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Das Duell um den freien Sitz

Wer übernimmt den Sitz der nach einem Knatsch im Gemeinderat zurückgetretenen Sozialvorsteherin von Buchrain? Petra Kieliger (CVP) oder Stephan Betschen (FDP) - die Newcomerin oder der Politerfahrene? Am 10. Juni wird die Entscheidung gefällt.
Roman Hodel
Da wollen beide hin: Petra Kieliger und Stephan Betschen vor dem Gemeindehaus. (Bild: Corinne Glanzmann / Buchrain, 24. Mai 2018)

Da wollen beide hin: Petra Kieliger und Stephan Betschen vor dem Gemeindehaus. (Bild: Corinne Glanzmann / Buchrain, 24. Mai 2018)

Es war nicht ganz einfach, einen Termin für das gemeinsame Interview zu finden, haben Sie beide überhaupt Zeit für das Amt des Sozialvorstehers, offiziell 25 Prozent?

Petra Kieliger: Selbstverständlich. Ich arbeite 60 Prozent als Fachspezialistin bei der CSS Versicherung, würde im Fall einer Wahl aber reduzieren.

Stephan Betschen: Ich verfüge über die notwendige Zeit. Meinen Job als Leiter Informatik und Organisation bei der Firma Aleris Switzerland habe ich bereits Anfang Jahr auf 80 Prozent reduziert – obwohl da noch nicht klar war, dass der Sitz frei wird. Bei einer Wahl würde ich nochmals reduzieren.

Warum sollen die Buchrainer Sie, Frau Kieliger, als Sozialvorsteherin wählen?

Petra Kieliger: Ich arbeite seit 20 Jahren im Sozial- und Gesundheitswesen. Ursprünglich habe ich Pflegefachfrau gelernt, ich habe im Spital sowie im Altersheim und bei der Spitex gearbeitet. Mein Fachwissen in diesem Gebiet ist gross. Zudem bin ich 41 und fit im Geist, eine neue Herausforderung anzutreten. Mit meiner Wahl bliebe überdies die Sitzverteilung im Gemeinderat ausgewogen bei 2 Mal CVP, 2 Mal FDP und 1 Mal SP – und wir wären weiterhin zwei Frauen. Zwei Dinge, die mir und meiner Partei sehr wichtig sind.

Und warum sollen die Buchrainer Sie wählen, Herr Betschen?

Gemeinderatswahlen sind Personenwahlen. Es geht bei dieser Wahl weniger um die Parteien und das Geschlecht, sondern um die richtige Person. Gefragt ist jemand, der sich in der Politik auskennt, Führungserfahrung hat und im Dorf verankert ist. Das alles bringe ich mit. Ich bin seit 1990 bei der FDP Buchrain Mitglied und war in vier verschiedenen Kommissionen tätig. Ich habe eine leitende Position im Job und engagiere mich im Dorf in verschiedenen Vereinen.

Trotzdem finden manche Buchrainer, Sie könnten sich auf die nächsten Gesamterneuerungswahlen gedulden.

Stephan Betschen: Die Vakanz besteht jetzt und ich bin jetzt bereit Verantwortung zu übernehmen und die Gemeinde aktiv mitzugestalten.

Die jetzige Sozialvorsteherin Sandra Gerber (CVP) verlässt das Amt nach nur zwei Jahren. Zwischen ihr und dem restlichen Gemeinderat war es zum Zerwürfnis gekommen. Schreckt Sie beide das nicht ab?

Petra Kieliger: Nein. Die Details sind mir zwar nicht bekannt, doch ich kenne meine Qualifikationen. Letztlich bin ich ein anderer Mensch als Sandra Gerber und vergleiche mich deshalb nicht mit ihr.

Stephan Betschen: Auf mich wirkt dies ebenfalls nicht abschreckend. Solche Situationen gibt es in der Politik und in der Wirtschaft immer wieder. Man muss beide Seiten kennen, analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Ich bin mich gewohnt in Teams konstruktiv mitzuarbeiten.

Herr Betschen, im Gegensatz zu Frau Kieliger, die seit 20 Jahren im Sozial- und Gesundheitswesen arbeitet, kommen Sie aus dem IT-Bereich. Wo sind denn Ihre Berührungspunkte mit dem Sozialwesen?

