«NYT»-Chefredaktorin wirbt im KKL für Paywall

Die Chefredaktorin der «New York Times», Jill Abramson, hat am Donnerstag zum Auftakt des zweiten Swiss Media Forums im KKL Luzern für das Paywall-System ihrer Zeitung geworben. Den gesamten Inhalt der Online-Ausgabe will sie aber nicht kostenpflichtig machen.

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Jill Abramson, Chefredaktorin New York Times im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Jill Abramson, Chefredaktorin New York Times im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Sie sei glücklich, dass sich das Swiss Media Forum nicht auf die Frage fokussiere: «Werden Zeitungen überleben?» Lieber beschäftige sie sich nämlich mit der digitalen Revolution. Für Abramson ist klar: Das Internet ist keine Bedrohung, es ist die Zukunft.

Online-Medien und Qualitätsjournalismus schliessen sich laut Abramson gegenseitig nicht aus. Im Gegenteil. Sie liebe die Geschichten hinter den Geschichten, sie wolle die politischen Prozesse in den USA durchleuchten. Und vor allem: «Ich will unseren Qualitätsjournalismus global verbreiten», sagte sie.

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, beschäftigt die «New York Times» 1150 Journalisten in ihrem Newsroom - Print- und Online- Redaktionen arbeiten zusammen. «Wir publizieren die Geschichten dann, wenn sie fertig sind, und auf der Plattform, die am besten passt», so Abramson.

Auch NZZ lanciert «Paywall»

Das Bezahlsystem bei der Online-Ausgabe der «New York Times», die so genannte Paywall, hatte Abramson lanciert. 10 Artikel pro Monat gibt's gratis, danach muss der Leser bezahlen. Das System wird weltweit beachtet, auch in der Schweiz. Die NZZ beispielsweise kündigte unlängst an, im Herbst eine Paywall hochzuziehen.

Den gesamten Inhalt der Online-Ausgabe kostenpflichtig zu machen, ist für Abramson aber keine Lösung: «Es ist wichtig, einen Teil des offenen Webs zu bleiben.» Mit einer geschlossenen Paywall sei man nicht mehr ein Teil der öffentlichen Diskussion, sagte die Investigativ-Journalistin, die bis heute die einzige Frau an der Spitze einer grossen US-Zeitung ist.

Neben Jill Abramson referieren am zweiten Swiss Media Forum, das bis Freitag dauert, unter anderem auch Swiss-Chef Harry Hohmeister und Deutschlands Ex-Aussenminister Joschka Fischer. 340 Personen aus Medien, Wirtschaft und Politik nehmen an diesem Kongress teil.

sda