen: Seid mit vollem Herzen dabei, schaltet aber den Kopf nicht aus!

Da wir gerade beim Kopfausschalten sind: Holdrio oder Bier?

Medici: Das kommt auf die Temperatur an. Da es jetzt wieder kälter wird, würde ich mir die Wahl stellen: Häxetee oder Kafi Huerenaff?

Grillwurst oder Fasnachts-Chüe­chli?

Medici: Ganz klar Grillwurst. Das ist die etwas gesündere Wahl und macht nicht süchtig. Ausserdem hat die Wurst einen kleineren Umfang als das Fasnachts-Chüechli, was sicher auch für den eigenen Körperumfang besser ist ...

Sie appellieren für «Fairplay unter den Fasnächtlern». Welche groben Fouls gehen gar nicht?

Medici: Ich verurteile jegliche Form von Gewalt und Belästigungen. Und was ebenfalls überhaupt nicht geht, sind Diebstähle. Wo kommen wir denn hin, wenn Musiker ihr Sousafon mit Veloschlössern sichern müssen? Und wenn weiter Grende geklaut werden, dann sehen wir uns gezwungen, «Tatort»-Kommissar Reto Flückiger darauf anzusetzen.