Stephan Betschen: Ich war über 10 Jahre in einem Pharma- und Medizinalunternehmen tätig. Ich kenne diese Branche sehr gut. Zudem war ich Mitglied der Kommission Altersleitbild Buchrain und der Kommission Vorprojekt Ausbau Alterszentrum Tschann. Die Alterspolitik kenne ich sehr gut. Und das Amt des Sozialvorstehers ist in erster Linie strategisch. Es geht darum, die Weichen richtig zu stellen.

Petra Kieliger: Ich gehe mit dir einig, dass es ein strategischer Job ist. Trotzdem könnte ich mir aufgrund meines Fachwissens kein anderes Amt innerhalb des Gemeinderats vorstellen, obwohl ich mich für alle Geschäfte interessiere. In der Exekutive entscheidet man ja gemeinsam.

Frau Kieliger, Fachwissen ist das eine. Die SVP schrieb in einer Stellungnahme, Sie seien zwar eine sympathische Person – aber wirkten zu wenig kompetent, zielorientiert und selbstsicher. Hat Sie diese Kritik getroffen?

Petra Kieliger: Das gehört zum Wahlkampf. Meine fachliche Kompetenz beweise ich im Job. Und was ich mir vornehme, habe ich bislang noch immer erreicht. Was die Führungserfahrung betrifft: Ich habe Lernende geführt und ich bin die Chefin meiner beiden Töchter (schmunzelt).

Anders als Stephan Betschen werden Sie erst jetzt politisch aktiv – warum?

Petra Kieliger: Bislang standen die Familie und der Job im Vordergrund. Als der Rücktritt von Sandra Gerber bekannt wurde, habe ich das Ganze zunächst in Ruhe mit meiner Familie und meinem Arbeitgeber besprochen. Erst dann bin ich von mir aus auf die CVP zugegangen. Ich war jedoch schon immer politisch interessiert und CVP-Sympathisantin.

In vielen Exekutiven ist der Altersdurchschnitt hoch, vor allem jüngere Wähler fühlen sich dadurch oft zu wenig vertreten. Frau Kieliger, Sie erwähnen in diesem Zusammenhang gerne Ihr Alter 41 – doch ist das wirklich so wichtig?

Petra Kieliger: Nicht nur. Aber ich höre viel auf der Strasse und in meinem grossen Bekanntenkreis in Buchrain, «du würdest unsere Generation vertreten.»

Herr Betschen, Sie sind 58, was sagen Sie zur Altersfrage?

Geistige Fitness ist nicht eine Frage des Alters, sondern der persönlichen Einstellung. Gerne hätte ich mich früher für den Gemeinderat zur Verfügung gestellt – ich wurde auch schon angefragt. Doch leider war dies mit Blick auf Arbeit und Familie bislang nicht möglich. Als Sozialvorsteher wären mir alle Bevölkerungsschichten wichtig. Ältere, Jüngere. Und nicht zuletzt jene, die Unterstützung brauchen. Wobei für mich in Sachen Sozialhilfe «hart aber fair» gilt. «Hart» beziehe ich auf die gesetzlichen Grundlagen. «Fair» sollte der Staat handeln, aber ich erwarte auch «Fairness» vom Sozialhilfebezüger.

Petra Kieliger: Ich sehe das gleich wie du. Betreffend Sozialhilfe - es gehört zu unserer Gesellschaft, dass nicht jeder auf der Sonnenseite steht. Diese Leute müssen wir unterstützen, damit sie wieder Fuss fassen können.

Auf Stimmenfang geht man heute auch in den sozialen Medien, Herr Betschen, Sie sind auf Facebook präsent…

Ja, ein zusätzlicher Kanal als Ergänzung zu meinen persönlichen Kontakten. Meine Junioren haben mich dazu ermuntert. Auf meiner Seite gibt es sogar ein kurzes Video von der Standaktion im Einkaufszentrum Tschann.

Frau Kieliger, Sie hingegen scheinen in den sozialen Medien kaum aktiv.

Das ist so. Ich trete mit den Leuten lieber direkt in Kontakt. Aber die sozialen Medien werde ich sicher auch noch hinzunehmen.

Und wie ist die Resonanz bei Ihren Werbeaktionen auf der Strasse?

Petra Kieliger: Sehr gut. Naturgemäss hört man direkt wenig Kritisches. Vereinzelt gab es Leute, die offen sagten, sie würden Stephan Betschen wählen, weil sie ihn kennen.

Stephan Betschen: Persönliche Kontakte sind das Wichtigste. Ich habe sehr gute Gespräche geführt. Auch mir sagten manche Leute offen, dass sie CVP wählen.

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