Nur noch 33'600 Fahrzeuge pro Tag: Wann ist die Luzerner Seebrücke bereit für eine durchgehende Busspur?

Auch 2019 war die Zahl der Autos auf der Seebrücke rückläufig. Nun erneuert der Luzerner Stadtrat eine alte Forderung.

Robert Knobel
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Der Verkehr auf der Luzerner Seebrücke ist immer noch dicht – aber nicht mehr so wie früher.

Der Verkehr auf der Luzerner Seebrücke ist immer noch dicht – aber nicht mehr so wie früher.

Bild: Corinne Glanzmann

Seit 20 Jahren nimmt die Zahl der Fahrzeuge, die täglich über die Luzerner Seebrücke fahren, ab. Der Trend hat sich auch 2019 fortgesetzt: Im Schnitt wurden noch 33'590 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Das sind 1341 weniger als im Vorjahr.  Somit kommt die «magische» Grenze von 32'000 Fahrzeugen in Reichweite. Diese Zahl nannte der Kanton bis vor Kurzem als Zielvorgabe. Der Kanton betonte dabei stets, die Verkehrsreduktion auf der Seebrücke lasse sich nur mit dem Bau der Spange Nord erreichen. Nun zeigt sich, dass das Ziel auch auf «natürlichem» Weg realistisch ist. Die kantonale Baudirektion hat denn auch Abstand genommen vom ursprünglichen Spangen-Projekt. Zur Diskussion steht nun eine abgespeckte Variante, die aus dem Bau der neuen Reussportbrücke bei der Fluhmühle besteht.

Busspur Luzernerhof-Kupferhammer: Kanton ändert Haltung

Der Kanton hat der Stadt Luzern im Zusammenhang mit der Spange Nord ein weiteres Versprechen gemacht: Dank der Verkehrsabnahme in der Innenstadt könne eine durchgehende Busspur zwischen Luzernerhof und Kupferhammer realisiert werden. Dies auf Kosten je einer Autospur pro Richtung. Allerdings ist die Busspur inzwischen nicht mehr in den kantonalen Plänen zur Spange Nord enthalten. Dies zum Ärger des Luzerner Stadtrats. «Der Verzicht auf die durchgehende Busspur ist einer der wichtigen Gründe, weshalb sich der Stadtrat gegen das Projekt Reussportbrücke einsetzt», sagt der städtische Umwelt- und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne). Die Busspur bleibe eine zentrale Forderung der Stadt Luzern. Borgula lässt allerdings durchblicken, dass die Voraussetzungen im Moment noch nicht gegeben sind. Für eine durchgehende Busspur brauche es eine weitere Abnahme des Verkehrs auf der Hauptachse durch die Innenstadt, möglichst auf unter 30'000 Fahrzeuge pro Tag. Andernfalls wäre die Seebrücke mit nur einer Autospur pro Richtung nahe an der Kapazitätsgrenze und dadurch störungsanfällig.

Stadtrat für Pilotprojekt für «Mobility Pricing»

Die neusten Verkehrszahlen für die Seebrücke hat der Stadtrat im Rahmen seiner Antwort auf ein Postulat der GLP veröffentlicht. Darin äussert sich der Stadtrat auch zum Thema «Mobility Pricing». Dieses sieht vor, dass die Benutzung von Strassen und ÖV zu den Stosszeiten teurer ist als während Randzeiten. Die GLP fordert, dass sich die Stadt für entsprechende Pilotversuche einsetzt. Der Stadtrat steht der Idee offen gegenüber, betont aber, dass zurzeit noch die gesetzlichen Grundlagen auf Bundesebene fehlen. Diese würden frühestens 2022 vorliegen. Die Stadt würde sich auch nicht alleine an einem Pilotprojekt beteiligen, schreibt der Stadtrat. Voraussetzung sei, dass die ganze Region mitmacht.