Ob Frischling oder alter Hase: Das motiviert die Fahrer von Nez Rouge

Jahr für Jahr bringen freiwillige Fahrer von Nez Rouge in der Adventszeit Leute nach Hause, die etwas zu tief ins Glas geschaut haben. Während Klaus Feer bereits seit zehn Jahren dabei ist, fährt Bernhard Ottiger heuer zum ersten Mal mit. 

Martina Odermatt
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Man kennt es: Im Dezember finden sich in der Agenda jeweils besonders viele Termine - und auch besonders viele Apéros und Essen. Die Firma lädt zum Geschäftsessen, der Verein bittet zum Dankesapéro. Man trinkt ein Glas Wein, dann noch eines und schwupps merkt man, dass das vielleicht ein Glas zu viel war.

Dass diese Personen dann nicht mehr mit dem Auto nach Hause fahren müssen, dafür sorgen etwa die freiwilligen Helfer von Nez Rouge. Jedes Jahr in der Adventszeit bringen sie tausende Personen sicher nach Hause - für einen Unkostenbeitrag. 

Erste Nervosität wich schnell

Das erste Mal dabei ist heuer Bernhard Ottiger. Nez Rouge Luzern kennt er durch seinen Bruder, der bereits seit 15 Jahren Präsident der Organisation ist, bestens. Doch den Schritt zum freiwilligen Fahrer machte er erst diesen Winter. Lange musste er nicht überlegen, die positiven Erlebnisse seines Bruders animierten ihn nun auch Nez Rouge als Fahrer zu unterstützen.

Klaus Feer (Fahrer) ist seit 10 Jahren bei Nez Rouge dabei. Für Bernhard Ottiger ist es heuer das erste Jahr.

Klaus Feer (Fahrer) ist seit 10 Jahren bei Nez Rouge dabei. Für Bernhard Ottiger ist es heuer das erste Jahr.

Dominik Wunderli (Kriens, 20. Dezember 2019)

Die erste Fahrt hatten Ottiger und seine Partnerin Veronika Ende November. Sie seien schon ein bisschen nervös gewesen, sagt der Rentner. Aber nur, bis sie die Abläufe verinnerlicht hatten. In der Zentrale beim Strassenverkehrsamt instruierte man sie ausführlich, wie man die Formulare ausfüllen muss und wie die Kontaktaufnahme mit dem Kunden von statten geht. Danach ging es für das Paar gespannt nach Altdorf. Ottiger:

«Das war absolut genial. Die Leute, die wir fahren durften, benutzten Nez Rouge zum ersten Mal. Es waren also Frischlinge auf beiden Seiten.»

Und beide Seiten seien begeistert gewesen. Ein «sauteures» Auto habe er fahren dürfen, sagt Ottiger. Da habe man die ersten paar Kilometer schon etwas Respekt.« Eigentlich habe ich das bei jedem Auto.» Es sei schon interessant, wie einem die Autofahrer dann während der Fahrt ihr Auto erklärten. «Die viele Elektronik, die heutzutage in den Autos verbaut ist, macht es nicht einfacher, dafür aufregender.» Allgemein plaudere und lache man viel während der Fahrt.

«Manchmal erzählen die Leute viel aus ihrem Leben.   Auch über Gott und die Welt wird viel philosophiert. Das ist schön und macht die Fahrt kurzweilig.»

Ottiger kommt beim Erzählen kaum aus dem Schwärmen heraus. Auch den Kollegen in der Basis windet er ein Kränzchen, denn während er und seine Partnerin Leute nach Hause fahren, passen diese auf Hündin Winga auf. Diese sei vom Nez Rouge Team ebenfalls begeistert, sagt Ottiger überzeugt.

Von grosser Dankbarkeit und schnellen Lamborghinis

Unter diesen Leute ist auch Klaus Feer zu finden. Der 76-Jährige fährt bereits seit zehn Jahren für Nez Rouge - und möchte es nicht mehr missen. In der Zentrale mit den Kollegen einen Jass klopfen, bis das Telefon läutet und man an einen Ort berufen wird: Führ ihn sei das ein Hobby, das zur Adventszeit gehöre.

«Meine Frau weiss auch, dass sie an diesen Wochenenden etwas weniger von mir hat», sagt er und schmunzelt.

Was Feer, der auch mehrmals wöchentlich für den Fahrdienst des Roten Kreuzes im Einsatz ist, über die Jahre immer wieder motiviert hat und immer noch motiviert, ist die Dankbarkeit der Leute. «Sie sind sehr sehr froh, um unseren Dienst, und zeigen sich grosszügig.» Ausserdem sei es eine gute Sache, und wenn es durch seine Hilfe weniger Unfälle auf den Strassen gebe, lohne sich das allemal. Die Spenden, welche die Fahrer von Nez Rouge erhalten, fliessen immer an einen wohltätigen Zweck. Dieses Jahr gehen diese an die Stiftung Dreipunkt Luzern.

Wenn Feer an seine Zeit bei Nez Rouge zurückdenkt, dann kommt ihm vor allem ein Erlebnis in den Sinn. Er durfte einen Lamborghini von Meggen in die Stadt Luzern fahren. «Ein tolles Auto», sagt Feer. Das sah auch der Kunde so, und wollte, dass Feer von den vielen PS unter der Haube Gebrauch macht.

«Er wollte, dass ich fräse.»

Doch Feer blieb ganz cool und entgegnete: «Sorry, mein Ausweis läuft nur bis 50.»

Auch in Erinnerung geblieben ist ihm eine Fahrt, die aber schon Jahre zurückliegt. Kurz vor drei Uhr, also knapp bevor der Fahrdienst seinen Service einstellt, kam ein Anruf aus dem Glarnerland rein. Feer, der seiner Frau gesagt hatte, er sei gegen drei Uhr zu Hause, nahm den Auftrag an. Normalerweise würden die Helfer diesen an andere Kollegen abgeben, doch manchmal macht man eben Ausnahmen. Feer fuhr also mit einem Partner ins Glarnerland. Es war sieben Uhr morgens, als er dann bei sich zu Hause ein- und seine bereits sehr nervöse Frau antraf.

Klaus Feer und Bernhard Ottiger: Beide haben den wohl strengsten Tag noch vor sich: Silvester. Rund 50 Teams werden dann im Einsatz sein.

«Silvester feiert man, wenn man jung ist»

, erklärt Feer seine Bereitschaft, an diesem Tag zu arbeiten. Und auch Ottiger möchte dann gerne dabei sein. «Ich habe gehört, das soll ganz speziell sein, dann zu arbeiten.» Beiden gemein wird auch ein Einsatz im Tessin sein. Denn während der Fasnacht wird jeweils ein Teil der Delegation in die italienische Schweiz zur Unterstützung geschickt. Feer und Ottiger freuen sich sehr darauf. Auch im 2020 möchten die beiden wieder für Nez Rouge fahren - damit auch Apéro-Freudige sicher nach Hause kommen.

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