Oberägeri
Wohnen im Alter: Wird in der Gemeinde genug und das Richtige getan?

Das Projekt Bruggeschlag im Pflege- und Alterszentrum Breiten in Oberägeri beinhaltet Wohnungen mit Serviceangebot für Seniorinnen und Senioren. Am Dienstag befragte die Bürgergemeinde die Bevölkerung diesbezüglich und ganz allgemein nach ihren Wünschen.

Cornelia Bisch
Drucken
Teilen

Bei der Ausstellung und Publikumsbefragung am letzten Dienstag im Saal Maienmatt in Oberägeri, zu der die Bürgergemeinde geladen hatte, ging es vor allem um das geplante Projekt Bruggeschlag. Es sieht eine Erweiterung, Aufwertung und Modernisierung des Pflege- und Alterszentrums Breiten vor. Selbstbestimmtes Wohnen mit viel Privatsphäre steht bei dem Projekt im Umfang von 40 Millionen Franken im Zentrum.

Die Bevölkerung von Oberägeri bringt ihre Wünsche und Anliegen zum Projekt Bruggeschlag ein. Gemeinderat Paul Iten (an der Tafel rechts) und Bürgerrätin Eveline Schuler schreiben Inputs der Anwesenden auf.

Die Bevölkerung von Oberägeri bringt ihre Wünsche und Anliegen zum Projekt Bruggeschlag ein. Gemeinderat Paul Iten (an der Tafel rechts) und Bürgerrätin Eveline Schuler schreiben Inputs der Anwesenden auf.

Bild: Matthias Jurt (Oberägeri, 19. Oktober 2021)

An der Ausstellung teilten die rund 50 Anwesenden den Gemeindevertretenden anhand von gezielten Fragestellungen ihre ganz persönlichen Wünsche und Vorstellungen von betreutem Wohnen im Alter mit. Wo im Dorf sollten Alterswohnungen entstehen, wie müsste eine solche aussehen und eingerichtet sein? Wie gross sollte sie sein und wie hoch der Mietpreis?

Die Zahlbarkeit ist ein zentrales Anliegen

«Einige Besucher fanden den Standort Breiten nicht glücklich. Sie würden die Region Ländli oder das ZVB-Areal für den Bau der Alterswohnungen vorziehen», berichtet Gemeinderat Paul Iten im Anschluss an die Veranstaltung. Darüber hinaus sei das wichtigste Anliegen der Anwesenden die Zahlbarkeit der Wohnungen gewesen. «Die Angebote der Überbauung Seemattli im Dorfzentrum seien zu teuer, wurde vermehrt festgestellt.» Die Anzahl Zimmer sei grundsätzlich weniger wichtig als die Gesamtgrösse der Wohnungen, die zwischen 70 und 100 Quadratmeter betragen sollte. «Raumhohe Fenster, wie das die moderne Architektur heute oft vorsieht, werden nicht gewünscht. Die Besuchenden äusserten diesbezüglich Sorge wegen der Pflege und der Gefahr für die Vögel.»

Angesprochen wurde auch das Thema Sicherheit. «Hier war ein sicherer Strassenübergang besonders wichtig. Ebenso wie ein Alarm mit möglichst geringer Reaktionszeit rund um die Uhr.» Den Anwesenden sei jedoch klar gewesen, dass ein solcher Dienst zusätzliche Kosten mit sich bringen würde, stellt Iten klar.

Pflege und Dienstleistungen

Allfällige Pflegedienstleistungen und medizinische Betreuung durch Angestellte der Spitex oder des Pflegeheims Breiten inklusive Sprechstunden beim Heimarzt, Therapien, Aktivierung sowie Palliativpflege war ein weiterer, wichtiger Themenbereich. «Für die Besuchenden war klar, dass das Spitexangebot vom Pflegeheim bezogen werden sollte», so Iten. Für die medizinische Versorgung wünsche man sich eine Zusammenarbeit mit der Praxisgemeinschaft Gesundheitspunkt. «Auch Palliativpflege wird als zunehmend wichtiger erachtet, ebenso wie Aktivierungsangebote.»

Daneben ging es aber auch um allgemeine Dienstleistungen aller Art wie Wohnungsreinigung, Wäsche waschen, Einkaufen, Mahlzeitendienst sowie diverse Mobilitätsangebote. «Die Zuhörenden würden es begrüssen, sämtliche dieser Angebote nutzen zu können. Es ist ihnen absolut klar, dass diese bezahlt werden müssen.» Ein Shuttle-Bus, der zwischen dem Ortskern Oberägeri, dem Alterszentrum Breiten und dem Hotel und Seminarhaus Ländli verkehren würde, sei zudem vorgeschlagen worden. Ebenso wie die Errichtung einer Kapelle oder eines Andachtsraums, eines rollatorgängigen Höhenwegs, der das Areal mit dem Ländli verbinden würde, sowie eines Einkaufslokals und ein Gemeinschaftsraum.

Fühlen sich Seniorinnen und Senioren im Dorf wohl?

Die Diskussion griff auf die Situation im gesamten Dorf über. Die Anwesenden wurden ganz allgemein nach ihren Wünschen bezüglich Aufenthalts- und Begegnungszonen in der Gemeinde Oberägeri gefragt: Gibt es genügend Räume für öffentliche Treffen und Begegnungen? Gibt es genügend Grünflächen? Sollte der öffentliche Raum altersgerechter gestaltet werden?

Der Seeplatz werde allgemein sehr geschätzt, stellt Iten fest. «Ein Boccia- oder Pétanque-Platz wurde dort zusätzlich gewünscht sowie durch die Gemeinde organisierte Jass-Anlässe», erzählt Iten. Auch ein Situationsplan, wo im Dorf sich die WC-Anlagen befänden, wäre laut Publikumsmeinung wünschenswert. Mehr Sitzgelegenheiten und Zugänge für Rollstuhlfahrer waren weitere Punkte, welche das Leben der Seniorinnen und Senioren erleichtern würden.

«Die Machbarkeitsstudie Bruggeschlag geht nun in die Projektierungsphase», erläutert Paul Iten abschliessend. Dabei würden die Wünsche der Bevölkerung, welche die Mitsprachemöglichkeit sehr geschätzt habe, einfliessen lassen. «Vor allem der sichere Strassenübergang mit Lift scheint ein sehr verbreitetes, dringliches Bedürfnis zu sein.» Der Gemeinderat Oberägeri habe nun von der Bevölkerung den Auftrag bekommen, Druck auf den Kanton auszuüben, damit ein solcher Übergang gebaut werden könne.

Aktuelle Nachrichten