Die Parkplatz-Quote sinkt: Luzerner Bauherren planen zunehmend mit autolosen Haushalten

Die Neu-Überbauung des M-Park-Areals in Ebikon ist heiss umstritten. Dabei geht es auch um die Zahl der Parkplätze. Ein Blick in die Region Luzern zeigt nun: Neubauten werden mit immer weniger Parkplätzen geplant. Wie die Mieter darauf reagieren, muss sich aber erst noch zeigen.

Robert Knobel
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Die Himmelrich-Siedlung in der Luzerner Neustadt, die zurzeit im Bau ist: Hier verfügt nicht einmal jede zweite Wohnung über einen Parkplatz. (Visualisierung PD)

Die Himmelrich-Siedlung in der Luzerner Neustadt, die zurzeit im Bau ist: Hier verfügt nicht einmal jede zweite Wohnung über einen Parkplatz. (Visualisierung PD)

Bis zu 340 Wohnungen will die Migros auf dem Weichle-Areal in Ebikon bauen. Am 10. Februar wird über den Bebauungsplan abgestimmt. Das Projekt wird in Ebikon kontrovers diskutiert. So wird etwa moniert, es seien nicht genügend Parkplätze eingeplant. Konkret sind gemäss Bebauungsplan 0,6 Parkplätze pro Wohnung vorgesehen. Längst nicht jeder Wohnungsmieter kann also ein eigenes Auto haben. Das grenze an Bevormundung, sagte etwa Silvia Illi, Co-Präsidentin des Nein-Komitees, gegenüber unserer Zeitung. Es gibt zudem Befürchtungen, wonach die künftigen Bewohner trotzdem ein Auto besitzen werden und dieses dann einfach in den benachbarten Strassen abstellen.

Doch wie ungewöhnlich sind diese 0,6 Parkplätze pro Wohnung überhaupt? Erhellend ist dabei ein Blick auf grosse Wohnüberbauungen, die in der Region Luzern geplant oder bereits realisiert sind:

Das M-Park-Projekt liegt also bei den Parkplätzen eher im unteren Bereich, genauso wie die geplante Überbauung auf dem Amag-Areal. Ein Grund dafür dürfte auch das Gesamtverkehrskonzept (GVK) Luzern Ost sein. Dieses zeigt Massnahmen auf, wie die Mobilität im Rontal trotz starkem Bevölkerungswachstum in geordnete Bahnen gelenkt werden kann. Da ein Ausbau der Strassenkapazität auf absehbare Zeit illusorisch ist, soll das Mobilitätswachstum vor allem beim ÖV und beim Langsamverkehr (Velo und Fussgänger) stattfinden.

Der Autoverkehr hingegen soll möglichst wenig wachsen. Und da jeder zusätzliche Privatparkplatz auch zusätzlichen Verkehr generiert, soll deren Zahl beschränkt werden, um den Verkehrskollaps zu verhindern. Deshalb lautet eine der Massnahmen im GVK: «Anzahl Parkfelder auf ein geringstmögliches, zweckmässiges Angebot reduzieren». Dies insbesondere in Gebieten, die gut an den ÖV angeschlossen sind. Beim Areal Weichle mit der unmittelbaren Nähe zur S-Bahn und zur Trolleybus-Linie 1 ist dies der Fall.

Deutlich tiefer gehen Bauherren in der Stadt Luzern. Die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) baut zurzeit in der Neustadt die neue Himmelrich-Siedlung mit 250 Wohnungen. Nicht einmal jede zweite dieser Wohnungen wird einen eigenen Parkplatz haben:

ABL-Siedlung Himmelrich Luzern:
0,45 Parkplätze pro Wohnung

Die ABL hat dabei auch aus früheren Erfahrungen gelernt, etwa aus der vor rund 12 Jahren fertig gestellten Tribschenstadt:

Tribschenstadt Luzern:
0,9 Parkplätze pro Wohnung

Etliche dieser Parkplätze stehen heute leer. ABL-Sprecher Benno Zgraggen sagt dazu:

«Würden wir die Tribschenstadt heute bauen, würden wir freiwillig auf einen Teil der Parkplätze verzichten».

Freiwillig auf Parkplätze verzichten – das tut auch die Firma Mobimo. Deren Grossüberbauung beim Bahnhof Mattenhof in Kriens wird diesen Frühling fertig gestellt. Gemäss dem Krienser Parkplatzreglement hätte die Firma im Mattenhof insgesamt 1350 Parkplätze für Bewohner, Besucher und Arbeitnehmer zur Verfügung stellen müssen. Aus Sicht der Mobimo genügen aber 800 Parkplätze für die gesamte Überbauung. Für die künftigen Bewohner stehen nun 0,7 Parkplätze pro Wohnung zur Verfügung. Das hat Folgen:

Grundsätzlich haben nur Mieter von grösseren Wohnungen (ab 3,5 Zimmer) Anrecht auf einen eigenen Parkplatz, die übrigen kommen bei Bedarf auf eine Warteliste.

Im oberen Bereich in Sachen Parkplätze liegt die Überbauung Schweighof in Kriens. Dort sind die ersten von rund 620 Wohnungen bereits bezogen. Gemäss jetziger Planung sind dafür 531 Parkplätze vorgesehen, was eine Quote von knapp 0,9 pro Wohnung ergibt. Dies wurde 2012 von der Gemeinde Kriens bewilligt. Würde der Gestaltungsplan heute eingereicht, müsste die Quote aber vermutlich tiefer sein. Denn inzwischen liegt auch für Luzern Süd ein Verkehrskonzept vor, das eine Reduktion von Parkplätzen bei Neubauten verlangt.

80 Prozent der Schweighof-Bewohner haben ein Auto

Generell fällt auf: Bei bereits bewilligten oder fertig gestellten Überbauungen wie Feldbreite, Tribschenstadt oder Schweighof liegt die Parkplatzzahl höher als bei den aktuell geplanten Projekten. Noch gibt es in der Region Luzern also wenig Erfahrungswerte, wie Mieter von Grossüberbauungen reagieren, wenn nur noch 0,6 oder weniger Parkplätze pro Wohnung zur Verfügung stehen. Aufschlussreich sind allerdings die jüngsten Zahlen vom Schweighof: Rund 80 Prozent der neuen Bewohner mieten einen Parkplatz dazu – das ergibt also eine Belegungsquote von 0,8 Parkplätzen pro Wohnung.

Stadt Luzern kennt ein abgestuftes Parkplatz-Modell

Die Kontroverse um die Zahl der Parkplätze bei neuen Wohnbauten ist nicht neu. Bis vor einigen Jahren galt in den meisten Gemeinden die Faustregel «1 Wohnung – 1 Parkplatz». Dies ist auch in den jeweiligen Parkplatzreglementen festgehalten. Die Stadt Luzern änderte diesen Grundsatz schon in den Achtzigerjahren. So gilt die 1:1-Regel nur noch in bestimmten Quartieren – etwa im Bramberg oder im Wesemlin.

In zentralen Gebieten liegt die maximal erlaubte Parkplatzzahl je nach Zone teils deutlich tiefer. In der Neustadt beispielsweise dürfen bei Neubauten höchstens 0,5 Parkplätze pro Wohnung erstellt werden. Ähnliche Regelungen wollten auch die Gemeinderäte von Kriens und Horw einführen, scheiterten aber an der Urne beziehungsweise im Einwohnerrat.