Nun rücken Schottergärten auch im Kanton Luzern ins Visier der Politik

SP-Kantonsrätin Meta Lehmann fordert in einem Vorstoss Massnahmen gegen Schottergärten. Der Hauseigentümerverband begrüsst eine Sensibilisierung, sieht aber die Gemeinden im Lead und nicht den Kanton.

Roseline Troxler
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Steingärten liegen im Trend.

Steingärten liegen im Trend.

Symbolbild: Stefan Kaiser

Schottergärten sind immer mehr Gemeinden ein Dorn im Auge. Einige Kommunen prüfen gar ein Verbot solcher Steingärten (wir berichteten).

Auch im Kanton Luzern trifft man in vielen Quartieren auf Schottergärten. Nun fordert SP-Kantonsrätin Meta Lehmann (Oberkirch) in einem Postulat mehr Sensibilisierung. Die Ökonomin rückte vergangene Woche ins Kantonsparlament nach. Dies ist ihr erster Vorstoss. Auf Anfrage sagt sie: «Nachdem sich die Regierung im Kanton Solothurn gegen Schottergärten ausgesprochen hat, will ich dieses wichtige Thema auch im Kanton Luzern einbringen. Vielen fehlt das Verständnis, dass solche Gärten das Siedlungsgebiet aufheizen und der Artenvielfalt schaden.» Es brauche einen Anstoss durch den Kanton.

Eigentümer sollen sich mehr Gedanken machen müssen

Lehmann schlägt vor, dass der Kanton mit Merkblättern und Veranstaltungen sensibilisiert und die Umgebung seiner Bauten naturnah gestaltet. Sie unterstreicht aber:

«Wir sind nicht für ein Verbot von Schottergärten.»

Eigentümer sollen sich laut Lehmann mit einem Zwischenschritt wie einer Bewilligungspflicht, die der Kanton prüfen soll, jedoch mehr Gedanken machen müssen. Lehmann engagiert sich auch als Co-Präsidentin der Arbeitsgruppe Naturnahe Umgebungsgestaltung der Stadt Sursee für naturnahe Gärten.

Als positives Beispiel bei der Gartengestaltung nennt Lehmann die Gemeinde Horw, die einen bestimmten Anteil an einheimischer und naturnaher Pflanzung vorschreibe. Ausserdem hat der Horwer Gemeinderat vor einem Jahr eine Motion von Einwohnerrat Lukas Bucher (L20) zu Schottergärten als Postulat entgegengenommen. Bauvorsteher Thomas Zemp zeigte Bereitschaft, Massnahmen zu prüfen. «Wir setzen dabei aber primär auf Aufklärungsarbeit und nur sekundär auf gesetzliche Regulierungen», sagte er damals.

Hauseigentümerverband ist gegen ein Verbot

Zurück zur kantonalen Politik: Armin Hartmann präsidiert den Hauseigentümerverband HEV Luzern und sitzt für die SVP im Kantonsrat. Zu den Forderungen sagt er auf Anfrage: «Wir unterstützen Bestrebungen, von solchen Steingärten wegzukommen und sensibilisieren unsere Mitglieder dementsprechend.» Denn Steingärten seien für die Biodiversität durchaus negativ. Hartmann meint aber:

«Eine Bewilligungspflicht oder gar ein Verbot sind der falsche Ansatz und führen zu unnötiger Bürokratie.»

Ausserdem seien Bewilligungen Sache der Gemeinden und nicht des Kantons. Für Hartmann ist klar: «Ein Entscheid für oder gegen einen Schottergarten soll weiterhin auch im Ermessen des Eigentümers liegen.»

«Schottergärten sind nach wie vor sehr beliebt»

Wie schätzt ein Gartenbauexperte das Thema ein? Rafael Mattmann ist Geschäftsführer und Inhaber der Mattmann Gartenbau GmbH in Ebikon. Er bestätigt: «Schottergärten sind nach wie vor sehr beliebt, wenn auch nicht mehr gleich gefragt wie vor fünf Jahren.» Die Nachfrage führt er etwa auf den erwarteten Pflegeaufwand zurück.

«Viele Hausbesitzer denken, dass ein Schottergarten wenig Pflege benötigt. Doch das stimmt bloss für die ersten paar Jahre.»

Danach bilde sich Biomasse aus Blättern und Staub. Die Steine müssten abgetragen und das unterlegte Vlies ersetzt werden. «Der Aufwand ist daher grösser als bei einer Pflanzung, wo er vor allem zu Beginn anfällt.»

Wie Meta Lehmann erachtet auch Rafael Mattmann Schottergärten als problematisch: «Die Artenvielfalt leidet durch die Steinwüste, Schottergärten heizen die Umgebung auf und das Vlies gibt Mikroplastik an die Umgebung ab.» Der Gartenbauer zeigt seinen Kunden jeweils Alternativen auf: «Ein Alpengarten, der mit Steinen und Pflanzen die alpine Landschaft nachahmt, ist zwar arbeitsintensiv, aber ein grosser Mehrwert.»

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